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Veredelungsregionen: Lösungen zu Nährstoffüberschüssen gefragt

von , am
15.04.2015

Wohin mit all der Gülle und all dem Mist? Diese Frage brennt vielen Tierhaltern unter den Nägeln. Mit dem intensiven Ausbau von Veredlung und Bioenergie ist die Menge an Wirtschaftsdünger in den vergangen Jahren in den Veredelungsregionen deutlich gestiegen.

Steffen Schirmacher-Rohleder, Dr. Philipp Spinne, Ludger Leifker und Bernd Homann vor der geänderten Biogasanlage in Dorsten: "Transport von Wirtschaftsdüngern aus Überschuss- in Aufnahmeregionen". © Bockholt
Die Novelle der Düngeverordnung verschärft die Situation. Die Odas GmbH, seit 2015 gemeinsames Unternehmen der Agravis Raiffeisen AG mit einem Viertel der Beteiligung, und der Odas DEL GmbH & Co. KG, bietet seit einiger Zeit ein eigenes Konzept zum Nähstoffmanagement. Steffen Schirmacher-Rohleder, Geschäftsführer von Odas, hilft bei der sinnvollen Gülleverwertung. Seine rund 60 Mitarbeiter bieten Nährstoffmanagement, Beratung, Aufarbeitung, Transport der Gülle und Dokumentation. Hintergrund: Agrarvis und Odas hatten Anfang 2014 die insolvente Biogasanlage Dorsten erworben. Die war anfangs auf eine elektrische Leistung von 6,2 MW ausgelegt. Davon sollten etwa 5,5 MW aus Gaseinspeisung und 0,7 MWel durch das angeschlossene Blockheizkraftwerk produziert werden. "Um diese anspruchsvollen Zahlen mit Leben zu füllen, wären rund 90.000 t Mais und Getreide und ca. 40.000 t Gülle und Mist nötig gewesen", sagt Geschäftsführer Dr. Philipp Spinne. "Diese Dimensionen wären für die Region eine große Belastung" und hätten die scharfe Konkurrenz um die knappe Fläche weiter angeheizt.

Nun soll die Anlage hauptsächlich mit Gülle und Mist gefüttert und mit 3,3 bis 3,5 MW betrieben werden. Spinne: "Wir werden pro Stunde in einer Gasaufbereitungsanlage ca. 700 Normkubikmeter Biomethan produzieren. Das entspricht 2,8 MWel. Rund 0,5 bis 0,7 MW produzieren wir zusätzlich über inzwischen drei BHKW". Als Input sind dazu in der Endausbaustufe im Jahr ca. 100.000 t nötig. Täglich werden also rund 270 t Gülle, Mist und NaWaRO verarbeitet. "Das Verhältnis soll dabei bei 80 Prozent Wirtschaftsdünger zu 20 Prozent Energiepflanzen liegen".

Aktuell beträgt der Anteil Wirtschaftsdünger rund 70 Prozent. "Das bedeutet, dass wir den Einsatz von Mais, Maissilage, Ganzpflanzensilage oder anderem Getreide im Vergleich zum alten Konzept um 50.000 bis 60.000 t reduzieren. Auf der anderen Seite schaffen wir so eine effektive Möglichkeit, die Region um bis zu 90.000 t Wirtschaftsdünger zu entlasten - sei es in Form von flüssiger Gülle, bereits auf den Betrieben separierter Gülle oder Mist."

Die Genossen als Full-Liner in der Tierernährung und einer der größten nationalen Futtermittelproduzenten, kommen letztlich "nicht umhin, sich auch mit der Frage zu beschäftigen, was mit den Futtermitteln passiert, wenn sie von den Tieren verwertet sind", sagt dazu Ludger Leifker, Generalbevollmächtiger Futtermittel bei Agravis. Das Konzept zur Verwertung von überschüssigem Wirtschaftsdünger für die Veredlungsregion Münsterland habe nicht das Ziel, "Gülle von A nach B zu transportieren". Vielmehr handelt es sich bei den Lösungsansätzen um eine individuelle Nährstoffberatung für die Betriebe.

Der erste Schritt ist immer eine umfangreiche Bestandsaufnahme der Betriebssituation. Erst nach einer detaillierten Analyse der Nährstoff-Probleme werde entschieden, wie viel Gülle oder Mist vom Betrieb gehe und etwa in der Biogasanlage Dorsten eingesetzt werde. Nach der Verarbeitung in der Biogasanlage werden die Gärreste entweder per Lkw oder per Schiff in Ackerbauregionen transportiert. Leifker: "Agravis geht es nicht darum, eine Biogasanlage zu betreiben, sondern eine Nährstoffanlage. Wir sehen die Anlage als Mittel zum Zweck, die Nährstoffverwertung im südlichen Münsterland und dem nördlichen Ruhrgebiet zumindest teilweise und nachhaltig zu beantworten".
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