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Tönnies steigt in den Viehhandel ein

von , am
28.04.2015

Den Einstieg von Tönnies in den Viehhandel sieht vor allem die Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands sehr kritisch.

Durch die Gründung einer eigenen Viehhandelsgesellschaft Tönnies Livestock gehe Tönnies einen gewaltigen Schritt in Richtung vertikaler Integration, wie man sie aus dem Geflügelsektor kennt. Mäster und Ferkelerzeuger werden vertraglich oder "quasi-vertraglich" an das Unternehmen Tönnies gebunden. Durch die Einbindung der Ferkelerzeugerstufe gelinge der unmittelbare Zugriff auf die Mastbetriebe: Sauenbetriebe, ostdeutsche wie niederländische oder dänische Großanlagen, würden an die Livestock GmbH gebunden, meint die ISN. Die von ihnen verkauften Ferkel können Mäster jedoch nur beziehen, wenn sie ihre Mastschweine ebenfalls an Tönnies vermarkten. 
Eine enge vertragliche Anbindung oder gar Vertragsmast machen es dem Lebensmittelhandel und Schlachtunternehmen natürlich einfacher, Vorgaben durchzudrücken, denen ansonsten der Betroffene im freien Wettbewerb vielleicht ausweichen könnte, befürchtet die ISN.

Gefahr für Preisbildung

Nach Meinung der ISN, brauche der Markt keine Vertrags- oder Lohnmast. Eine stufenübergreifende Zusammenarbeit und Transparenz funktioniere auch ohne Vertragsmast oder Quasi-vertragliche-Anbindungen an die Schlachtbetriebe. Das QS-System wie auch die Salmonellendatenbank haben dies beispielhaft in den vergangenen Jahren eindrucksvoll bewiesen.
 
Kaum abzuschätzen seien die Folgen für die Erzeugerpreisfindung. Wenn ein Großteil der deutschen Schweinehalter vertraglich eng an Schlachtunternehmen gebunden sei, werde es immer schwerer für den einzelnen Mäster oder Vermarkter, durch sein Anbieterverhalten marktbeeinflussend zu wirken, befürchtet die Interessengemeinschaft. 

Team von Westfleisch übernommen

Mit seiner neu gegründeten Tönnies Livestock GmbH will Tönnies den Anforderungen an kettenübergreifende Systeme zur Verbesserung der Lebensmittelsicherheit, der Qualität, und der Tiergesundheit sowie der Unterstützung der Zuchtarbeit und der Weiterentwicklung tierfreundlicher Haltungssysteme begegnen, teilt das Unternehmen mit.
 
"Wir müssen dem Wunsch der Kunden im Lebensmitteleinzelhandel, in der Weiterverarbeitung und auch dem der Endverbraucher nach mehr Transparenz, Nachhaltigkeit und Sicherheit in der Lieferkette nachkommen", erklärt Geschäftsführer Frank Duffe. Für Tönnies sei es daher wichtig, auch die Vorstufen bis zur Ferkelerzeugung einzubinden. Dies ist die Basis für eine nachhaltige Erzeugung und die Voraussetzung zur Ausrichtung der Fleischerzeugung an die zukünftigen Anforderungen des Marktes und der Kunden.
 
Die Tönnies Livestock GmbH beschäftigt sich mit der Vermarktung, dem Handel und Transport von lebendem Nutz- und Schlachtvieh und wird eine Sammelstelle gemäß Viehverkehrsordnung betreiben. Um ein schlagkräftiges Team auf die Beine zu stellen, wurde fast die gesamte Mannschaft des Nutzviehzentrums der Westfleisch, mit ca. 2,4 Mio. vermarkteten Tieren Deutschlands größtem Ferkelhändler, verpflichtet. 
 
Tönnies Livestock will partnerschaftlich mit denViehhandelsgesellschaften kooperieren, so Frank Duffe. "
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