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Pflanzenschutz

dlz-Rundruf: Massive Schäden durch Rapserdfloh und Kohlfliege

von , am
13.10.2014

Rapserdfloh und Kleine Kohlfliege halten vor allem Norddeutschland in Atem. Das Beizverbot hat zu massenhafter Vermehrung geführt, mancherorts wurde Raps schon umbrochen. Wir haben uns bei Praktikern und Beratern in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern nach dem Stand der Schäden umgehört.

Wo die Kleine Kohfliege gefressen hat, bleibt von der Pfahlwurzel nichts mehr übrig. © agrar-press
Das Verbot neonikotinoider Beizen hat die Rapsanbauer schon jetzt voll getroffen, deutlich früher als gedacht. "Es hat niemand damit gerechnet, dass Rapserdfloh und Kleine Kohlfliege schon im ersten Jahr nach Wegfall des Beizschutzes so massiv auftreten", sagt Praktiker Nikolai Rogos aus Behrenhoff bei Greifswald, Mecklenburg-Vorpommern.[[mehr]] Das warme und trockene Wetter im Herbst hat die Vermehrung der Schädlinge im Norden zusätzlich begünstigt.
Es herrscht große Ratlosigkeit. Die erste Welle mit dem Rapserdfloh ab Anfang September konnten die Rapsanbauer oft noch in den Griff bekommen. Jetzt ist die Kleine Kohlfliege nicht mehr zu halten.

Zuerst der Erdfloh...

Erster Lochfraß des Erdflohs an Keim- und den jungen Laubblättern war schon zwei Wochen nach der Saat zu sehen. Die Pflanzenschutzdienste haben frühzeitig gewarnt und empfohlen, mit Gelbschalen genau auf Befall zu achten. "Die Bauern mussten teilweise dreimal mit Pyrethroiden spritzen", sagt Dr. Stephan Goltermann vom Pflanzenschutzdienst in Rostock. Die Wirkung des Insektizids reicht maximal eine Woche, der Erdfloh ließ sich nur langsam in den Griff bekommen.

...und dann die Kohlfliege

"Ende letzter Woche habe ich die Bestände gesichtet. Da dachte ich, es wäre überstanden", sagt Rapsanbauer Nikolai Rogos im dlz-Interview. Die Blattschäden hatten sich verwachsen, die Rapspflanzen sahen gut aus. "Als ich dann Pflanzen aus dem Boden zog, stellten sich mir die Nackenhaare auf." Die Pfahlwurzeln fehlten, waren unterhalb des Wurzelhalses wie abgeschnitten. "Das sah aus wie ein fauler Zahn. Drei bis sieben Maden der Kleinen Kohlfliege saßen an den Wurzelresten." Das Tückische: Der Schaden durch die Kohlfliege zeigt sich nicht sofort und ist zudem nicht bekämpfbar. Es sind keine Spritzmittel zugelassen. Wenn die Wurzel massiv geschädigt ist, verfärben sich die Pflanzen rotviolett und sterben ab.
"Teilweise bilden sie dann noch Seitenwurzeln, das hängt aber vom Wetter ab", sagt Praktiker Rogos. Er hofft jetzt auf Niederschlag. "Etwa jeweils ein Drittel der Pflanzen hat gar keine Wurzeln mehr, noch leichte Nebenwurzeln oder schon kräftigere neue Wurzeln gebildet." Ob die ausreichen, Trockenstress im Frühjahr abzupuffern, wird sich zeigen. Zusätzlich sind Eintrittspforten für Phoma und andere Krankheiten entstanden. "Im besten Fall können wir noch 10 bis 15 Pflanzen pro Quadratmeter über den Winter retten. Im schlechtesten Fall hoffen wir – und es kommt nichts."

Abwarten und päppeln

"Jetzt gilt es, den verbleibenden Rapspflanzen etwas Gutes zu tun, etwa mit Bor, Spurennährstoffen oder Bittersalz", rät Beraterin Manja Landschreiber von der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein in Lübeck. Rapsanbauer Axel Steinmatz aus Bargteheide zwischen Hamburg und Lübeck ergänzt: "Raps kann ja viel durch Verzweigen kompensieren, aber selbst dann ist die räumliche Verteilung nicht mehr optimal." In den Lücken nimmt der Unkrautdruck zu. Die verbleibenden Pflanzen will Steinmatz jetzt durch bedachtes Einkürzen stärken. Seine Beobachtung ist, dass die früh gesäten Bestände stärker betroffen sind. "Der Kohlgeruch ist stärker, da die Blätter größer sind und somit die Fliege schneller angelockt wird."
Der Wegfall der neonikotinoiden Beizen bedeutet für die Betroffenen in jedem Fall einen wirtschaftlichen Schaden. Im Frühjahr ist je nach Verlauf des Winters abzuwägen, ob der Bestand noch rentabel ist oder nach Umbruch eine Sommerung auf den Acker kommt. Der Spitzenertrag der letzten Jahre ist in jedem Fall weg – da sind sich die Betroffenen einig.

Mehr Informationen und Links zum Thema

Kennen Sie das dlz-Poster "Insektizidresistenz bei Rapsschädlingen vermeiden"? Beraterin Manja Landschreiber fasst hier alle wichtigen Strategien zum Resistenzmanagement von  Erdfloh, Rapsglanzkäfer und Co. zusammen. dlz-Abonnenten können es kostenlos anfordern bei , Tel. 089/12705-584.
 
Mehr zum Thema lesen Sie in der November-Ausgabe des dlz agrarmagazins. 

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