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dlz-Fahrbericht

Lely Tigo Ladewagen: Große Klappe, viel dahinter

Lely Tigo MR Ladewagen
© Thomas Göggerle/dlz agrarmagazin
von , am
19.01.2017

Auf die Stirnwand des Rotorwagens Tigo MR 60 Profi ist man bei Lely stolz. Ist der Laderaum voll, schafft die bewegliche Front des Rotorwagens Tigo MR 60 Profi nochmals 5 m³ mehr Platz. Aber sie übernimmt noch weitere Funktionen. Im Kurzeinsatz fühlten wir dem „Großmaul“ auf den Zahn.

Das Sprichwort „Wie der Vater so der Sohn“ trifft manchmal auch auf Landmaschinen zu. Abgesehen von der roten Farbe lässt das Grundgerippe des Tigo MR die Gene der Mengele-Rotobull-Serie erkennen. Lely übernahm 2010 den Ladewagenexperten und entwickelte die etablierte Serie weiter. Seither steigen die Absatzzahlen kontinuierlich.

2013 kam die schwenkbare Frontwand auf den Markt. Die Herausforderung der Ingenieure am Entwicklungsstandort im bayerischen Waldstetten, war es die bewegliche Klappe trotzdem als festigendes Element zu nutzen, um den Aufbau zu stabilisieren. Gleitkufen aus Hartplastik versteifen die bewegliche Wand zum Stahlaufbau hin. Dabei ist die bewegliche Stirnwand nicht nur Kubikschlucker, sondern übernimmt mehrere Funktionen: Zum einen vergrößert sie das Volumen des Laderaums um weitere 5 m³ und nutzt so den ungenutzten Raum über Rotor und Pick-up. Zum anderen verdichtet die trichterförmige Ladewand die Silage vor, bevor der Kratzboden das Futter weiter in Richtung Heck schiebt. Startet das Abladen, klappt sie in Richtung Heck. Das Entladen der letzten Meter Gras auf dem Kratzboden geht so schneller.

 

 

Lely Tigo Ladewagen: Große Klappe, viel dahinter

Schneiwerk Lely Tigo MR Ladewagen
Der Balken mit den 31 Messern schwenkt zur Fahrzeugseite durch. Welle entriegeln und alle Messer können getauscht werden.
Förderkanal am Ladewagen Lely Tigo MR
Spiralförmig reihen sich die Zinken um die fünfarmige Rotorwelle. Eine 25 mm breite Auflage verbreitert jeden Zinken. Rundstahlketten führen die U-Leisten über den Holzdielenboden
Heckklappe am Ladewagen Lely Tigo MR
Ein Sperrzylinder verriegelt die Heckklappe. Ob sie geöffnet oder geschlossen ist, zeigt dem Fahrer eine Status-LED am Bedienterminal.
Tastrolle unter der Pick-up
Optional führt zusätzlich zu den Tasträdern eine 1 m breite Stahlrolle die Pick-up in ihrer Arbeitshöhe.
Lely Tigo MR auf dem Silohaufen
Eine Knickdeichsel hebt die Pick-up und schafft so den nötigen Freiraum unter dem Ladeorgan für die Überfahrt des Silos.
Laderaum des Lely Tigo MR
Öffnet die Heckklappe und setzt sich der Kratzboden in Bewegung, schiebt die Stirnwand mit und verhindert, dass eine Futterwand über dem Rotor zurückbleibt.
Fahrwerk unter dem Ladewagen
Als Fahrwerk tragen zwei ADR-Achsen mit Parabelfedern den Tigo. Die Federpakete sind stramm ausgelegt.
Terminals für die Bedienung des Ladewagens
Das Bedienterminal der ISOBUS-Steuerung ist gelungen. Das Tablet des Steyr Multi dient als ISOBUS-Terminal. Wir nutzten es für die Einstellungen der Ladeautomatik.

Zielstrebiger Antrieb

Mit 1,80 m fällt die Pick-up breit aus. Ungesteuert schlängeln sich fünf Doppelzinken je Reihe  um die Welle. Ein Rollenniederhalter lenkt den Gutfluss in Richtung Schneidwerk. Während Lely 2016 in den größeren XR-Silierwagen neue Abstreifer aus Kunststoff einführte, bleiben im MR-Ladeorgan Streifbleche aus Metall verbaut. Die Pick-up am Tigo folgt dem Boden mit Tasträdern, die seitlich pendeln. Eine zusätzliche 1 m breite Stahlrolle hinter den Pick-up-Zinken trägt die Hauptlast.

Der Grundaufbau des Tigo MR bietet keine Überraschungen und das Fahrwerk ist einfach gehalten: kein Bogie, keine Pneumatik, keine Hydraulik. Die beiden ADR-Achsen schultern maximal 16 t und tragen den voluminösen Aufbau des Tigo auf Parabelfedern. Die sind stramm ausgelegt und lassen den Lader nicht so schnell in die Knie gehen. Die K-80-Kugel an der Deichsel überträgt weitere 3 t Stützlast auf den Traktor. Insgesamt darf der Tigo 19 t auf die Waage bringen. Eine Nachlauf-Lenkachse hält die 22.5-Zoll-Bereifung in der Spur.

Direkt statt über Umwege

Das haben alle Lely-Rotorwagen gemeinsam: Über Getriebe und Zahnräder angetrieben, tourt der Rotor über der Pick-up. Eine Nockenschaltkupplung an der Zapfwelle sichert das Ladeorgan vor zu hohen Kräften ab. Der 80-cm-Rotor zieht das Gut über die 31 Messer, die Halme und Kraut auf theoretische 45 mm schneiden. Darf die Silage länger sein, schwenken 15 Messer mit Welle und Werkzeug aus der Arbeitsposition, wodurch nur jedes zweite Messer im Einsatz steht.

Stahlknickfedern halten die Messer im Kanal. Kommen mit dem Gras auch Steine oder Schwaderzinken mit, knicken diese bei zu großem Widerstand zusammen und bringen die Messer aus dem Gefahrenbereich.  Sehr angenehm: Der gesamte Balken  mit den 31 Messern und der Steinsicherung schwenkt, an einem Arm getragen, zur Seite heraus. Übrigens: Lely bietet eine Schleifeinrichtung an, die auf den Messerbalken gesetzt wird und mit Öl aus der Traktorhydraulik selbstständig alle Messer schärft. Leider war diese Technik nicht verbaut und wir konnten sie nicht ausprobieren.

Laden mit dem BUS

Unser Rotorwagen gehorchte auf die ISOBUS-Steuerung und tauschte Daten mit dem Traktor-Jobrechner aus. Mit einem Tablet-PC in der Kabine, der zum Traktor gehört, und installierter Steyr-Software sprach der 4115 Multi auf „ISOBUS“ mit dem Ladewagen. Zusätzlich hängt die Lely-Bedienbox nahe am Fahrer. Mit ISOBUS-Terminal und Bedienbox gleichzeitig zu arbeiten, kann nach eigenen Angaben derzeit nur Lely. Auch der Tablet-PC bietet, wie ein großes Display, alle Funktionen. Müssen Werte wie der Vorpressdruck eingestellt werden, leistet das Display gute Dienste und macht das Einstellen übersichtlicher.

Den Testbericht lesen Sie im dlz agrarmagazin Ausgabe Januar 2017.

Hier geht es zum kostenlosen Probeheft.

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