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Unterschiedliche Strategien nach dem Ende der Milchquote

von , am
24.03.2015

Bei der gestrigen Anhörung im Agrarausschuss über die Folgen des Auslaufens der Milchquote sind die Ansichten zwischen Wissenschaft, Praktikern und Verbände teilweise sehr unterschiedlich.

"Die Milchbauern erhalten mit dem Ende der Milchquote ab 1. April 2015 neue unternehmerische Freiheiten, müssen sich aber auch neuen Herausforderungen stellen." Dies betonte der Milchbauernpräsident und Vize-Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Udo Folgart, auf der Anhörung des Deutschen Bundestages zum Auslaufen der planwirtschaftlichen Milchmengenregulierung in der EU. 
 
Mit Sorge beurteilte Folgart die derzeit auswuchernde Auflagenflut und die damit verbundene Gefährdung einer flächendeckenden Milcherzeugung in Deutschland. Immer neue Vorgaben für die Betriebsführung und im Umweltrecht setzen vor allem kleine und mittlere Betriebe unter wirtschaftlichen Druck. 
 

Exporte weiter diversifizieren

Die derzeitigen Marktchancen wertete Folgart positiv. "Bei einem konstanten Absatzpotenzial im Binnenmarkt nimmt die weltweite Nachfrage nach Milch und Milchprodukten - vor allem in den Schwellenländern – zu." In den vergangenen Jahren hätten die deutschen Molkereien ihre Exportaktivitäten deshalb verstärkt und würden weiter internationale Absatzmärkte erschließen.
 
Allerdings sei die Diversifizierung nach Ländern und Produkten auszubauen, so dass keine einseitigen Abhängigkeiten von einzelnen Märkten entstehe. Ein verbesserter Marktzugang zu Drittländern müsse auf der politischen Agenda Vorrang haben, betonte Folgart. Hierzu gehörten das Durchsetzen ausgewogener Handelsabkommen sowie der Abbau von veterinärrechtlichen Handelshemmnissen. Daneben müsse die EU die Exportstrategien der europäischen Milchindustrie mit Absatzförderungsmaßnahmen aktiver unterstützen.
 
 

Keine Mengen regulieren

Die Beibehaltung eines unteren Sicherheitsnetzes, bestehend aus privater Lagerhaltung und öffentlicher Intervention, diene der Krisenvorsorge vor abstürzenden Milchpreisen im liberalisierten Milchmarkt, so Folgart. Eine neuerliche Regulierung der Milchmenge zum gezielten „Marktmanagement“ lehne der Bauernverband aber strikt ab. Vielmehr benötigten Landwirte eine Möglichkeit, in ertragreichen Jahren Krisenvorsorge betreiben zu können. Die Forderung nach einer Risikoausgleichsrücklage bzw. weiteren steuerlichen Vorsorgeelementen bleibe somit aktuell, betonte Folgart. 

Politik muss mehr für Weidemilch tun

"Nach dem Ende der Quote heißt es für uns bäuerliche Milcherzeuger erst recht, dass wir uns über besondere Qualitätserzeugungen von der allgemeinen Masse absetzen müssen, um faire Preise für unsere Milch zu erreichen", fasst Ottmar Ilchmann, stellvertretender Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), die Situation nach Wegfall der Milchquote zum 1. April 2015 zusammen.  In ihrer schriftlichen Stellungnahme zur Anhörung stellt die AbL fest, dass die Abschaffung der Milchquote einseitig das Wachstum von Milchviehbetrieben verbillige, weil Wachstumsbetriebe jetzt nicht mehr vor der Frage stünden, ob sie zusätzliche Quoten erwerben oder Strafabgaben bei Überschreitung ihrer Quoten riskieren wollen.
 
"Überhaupt nicht verbilligt wird dagegen die Milcherzeugung für diejenigen Betriebe, die im Wachstumswettlauf nicht mitmachen und daher für die preissenkenden Überschüsse im Markt auch nicht verantwortlich sind", so Ilchmann. Genau diese Milchbauern seien nun aktiv dabei zu unterstützen, über die Erzeugung besonderer Qualitäten wirtschaftliche Perspektiven für ihre Betriebe zu entwickeln. Da seien die zuständigen Minister von Bund und Ländern jetzt besonders gefragt, so Ilchmann, Milchviehhalter in Ostfriesland.
Weidehaltung sei die Stärke der kleineren und mittleren Betriebe, in Großbetrieben gehe das praktisch nicht mehr. 

Molkereien sollen Bonus für nichtwachsende Betriebe bezahlen

Die Molkereien fordert die AbL auf, gemeinsam mit den Milchbauern diese Märkte vor der Haustür zu erschließen, statt auf fragwürdige Exporte nach Asien oder Afrika zu setzen. Außerdem fordert die AbL die Molkereien auf, denjenigen Milcherzeugern einen Bonus zu zahlen, die nach der Quote ihre Milchmenge nicht ausdehnen. Denn sie trügen so dazu bei, dass der gerade wieder etwas stabilisierende Milchpreis nicht erneut unter Druck gerät.
 
Auf EU-Ebene unterstützt die AbL das Marktverantwortungsprogramm des European Milk Board, das maßgeblich vom Bundesverband Deutscher Milchviehhalter entwickelt worden ist. Es sieht zeitlich befristete mengenbegrenzende Maßnahmen für den Fall vor, dass neue Milchseen entstehen und der Milchpreis dadurch weit unter die Erzeugungskosten der Milchbauern fällt.  
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