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Rind

Höchste Zeit für Fakten, Herr Di Lorenzo

© Imago/Kiermeir
von , am
12.12.2014

Die Zeit startete im November eine Serie über tödliche Keime aus dem Stall. Tödlich sind vor allem die Fehler im ersten Teil. Wir haben die Fakten unter die Lupe genommen.

Viele Fakten im Beitrag der Zeit sind schlichtweg falsch. © Foto: Imago/Kiermeir
Groß angekündigt hatte die Wochenzeitung ihre Serie. 20 Reporter haben sich hinter das Thema geklemmt. Das Ziel laut Zeit: Das gefährliche System hinter den Keimen sichtbar zu machen. Leider wurde nach dem Motto verfahren "Ich lasse mir meine gute Geschichte nicht durch Fakten kaputtmachen." Ein besonders krasses Beispiel ist die Aussage zu Carbapenemen. Das sind Reserveantibiotika, die nicht in der Landwirtschaft eingesetzt werden. Aber lesen Sie selbst:

Resistenz gegen Carbapeneme

Die Zeit schreibt: "Die Gefahr einer post- antibiotischen Gesellschaft ist real, spätestens seit der Meldung vom Januar 2014, das vom Bundesamt für Risikobewertung in drei deutschen Schweinemastanlagen und einer Hühneraufzucht erstmals E.-coli-Bakterien nachgewiesen wurden, die sogar gegen die Reserveantibiotika aus der Wirkstoffgruppe der Carbapeneme resistent sind. Die mit starken Nebenwirkungen behafteten Carbapeneme galten stets als die letzte Hoffnung. Dass neuerdings Keime existieren, gegen die selbst Carbapeneme machtlos sind, ist eine schlimme Neuigkeit."
Fakt ist: Ja, es ist schlimm, wenn solche Resistenzen auftreten. Es ist aber auch schlimm, wenn die Meldung des BfR so verdreht wird, dass der Eindruck entsteht, als ob nun erstmals eine Resistenz gegen den Wirkstoff auftritt. Denn in der Meldung des BfR heißt es tatsächlich: "Im Humanbereich wird in Deutschland in den letzten Jahren eine Zunahme von carbapenemasebildenden Enterobacteriaceae und anderen gramnegativen Bakterien beobachtet. Bisher sind sie insbesondere im Zusammenhang mit im Ausland erworbenen Infektionen beim Menschen aufgetreten. Allerdings wurden in jüngerer Zeit auch Ausbrüche in deutschen Krankenhäusern und regionale Häufungen von Infektionen beim Menschen mit diesen Keimen beobachtet." Das heißt, die Resistenzen sind im Humanbereich schon seit längerem vorhanden. Neu ist, dass sie jetzt in der Tierhaltung auftreten, und dies obwohl Carbapeneme nicht als Wirkstoff in der Tierhaltung eingesetzt werden, wie das BfR ebenfalls mitteilt. Aber das hat offensichtlich nicht in das Gesamtbild des Zeitbeitrags gepasst. mp
Der vollständige Beitrag ist im dlz agrarmagazin Januar 2015 erschienen.

Unsere Link-Liste

Den Beitrag der Zeit: "Das bringt uns noch um" in dem all die Behauptungen aufgestellt wurden, finden Sie unter http://www.zeit.de/2014/48/massentierhaltung-bakterien
Außerdem gibt es eine weitere Fassung bei den an dem Beitrag mitarbeitenden Journalisten auf der Seite: https://mrsa.correctiv.org/
MRSA und Quarantäne: Obwohl die Niederlande über lange Zeit mehr Antibiotika in der Tierhaltung einsetzten, hatten Sie immer niedrigere MRSA-Raten. Der Grund: In den niederländischen Krankenhäusern werden Menschen mit MRSA-Keimen konsequent isoliert.
Weitere nützliche Informationen:
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