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Tierseuche

Brüssel verzögert BHV1-Freigaben

Symbolbild © agrarfoto.com
von , am
16.03.2017

Aufgrund der langsamen EU-Bürokratie müssen 5.000 rheinische Rinderhalter weiter auf die BHV1-Freigabe warten.

Weil die EU Anträge so langsam bearbeitet, müssen sind rheinische Rinderhalter beim Tiertransport und Weidehaltung weiter stark eingeschränkt. © Maren Diersing-Espenhorst

Mit Bestürzung reagiert der Präsident des Rheinischen Landwirtschafts-Verbandes (RLV), Bernhard Conzen, auf Informationen, dass sich die Europäische Kommission möglicherweise erst in der Sitzung des Veterinärausschusses Mitte Mai mit den Anträgen aus Nordrhein-Westfalen auf Anerkennung der Regierungsbezirke Köln und Düsseldorf als BHV1-freie Regionen befassen will.

BHV1 ist eine Herpes-Infektion der Rinder, die nicht auf den Menschen übertragbar ist, jedoch zu Erkrankungen und Leistungseinbußen bei infizierten Tieren führen kann. Rinder aus betroffenen Regionen dürfen nach EU-Recht nicht oder nur unter drakonischen Auflagen in freie Gebiete – hierzu zählt das gesamte restliche Bundesgebiet - verbracht werden. Unter großen Anstrengungen, die allen Beteiligten viel abverlangt haben, wurden inzwischen auch im Rheinland die verbliebenen Reagenten aus den Beständen entfernt.

5.000 Rinderhalter betroffen

Für den Regierungsbezirk Köln wurde der Antrag auf Anerkennung als BHV1-freie Region im Sinne von Artikel 10 der Richtlinie 64/432/EWG bereits im Januar bei der EU-Kommission eingereicht, für den Regierungsbezirk Düsseldorf Anfang März. Selbst nach dem üblichen Zeitplan wäre zu erwarten gewesen, dass zumindest der Antrag für den Regierungsbezirk Köln in der Ausschuss-Sitzung Anfang März behandelt worden wäre.

Bei einer weiteren Verzögerung drohen den fast 5.000 Rinderhaltern im Rheinland erhebliche Nachteile bei der Verbringung und beim Absatz von Rindern, der traditionell eng verbunden mit den Nachbarregionen ist.

„Wie soll ich einem Landwirt aus der Eifel erklären, dass er im kommenden Frühjahr keine Rinder nach Rheinland-Pfalz auf die Weide bringen kann ohne 30 Tage Quarantäne und kostenträchtige Blutuntersuchungen, nur weil Brüssel sich geschlagene vier Monate Zeit lässt, um einen Antrag aus NRW auf die Tagesordnung zu setzen?“, fragt sich RLV-Präsident Conzen. 

„In Zeiten, in denen Europa um Geschlossenheit ringt und für die europäische Sache wirbt, führt das Verhalten der Kommission bei tausenden Rinderhaltern zum Gegenteil, nämlich zu Verdrossenheit!“. Unterdessen kündigte der RLV-Präsident an, die Europaabgeordneten aus der Region auf den Vorgang hinzuweisen und sich dafür einzusetzen, dass die Anträge in Brüssel früher auf die Tagesordnung kommen.

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