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Schweinekrise: Mehr Platz entlastet Markt nicht

von , am
17.08.2015

Verschiedene Grünen-Politiker auf EU-, Bundes- und Landesebene sorgen sich um die wirtschaftliche Situation der Schweinehalter und machen konkrete Lösungsvorschläge.

Nach Ansicht der Europaparlamentarierin Maria Heubuch, des Bundestagsabgeordneten Friedrich Ostendorff und des schleswig-holsteinischen Landtagsabgeordneten Bernd Voß sollte die vorschreiben, dass in allen EU-Schweineställen das Platzangebot um zehn Prozent erhöht werden müsse, um so die Schweinefleischerzeugung entsprechend zu drosseln.
 
Der Vorschlag richtet sich an die EU-Landwirtschaftsminister, die sich am 7. September zu einer Sondersitzung des EU-Agrarrates treffen. Gleichzeitig kritisieren sie Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt, nicht genug einzugreifen und fordern ihn beispielsweise explizit auf, seine "umfangreichen Möglichkeiten zu nutzen", um den Handel unter Druck zu setzen, damit er mehr Geld für die Tierwohlverbesserungen in den Betrieben bezahlt.
 
Die ISN kritisiert die Forderung nach mehr Platz. "In so einer Situation per Ordnungsrecht mehr Platz einzufordern wäre kontraproduktiv. Hierdurch würden die Erzeugungskosten noch weiter in die Höhe getrieben. Die katastrophale Situation würde im Ergebnis sogar noch weiter verschärft", schreibt die Interessensvertretung. 
Eine Abstockung hierzulande würde im freien EU-Markt zudem schlicht verpuffen - zu Lasten der deutschen Schweinehalter, vor allem auch der deutschen Ferkelerzeuger.

Einheitliche EU-Vorgaben wichtig

"Es darf nicht um die generelle Platzerhöhung gehen, sondern um einheitliche Platzvorgaben für alle Schweine in der EU", kommentiert ISN-Geschäftsführer Dr. Torsten Staack den Vorschlag. Denn während die derzeit gültige EU-Richtlinie beispielsweise einen Mindestplatz von 0,65 m² für Mastschweine bis 110 kg vorgibt, liegt die deutsche Gesetzgebung schon heute um 15 Prozent darüber (0,75 m²). Auch wenn die nationalen Vorgaben in einigen Ländern – wie in Deutschland – höher liegen, ist das längst nicht in allen EU-Staaten der Fall. 
 
Allderdings hält die ISN die Forderung der Grünen für richtig, der Handel müsse für die Initiative Tierwohl mehr Geld zur Verfügung zu stellen, um so höhere Erzeugungskosten z.B. durch mehr Platz je Tier auszugleichen. Hier sind die Grünen-Politiker insbesondere aber auch selbst gefragt, die Landwirte in ihrem Bemühen zu mit konkreten Aktivitäten zu unterstützen, dass alle Schweinehalter auf der Warteliste der Initiative tatsächlich auch teilnehmen können!
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