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Leguminosen

Soja-Impfmittel: Diese funktionieren wirklich

Dieser Artikel ist zuerst in der DLZ erschienen.

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Ein Sojabestand
Selbst kleine Qualitätsunterschiede der Impfmittel zeigen sich bereits zur Blüte am schwächeren Grün (mittlere Reihe). © Taifun Tofuprodukte
von , am
31.03.2017

Die richtige Impfung sichert das Wachstum der Sojabestände. Neue Präparate mit Flüssigformulierung ergänzen die Palette und versprechen viel. Hier der Praxischeck.

Berater und Landwirt kontrollieren einen Sojabestand
Taifun-Berater Fabian von Beesten (rechts) hat die Impfmittel in der Praxis verglichen und berät Anbauer. © Taifun Tofuprodukte

Sojabohnen können sich in Sym­biose mit Wurzelbakterien, den sogenannten Rhizobien, selbst aus der Luft mit Stickstoff (N) versorgen. Bradyrhizobium japonicum, das auf Soja ­spezialisierte Bakterium, ist aber in ­unseren Böden noch nicht verbreitet. Daher ist der Einsatz eines hochwertigen Impfmittels ein Schlüssel zum Anbauerfolg von Soja,  auch wenn die Kultur bereits mehrfach angebaut wurde. Die Wahl des Impfmittels und die Sorgfalt bei der Anwendung haben großen Einfluss auf Ertrag und Eiweiß.

Fix und fertig oder frisch?

Vielfach wird Sojasaatgut ab Werk geimpft angeboten. Ab dem Moment, wo die Rhizobien durch das Öffnen der sterilen Verpackung der Umwelt ausgesetzt sind, beginnt ihre Anzahl zu sinken. Das Fix-und-fertig-Saatgut enthält eine stark erhöhte Rhizobienzahl und ein schützendes Polymer. Beides soll die Monate zwischen Impfung und Aussaat kompensieren.

Versuche und Praxis zeigen aber immer wieder, dass auf die Fix-und-fertig-Impfung kein Verlass ist. Zu groß ist das Risiko, dass die Bakterien durch zu warme Lagerung oder andere Einflüsse verenden. Aktuell wird empfohlen, grundsätzlich auch vorgeimpftes Saatgut vor der Aussaat noch einmal mit frischen Rhizobien zu versehen.

Torf oder flüssig?

Anrühren eines torfhaltigen Soja-Impfmittels
Force 48 enthält den Impfstoff aus dem HiStick-Mittel. Der zusätzliche Kleber lässt sich einfach mit dem Mixer in den Torf einrühren. © Taifun Tofuprodukte

Jahrelang galt Torf als der optimale Träger für Rhizobien. Impfmittel auf Torfbasis waren besonders sicher, lange haltbar und effektiv. Neuere Flüssigimpfstoffe sind jedoch den altbewährten Torfmitteln in der Wirkung teilweise überlegen, bei zudem einfacherer Handhabung.

Ein Nachteil der Flüssigimpfung besteht in der Transparenz der Mittel: Man sieht nicht gut, ob alle Samen etwas abbekommen haben. Sobald das Mittel angetrocknet ist, lässt sich praktisch gar nicht mehr erkennen, ob das Saatgut bereits geimpft ist. Umso wichtiger sind eine optimale Impftechnik mit Sprühpistole und natürlich die Beschriftung der behandelten Gebinde.

