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Pflanzenschutz

Schleichend weniger Mittel

von , am
20.02.2015

Wirkstoffe, deren Eigenschaften als "kritisch" gelten, verlieren künftig ihre Zulassung, sobald eine "bessere" Alternative vorhanden ist. Die so genannte Subsitution kommt nun so richtig in Gang.

© landpixel
Die EU-Kommission hat per Durchführungsverordnung einer Liste von Kandidaten zugestimmt (vgl. dlz 11/14, Seite 108 und dlz 5/14, Seite 58). 77 Wirkstoffe finden sich auf der Liste. Sie ist laut Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) vorläufig. In Routinebewertungen werde die Einstufung noch mal geprüft. So können weitere Stoffe ergänzt oder welche gestrichen werden. Insgesamt sind rund 460 Wirkstoffe zugelassen.

Die Liste enthält Wirkstoffe, die zwar alle gesetzlichen Forderungen erfüllen, aber einige vermeintlich "ungünstigere" Eigenschaften für Gesundheit oder Umwelt haben. Sie werden künftig als "zu ersetzende Wirkstoffe" bezeichnet. Schon 2009 wurde das "Prinzip der vergleichenden Bewertung"mit der EU-Verordnung 1107/09 eingeführt. Die Listung ändert nichts daran, dass die Substanzen die hohen Sicherheitsanforderungen der EU erfüllen. Sie sind alle sicher. Das stellt Brüssel nicht infrage.

Als Folge dürfen aber nun laut BVL Präparate mit solchen zu ersetzenden Wirkstoffen "nur zur Anwendung zugelassen werden, wenn es keine wirtschaftlichen und praktikablen Alternativen gibt, die deutlich sicherer für Mensch und Umwelt sind".
Umgekehrt heißt das: Solche Wirkstoffe verlieren künftig die Zulassung, sobald neue und als "sicherer" eingestufte am Markt vorhanden sind, die vergleichbar wirken. Allerdings sollen die älteren Wirkstoffe nicht ohne Abwägung verboten werden. "Die Einführung der vergleichenden Bewertung", so das BVL, "darf keine Bekämpfungslücken schaffen und ein praktikables Resistenzmanagement nicht gefährden."

Ab August 2015 gelten die neuen Regeln für alle Zulassungsanträge neuer Produkte. Der Countdown für die Registrierung läuft also. Sobald die Wirkstoffe zur Neubewertung anstehen, wird geprüft, ob "bessere" Alternativen vorhanden sind. Die Behörden müssen dann zusätzliche Erwägungen bei der Zulassung eines Präparats treffen. Dabei sind die Verfahren auch ohne vergleichende Bewertung schon vergleichsweise komplex, teuer und zeitintensiv.

Die Folgen werden nicht sofort, sondern nur schleichend spürbar sein. Die entsprechenden Mittel dürfen zunächst weiter eingesetzt werden. In den nächsten Jahren verschwinden viele jedoch womöglich ganz allmählich - still und leise - vom Markt.

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