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Rind

Messer bringt Erdbeerkrankheit

von , am
26.11.2014

Nicht nur die Klauen, sondern das ganze Rind standen im Fokus des Weltrinderkongresses (WBC) in der westaustralischen Küstenstadt Cairns.

Das Klauenmesser scheint ein wichtiger Überträger von infektiösen Klauenkrankheiten zu sein. Foto: Pahlke
Mehr als 1.200 Tierärzte trafen sich in diesem Jahr in Down Under. Dabei ging es um das gesamte Spektrum der Rindergesundheit.
Nach wie vor bedrohen hochansteckende Viruserkrankungen die Milch- und Mastviehbestände, allen voran das Virus der Bovin Virus Diarrhoe (BVD). Während in Deutschland derzeit eine sehr intensive Ausrottung läuft, haben andere Länder noch erheblichen Nachholbedarf. Eine neuseeländische Studie zeigte, dass Schutzimpfungen gegen BVD bei Kälbern in Milchviehbetrieben (bei etwa 400 Kühen) einen Return-on-Invest von rund 40.000 Euro pro Herde in den letzten zehn Jahren erzielten. Mehrere Vorträge berichteten von so genannten trojanischen Bullen. Das sind Tiere, die sich mit BVD infiziert haben, aber im Blut Virus-negativ, jedoch im Hodengewebe positiv sind und den Erreger über das Sperma weitergeben. Probleme gibt es in solchen Fällen mit dem Suchbullen. In gefrorenem Sperma ist der Erreger abgetötet.
Ein weiteres großes Thema war die Paratuberkulose (ParaTb). Prof. Baumgartner aus Österreich gab einen Überblick, wie unterschiedlich die Erkrankung in Europa bekämpft wird. Das Spektrum reicht von staatlichen Programmen (zum Beispiel Österreich oder Schweden) über eine freiwillige (zum Beispiel Deutschland oder Frankreich) bis zu keiner Bekämpfung (zum Beispiel Schweiz oder Italien). Die lange Inkubationszeit (teilweise bis zu 15 Jahre!), die schwierige Diagnose und eine lange Lebensdauer des Erregers außerhalb der Tiere sind die Hauptprobleme bei der Bekämpfung. Häufig lassen sich die Erreger in den Beständen vermindern, aber nicht komplett ausrotten. Das zeigen die Programme in den Niederlanden und auch in Thüringen. Außerdem: Erfolge werden erst nach vier bis fünf Jahren sichtbar und die Kosten sind häufig von den Tierhaltern zu tragen. Konsequenz: Freiwillige Programme werden häufig aufgegeben.

Messer als Mitverursacher


Infektiöse Klauenerkrankungen werden deutlich häufiger als bislang gedacht auch durch Klauenmesser übertragen. Zu dieser lange schon vermuteten Erkenntnis kamen Tierärzte (Blowey) aus England. In 80 Prozent aller Fälle konnte man Klauenmesser selbst durch einfache Desinfektion nicht richtig keimfrei machen. Fazit: In Zukunft sollte ein deutlich stärker Fokus auf diesen weit unterschätzten Risikofaktor bei der Bekämpfung der infektiösen Klauenerkrankungen, insbesondere der Dermatitis Digitalis Mortellaro‘sche Krankheit gelegt werden. Außerdem scheint es Hinweise darauf zu geben, dass die Mitverursacher der Mortellaroschen Krankheit auch mit anderen Krankheiten assoziiert sind. Hierzu könnten Sohlengeschwüre zählen.
mp
 
Der vollständige Beitrag ist im dlz primus Rind Dezember 2014 erschienen.
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