Diese Mittel sind verfügbar

Verpackungen unterschiedlicher Soja-Impfmittel
An Auswahl mangelt es nicht, doch welche Impf­stoffe empfehlen sich? Flüssigmittel sind einfacher zu handhaben als bewährte Torfprodukte. © Taifun Tofuprodukte
  • Biodoz ist ein Klassiker unter den Torfmitteln. Es ist im 400-g-Beutel für 100 kg Saatgut auf den Markt. Die Rhizobien sind vom G49-Stamm. In den Versuchen rangiert Biodoz stets im oberen Bereich. Das Produkt wird von Novozymes/Monsanto produziert, der Europa-Vertrieb erfolgt über DeSangosse.
  • HiStick entspricht in der Formulierung und auch in der Qualität laut Exaktversuchen weitestgehend Biodoz. Statt G49 wird seit ein paar Jahren ein kanadischer Rhizobienstamm eingesetzt. Der ursprüngliche Hersteller Becker Underwood wurde von BASF aufgekauft.
  • Force 48 besteht aus HiStick plus Klebstoff. Je 400 g Torf werden 800 ml Polymer mitgeliefert. Laut Hersteller ermöglicht der Schutzeffekt des Klebers eine Impfung bereits 48 Stunden vor der Aussaat, im Gegensatz zu den empfohlenen 24 Stunden bei reinem Torf. Das Präparat wird seit Jahren erfolgreich eingesetzt.
  • Rhizoliq Top S: Mit diesem Mittel scheint der Durchbruch der flüssigen Impfstoffe für Soja gelungen. Dem argentinischen Hersteller Rhizobacter ist es durch intensive Forschung geglückt, ein sicheres und effizientes Mittel herzustellen. Neben der verbesserten Formulierung kommen zwei aktuelle Stämme der Embrapa zum Einsatz: Semia 5079 und Semia 5080. Rhizoliq hat mehrfach in deutschen Versuchen höchste Qualitäten und Erträge gebracht, selbst wenn bereits zehn Tage vor der Aussaat geimpft wurde. Das Mittel wird in zwei flüssigen Komponenten geliefert, die vor der Impfung zusammengeschüttet werden. In Europa wird es von DeSangosse vertrieben.
  • Turbosoy wird ebenfalls vom Argentinier Rhizobacter hergestellt, den Vertrieb macht jedoch Saatbau Linz. Offensichtlich beliefert Rhizobacter parallel zwei Vertriebspartner in Europa. Die beiden Produkte sind laut Hersteller sehr ähnlich. In aller Regel sollten sie dieselbe Wirkung erzielen. Es besteht ein geringer Unterschied in der Art, wie die Bakterien vorbereitet werden. Außerdem verkauft Saatbau Linz das Mittel im Doppelpack für insgesamt 200 kg Saatgut.
  • Rootwin Plus-S ist ein weiteres neues Produkt, diesmal aus Südafrika, das in Versuchen bisher gute bis sehr gute Ergebnisse erzielte. Es wird als Granulat in kleinen Einheiten für jeweils 50 kg Saatgut geliefert. Der vom Schweizer Vertrieb Andermatt Biocontrol versprochene Zusatzeffekt der mitgelieferten Trichoderma-Pilze konnte jedoch bislang nicht bestätigt werden.
  • Radicin entsprach in Versuchen wie auch in der Praxis wiederholt nicht den Erwartungen. Daher wurde die Produktion vom deutschen Hersteller Jost vorübergehend eingestellt.
  • Rhizofix ist eine Neuentwicklung der Freudenberger Saaten auf Basis von Milchpulver. Auf mehreren Praxisbetrieben und auch im Exaktversuch gab es zur Markteinführung unbefriedigende Ergebnisse. Der Hersteller führt dies auf technische Startschwierigkeiten zurück. Es bleibt abzuwarten, ob das Produkt noch verbessert wird.
  • Soilbac: Ganz neu am Markt, wird dieses Produkt von der Agrel GmbH vertrieben. Der Flüssigimpfstoff wird mit 100 l Wasser vermengt, unmittelbar vor der Aussaat auf den Boden gesprüht und flach eingearbeitet. Es gibt keine offiziellen Versuchsergebnisse. Das Ausspritzen erfordert einen extra Arbeitsgang und dürfte aufwendiger sein als die Applikation auf das Saatgut. Rhizobien sind empfindlich gegen UV-Licht, besonders bei Sonnenschein bleibt zu befürchten, dass sie geschädigt werden.

 

Der vollständige Beitrag ist im dlz agrarmagazin April 2017 erschienen.

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Mit Material von Fabian von Beesten, Sojaberater bei Life Food GmbH Taifun Tofuprodukte
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