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Mit Superabgabe-Geld Milch rauskaufen

von , am
15.07.2015

Angesichts der eklatanten und akuten Liquiditätsprobleme der Milchviehbetriebe in der aktuellen Milchmarktkrise fordert der BDM, die Mittel der Superabgabe von 900 Mio. Euro dafür zu verwenden, eine schnelle Erholung des Milchmarkts herbeizuführen

BDM-Vorsitzender Romuald Schaber © Werkbild
"Jetzt muss das Augenmerk vor allem darauf gerichtet sein, alles dafür zu tun, dass sich die finanzielle Situation der Milchbetriebe ganz schnell verbessert. Es gilt, den globalen Milchmarkt, zu dessen Krise die EU mit ihren Mehrlieferungen maßgeblich beigetragen hat, schnell zu entlasten. Konkret bedeutet dies, die Zahlungen aus der Superabgabe für Maßnahmen zu verwenden, die die EU-Milchanlieferungen zeitlich befristet zurückführen können, " erklärt BDM-Vorsitzender Romuald Schaber.
 
Der BDM habe dafür ein Konzept vorgelegt. Er erwartet, dass die 900 Mio. Euro als Ausgleichsleistung für die Milchviehbetriebe verwendet werden, die bereit sind, ihre Milchanlieferung zeitlich befristet zurückzunehmen und damit den Milchmarkt zu entlasten.
 
"Exportinitiativen sind als Daueraufgabe der Molkereiindustrie grundsätzlich zu begrüßen, helfen in der akuten Situation aber kein bisschen weiter", ist sich Schaber sicher. Die Milchmarktkrise sei global, denn es sei weltweit zu viel Milch auf dem Markt. Das drücke die Preise. Auch wenn neue Absatzmärkte für die europäische Milch gefunden werden würden, ändere das nichts am insgesamt viel zu niedrigen Milchpreisniveau.  "Die Gelder der Superabgabe hierfür einzusetzen, wäre daher unverantwortlich und eher Verschwendung als eine echte Hilfe für die Milchviehhalter", kritisiert Schaber weiter.
 
 

Brüssels Hinhaltetaktik ist unverantwortlich

Den EU-Milchviehhaltern entstehen alleine in 2015 Verluste von mindestens 15 Milliarden Euro. Vor diesem Hintergrund und angesichts der erwarteten weiteren dramatischen Zuspitzung der Milchmarktsituation kann die immer noch abwartende Haltung der EU-Kommission und der deutsche Ratsvertretung in Brüssel nicht länger akzeptiert werden. "Die dramatische Milchmarktsituation als Folge des Konfliktes zwischen Russland und der EU darzustellen, ist fachlich falsch und nichts anderes als ein reiner Ablenkungsversuch", erklärt Schaber mit Blick auf die Argumentation verschiedener Politiker und Verbandsvertreter. Eine der Hauptursachen der aktuellen Marktentwicklung ist die seit Mitte 2013 ansteigende EU-Milchanlieferung, die 2014 in einer Mehrproduktion von über 6 Mio. Tonnen Milch gipfelte. Auch für 2015 zeichnet sich eine weitere Zunahme der EU-Milchanlieferung ab.

Experten sehen wenig Preiseffekte

Allerdings zweifeln Milchmarktexperten, ob das BDM-Marktverantwortungsprogramm wirklich den Milchmarkt schnell entlasten kann. So kam Prof. Dr. Holger Thiele mit seinem Gutacherteam vom Kieler ife-Institut in einer Expertise zum Schluss, dass Mengensteuerungskomponenten des vorgeschlagenenn Marktverantwortungsprogramm wenig geeignet seien, um die Liquidität der Milchviehbetriebe kurzfristig zu sichern, da die Preiseffekte in Krisenzeiten gering, verspätet oder zumindest unsicher seien.  Mehr dazu finden Sie in der August-Ausgabe des dlz agrarmagazins.
Auch Wissenschaftler des Thünen-Institutes sehen in den BDM-Vorschlag wenig Preiseffekte und vor allem noch mehr Bürokartie auf die Milcherzeuger zu kommen, wie wir in der dlz-Ausgabe Februar 2015 berichtet hatten.     
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