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Sorten

Raps für alle Regionen

von , am
23.06.2015

Die Anbauflächen sind bundesweit erneut gesunken. Durch Schädlingsdruck nimmt die Attraktivität von Raps ab. Dabei bringen aktuelle Sorten Top-Erträge.

Die robusten Hybriden haben die Liniensorten ertraglich abgehängt. Wichtig ist in jedem Fall ein optimales Saatbett. © Foto: Watier-visuel
Das Bundessortenamt stuft Rapssorten nicht mehr in ihrer Toleranz gegen Phoma ein. Bei Befall ist eine gute Toleranz aber die Voraussetzung dafür, dass die Bestände mit dieser Krankheit fertig werden. Hier schneiden DK Exstorm, Raptor, Sherpa, PT206 und Genie überdurchschnittlich ab. Avatar wird mit „mittel“ beurteilt, ebenso die jüngeren Sorten Marathon, SY Vesuvio und Mercedes.

Empfehlungen für den Norden

Auf vielen Schlägen tritt zunehmend Kohlhernie auf; besonders im Östlichen Hügelland, mittlerweile aber auch in den beiden anderen Anbaugebieten. Hier sind tolerante Sorten anzubauen. Von denen, die bislang in den LSV geprüft wurden, kommt vor allem SY Alister infrage. Bei guten eigenen Erfahrungen spricht auch nichts gegen Andromeda oder Mendelson. Der Abstand zwischen den kohlhernietoleranten Sorten und den besten anfälligen Sorten war 2014 hoch. Das liegt auch daran, dass die bisherigen kohlhernietoleranten Sorten nicht über das hohe Ertragspotenzial verfügen, das 2014 ausgeschöpft werden konnte.

Neue zur Ernte 2015

Zu den Neuen in den LSV gehören bei den kohlhernietoleranten Sorten Mendelson aus dem EU-Sortenversuch sowie Mentor und PT242 mit Zulassung aus der deutschen Wertprüfung 2014. Sie lassen einen Fortschritt gegenüber den bisherigen Sorten erwarten.
Bei den anfälligen Sorten wurden aus dem Zulassungsjahrgang 2013 Flyer und Medea neu in die LSV aufgenommen. Beide versprechen ebenfalls ein hohes Leistungsniveau. Aus dem aktuellen Jahrgang 2014 stehen neben den kohlhernietoleranten Sorten auch Penn und Raffiness neu in den LSV. Daneben wurden mit Archipel, Fencer und Popular weitere Sorten in die deutsche Sortenliste eingetragen, die ebenfalls hohe bis sehr hohe Leistungen versprechen und 2015 im Bundessortenversuch geprüft werden.

Die Top 3 für den Osten

Zur Ernte 2014 stand in den ostdeutschen Bundesländern auf 808.000 ha Winterraps. Das sind etwa 58 Prozent der Rapsanbaufläche Deutschlands. In allen Neuen Ländern ließen sich Rekorderträge erzielen, die deutlich über 40 dt/ha lagen.

Hybridsorten

Avatar wird mit überdurchschnittlichen Korn- und Rohfetterträgen in allen vier ostdeutschen Anbaugebieten empfohlen: diluviale Böden (D-Nord und D-Süd), Löss(Lö)- und Verwitterungs(V)-Böden der Vorgebirgslagen. Ihr hohes Ertragspotenzial kann die Sorte vor allem auf den guten Rapsstandorten und mit hoher Fungizidintensität ausschöpfen. 2013 zeigte sie auch auf den gut mit Wasser versorgten Sandböden sehr gute Ergebnisse. Für die ölreiche Sorte empfehlen sich mittlere Saattermine.
PR46W20 hat auf allen Standorten mehrjährig überdurchschnittliche Rohfett-erträge erzielt. Die ölreiche Sorte eignet sich sowohl für eine frühe als auch für spätere Aussaat. Die Bestandesführung ist an die etwas stärkere Anfälligkeit gegenüber Phoma lingam anzupassen.
Sherpa erreicht ebenfalls in allen Regionen ausgeglichen gute Korn- und Rohfetterträge mit Vorteilen auf den Lö- und V-Standorten. Die kürzere Sorte reift mittelfrüh und homogen ab und eignet sich auch für eine spätere Saat.

Sorten für den Süden

Die Rapsanbaufläche hat in Süddeutschland den bisherigen Tiefststand erreicht, etwa in Bayern mit knapp 123.000 ha im Erntejahr 2014. Nach derzeitigen Prognosen wird sie zur Ernte 2015 weiter auf rund 113.000 ha zurückgehen. Das sind 30 Prozent weniger als im Höchstjahr 2007. Mit durchschnittlich
45 dt/ha haben die Anbauer 2014 aber den bisher höchsten Ertrag erzielt. Gut ein Viertel der Betriebe konnte die 5-t-Schwelle übertreffen.

Die letzte Liniensorte

Mit einem Anteil von 88 Prozent der Proben der Besonderen Ernteermittlung in Bayern haben zur Ernte 2014 Hybridsorten die Linien fast vollständig abgelöst. Mit Sherlock stand nur mehr eine Liniensorte in der Prüfung. Das enorme Ertragspotenzial des Jahres 2014 konnte Sherlock mit relativ 96 Prozent nicht ausreichend nutzen. Der Ölgehalt liegt mit 42,9 Prozent mittlerweile unter dem Durchschnitt. Damit kann die Sorte trotz geringerer Saatgutkosten in der Marktleistung in allen drei Anbaugebieten mit relativ 95 bis 97 Prozent nicht mehr aufholen. Mit Sherlock wird die letzte Liniensorte aus der Empfehlung und den Sortenprüfungen genommen.

Die geprüften Neuen

Als neue Sorten stehen nach fünfjähriger Prüfzeit in Bayern erstmals drei Sorten Comfort, Mercedes und Marathon zur Wahl:
Comfort bietet deutlich überdurchschnittliche Erträge und einen Spitzenölgehalt. Die Sorte kann ihre Führungsposition in der Marktleistung ausbauen.
Marathon büßt bei ähnlichem Ertrag durch einen unterdurchschnittlichen Ölgehalt von 42,9 Prozent Marktleistung an Vorzüglichkeit ein. Auch in der Phomatoleranz kommt Marathon nicht an das Niveau von Comfort heran.
Mercedes wurde als „heißer Kandidat“ aus der Wertprüfung direkt in die Landessortenversuche (LSV) übernommen. Im ersten LSV-Jahr konnte die Sorte aber im Kornertrag die hohen Erwartungen nicht bestätigen. Ihre Anbauwürdigkeit muss sie in einem weiteren Prüfjahr beweisen. ks
Der vollständige Beitrag ist im dlz agrarmagazin Juni 2015 erschienen.
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