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Pflanzenschutz

Bei Befall sofort reagieren

von , am
30.01.2015

Welche Krankheiten gefährden den Ertrag von Gerste, Roggen und Triticale und wann lassen sie sich tolerieren? Wann reichen Einmalbehandlungen aus und wann nicht? Wir geben Antworten.

Ein genauer Blick auf die Bestände ist nötig, um die Mittel optimal einzusetzen. © Foto: Watier-visuel
* Bei Einsatz des richtigen Mittels sind Einmalbehandlungen oft wirtschaftlich sinnvoll.

* Doppelbehandlung in Gerste und Roggen nur bei hohem Ertrag und starkem Befallsdruck.

* Braun-, Gelb- und Zwergrost kosten Ertrag. Früher Gelbrostbefall lässt sich mit rechtzeitig eingesetzten Azolen gut kontrollieren.

* Tipps gegen Resistenzen unbedingt einhalten, damit Fungizide in den nächsten Jahren noch wirken.

Gerste oft mit Zwergrostbefall

Das vergangene Jahr brachte vielen Wintergerstenflächen stärkeren Zwergrostbefall, abhängig von Sortenanfälligkeit und Standort. Ergebnisse aus Sachsen-Anhalt zeigen einen ähnlich hohen Endbefall wie im Rostjahr 2012. Zwergrost wirkt sich besonders stark auf den Ertrag aus und ist daher genau zu beobachten. Zusätzlich traten 2014 Echter Mehltau, Netzflecken und Rhynchosporium auf. Ramularia (Ramularia collo-cygni) kam noch später als sonst dazu und erreichte nur selten höhere Befallsstärken.
Zu Vegetationsbeginn ist besonders auf Echten Mehltau, Netzflecken und – vor allem in feuchten Lagen – Rhynchosporium zu achten. Bleibt der Befall während des Schossens gering, sind Einmalbehandlungen zum richtigen Zeitpunkt ausreichend wirksam und wirtschaftlich sinnvoll. Das zeigen Versuchsergebnisse der letzten Jahre aus dem mitteldeutschen Trockengebiet. Doppelbehandlungen brachten meistens gleiche Mehrerträge wie Einmalbehandlungen. Hinzu kommen ertragliche Jahresschwankungen, vor allem bei der Gerste. Auf Standorten mit nur mittlerer Ertragsleistung und Vorsommertrockenheit waren die erzielten Mehrerträge oft nicht kostendeckend. Der Aufwand darf also nicht zu hoch sein.

Im Roggen vor allem Braunrost

Die wichtigste Krankheit im Winterroggen ist Braunrost. 2014 trat sie vielerorts extrem früh zu Schossbeginn auf. Dadurch wurde der Bekämpfungsrichtwert früher als sonst erreicht und die Behandlungen mussten häufig bereits während des Schossens erfolgen. Auch Blattbefall mit Schwarzrost (Puccinia graminis) und Gelbrost wurde an mehreren Standorten festgestellt.
Früher Rostbefall ist nicht zu unterschätzen. Der rechtzeitige Einsatz gut wirksamer Azolfungizide schafft Abhilfe (Wirkstoffe: Cyprconazol, Epoxiconazol, Tebuconazol). Es gibt erste Anzeichen für eine Wirkminderung, das so genannte Shifting bei den Azolen gegenüber Braunrost. Daher ist eine möglichst hohe Dosierung von mindestens 75 bis 80 Prozent der zugelassenen Aufwandmenge erforderlich. Unterdosierung beschleunigt das Shifting.
Meist treten jedoch im frühen Blattstadium zunächst Echter Mehltau und Rhynchosporium auf. Der Befall lässt sich aber oft tolerieren, weil er nur selten auf die oberen Blattetagen übergeht. Dann genügt eine Einmalbehandlung mit preiswerten Azolen, die sich am Braunrostbefall orientiert. Das empfiehlt sich besonders auf Standorten mit geringerer bis mittlerer Ertragserwartung.
Zu beachten ist die im Vergleich zu anderen Getreidearten lange Phase von der Blüte bis zur Abreife. Hier ist eine gute Dauerwirkung gefragt, denn auch spät eintretender Braunrostbefall kann den Ertrag noch empfindlich mindern. Der optimale Behandlungszeitraum gegen Braunrost liegt in Normaljahren zwischen BBCH 47 und 61. Je früher der Fungizideinsatz notwendig wird, desto höher muss die Aufwandmenge für eine Dauerwirkung sein. Ab Mitte Ährenschieben (BBCH 55) reichen 80 Prozent der Aufwandmenge beziehungsweise reine Azolanwendungen aus.

Roggen: Doppelt mit Dauerwirkung

Doppelbehandlungen sind bei hoher Ertragserwartung oder größerem Befallsdruck sinnvoll, etwa bei Halmbruchrisiko, stärkerem Mehltau- oder Rhynchosporiumbefall. In solchen Fällen ist ein früher Einsatz zum Schossen einzuplanen.
Die zweite Maßnahme richtet sich dann vor allem gegen den meist später auftretenden Braunrost. Hier haben dann Strobilurine und Carboxamide deutliche Vorteile, besonders bei der Dauerwirkung.
Die Unterschiede zwischen den einzelnen Wirkstoffen und Wirkstoffgruppen lassen sich an den Ergebnissen der ostdeutschen Ringversuche in Brandenburg, Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt nachweisen. Mischungen aus Carboxamid + Strobilurin + Azol zeigen eine besonders lang anhaltende Braunrostwirkung, verbunden mit der deutlichsten Ertragssteigerung. Bei Einsatz der wirksamsten Carboxamid-Azolkombination kann auf den zusätzlichen Strobilurinanteil verzichtet werden.

(Anm. d. Red.: Leider hat sich in die Grafik dlz 2/2015, S. 34 der Fehlerteufel eingeschlichen. Nebenstehend noch einmal die korrekte Übersicht zur Braunrostbekämpfung in Roggen).
ks
 
Der vollständige Beitrag ist im dlz agrarmagazin Februar 2014 erschienen.
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