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Vorschläge für eine sichere Zukunft

von , am
10.09.2015

Das Sondertreffen in Brüssel ist vorbei ohne allerdings genaue Lösungsansätze zu schaffen - dabei gab es doch viele Vorschläge. Wir fassen einige davon hier zusammen.

© Nordmilch
Der europäische Bauern- und Genossenschaftsverband COPA-COGECA fordert in seiner Pressemitteilung:
  • eine wirtschaftsbasierte Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) und einen Abbau der Bürokratie
  • eine starke Exportstrategie, insbesondere neue Absatzmarkte, den Abbau unnötiger Handelshemmnisse sowie Exportversicherungen, die einen Teil der Handelsrisiken abdecken können
  • EU-Absatzforderungsprogramme
  • die Möglichkeit, bei extrem schwieriger Marktlage Artikel 222 für Erzeugerorganisationen und Genossenschaften zu öffnen
  • faire Wettbewerbsregeln für Landwirte und Genossenschaften
  • eine bessere Positionierung der Erzeuger auf den Agrarmarkten und faire Preise für Erzeuger
  • Hilfestellung für Landwirte mit Cashflow-Problemen durch vorgezogene Auszahlung ihrer Direktzahlungen im Herbst
  • eine Stärkung von Erzeugerorganisationen wie Genossenschaften, um Landwirten zu helfen, ihre Erzeugnisse besser zu vermarkten und einen besseren Erlos zu erwirtschaften
  • eine Förderung der Entwicklung von Genossenschaften in mittel- und osteuropäischen Ländern
  • ausreichende Mittel für Forschung, Entwicklung und Innovation auch für Genossenschaften
  • gezielte Maßnahmen für die am stärksten vom russischen Embargo getroffenen Landwirte

Die Forderungen des europäischen Bauernverbandes

Für einzelne Sektoren - den europäischen Milch-, Schweinefleisch-, Rindfleisch sowie Obst- und Gemüsesektor -, die am stärksten vom russischen Embargo
getroffen wurden, haben Copa und Cogeca folgende Forderungen:
  • Wiedereinspeisung der europäischen Superabgabe für Milch in den Sektor
  • Anhebung des europäischen Interventionspreises für Butter und Magermilchpulver zur Schaffung einer Untergrenze auf dem Markt
  • Nutzung schnell verderblichen Schweinefetts und -schmalzes aus der Lagerung zu Non-Food-Zwecken wie der Biokraftstoffproduktion
  • Einrichtung von Beobachtungsstellen für den Rind- und Schweinefleischmarkt, um Erzeugern aktuelle Informationen und Rohdaten zur weiteren Verwendung zu liefern
  • Zulassung einer EU-Beihilfe für die private Lagerhaltung von Rindfleisch
  • Aktualisierung der Obergrenze der Entschädigungszahlungen für Erzeuger, die ihre Produkte vom Markt nehmen, um die steigenden Produktionskosten zu berücksichtigen
  • Flexibilität im Obst- und Gemüsesektor für Länder, die dieses Jahr durch widrige Witterungsverhältnisse stark in Mitleidenschaft gezogen wurden
  • Stärkung der Schulobst- und -gemüseregelung der EU, um gesunde Ernährungsgewohnheiten schon von früh auf zu fördern
  • eine starke Exportstrategie, insbesondere neue Absatzmärkte, und den Abbau unnötiger Handelshemmnisse in allen 4 Sektoren
  • Exportversicherungen, die einen Teil der Handelsrisiken im Milch-, Rindfleisch- und Schweinefleischsektor abdecken könnten
  • verstärkte Maßnahmen zur Absatzförderung in allen 4 Sektoren und Regionen.

Quelle: http://www.copa-cogeca.be/Main.aspx?page=Archive

Das Milkboard fordert...

Die Milchbauern des Netzwerkes European Milk Board (EMB) und in Via Campesina fordern…
 
…den Einsatz eines Kriseninstruments zur Reduktion der Milchproduktion.
In einer Pressemitteilung erklärt der Vorsitzende des European Milk Board (EMB), Romuald Schaber: „Ohne eine Reduktion der Produktion wird sich der Markt weiter rapide verschlechtern“. Zum Einsatz könne dabei das Marktverantwortungsprogramm (MVP) kommen, das unter anderem Bonuszahlungen für freiwillige Produktionskürzungen der Erzeuger vorsieht.

Maßnahmen dazu sind nach Angaben des EMBs:
  • Die zu hohe Milchmenge muss über das Marktverantwortungsprogramm (MVP) in Krisenzeiten reduziert werden. Hier kann u.a. über einen freiwilligen Lieferverzicht (Produktionsreduktion gegen Bonuszahlung) schonend eine Preisstabilisierung erreicht werden.
  • Anheben des Interventionspreises nur mit gleichzeitiger Reduktion der Menge. Dadurch besteht nur eine kurze Interventionsdauer, da bald ein stabilisierter Marktpreis wieder greifen wird.
  • Richtige Situationsanalyse ist notwendig. Das russische Embargo und der Rückgang der Exporte nach China müssen in den richtigen Kontext gestellt werden: Sie sind Gründe, warum die Nachfrage nicht mit dem Produktionswachstum standhalten kann. Daher muss das Produktionswachstum zurückgenommen werden.
  • Das gleiche gilt auch für weitere geopolitische oder geoökonomische Entwicklungen, die Krisen hervorrufen. Bewirken beispielsweise die Ölpreisentwicklung, Finanzmarktkrisen oder auch der Terrorismus eine sinkende Nachfrage, so muss auch hier beim Angebot reagiert werden.

Keine Lösung bzw. die falsch Maßnahmen seien:
  • Falsch ist eine blinde Exportstrategie und das Schwemmen der EU-Übermengen auf andere Märkte. Diese sind ebenso übersättigt (russisches Importverbot, Importrückgang Chinas). Dadurch wird nur der Preis für alle weiter nach unten gedrückt.
  • Problematisch ist ein Anheben des Interventionspreises ohne gleichzeitige Reduktion der Menge. Dies treibt die Produktion noch einmal extra an.
  • Terminmärkte sind nicht geeignet, Krisenpreise zu verhindern. Denn wenn aufgrund von chronischer Übermenge auch in den kommenden Monaten geringe Preise zu erwarten sind, werden Terminkontrakte nicht mit angemessen hohen Preisen abgeschlossen. Denn diese richten sich ja auch am Milchmarkt bzw. den Erwartungen für dessen Entwicklung aus.
  • Subventionen sind keine Lösung. Direkte Zahlungen an die Erzeuger können zum einen den Verlust nicht ausgleichen und zum anderen die Ursache des Problems nicht beheben. Denn der EU-Markt kämpft mit chronischen Übermengen, die durch einfache Subventionszahlungen nicht beseitigt werden können.
Quelle: http://www.europeanmilkboard.org/de/special-content/news/news-details/article/press-release-thousands-of-dairy-farmers-say-yes-to-reducing-volumes-in-times-of-crisis.html?tx_ttnews[backPid]=78&cHash=a2371413a12b4e9484fc188d423ae41c

 

Das fordern lokale Bauernverbände

Präsident des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Nassau, Michael Horper fordert:
  • ... die Bundesregierung auf, die Normalisierung der Handelsbeziehung mit Russland zu forcieren.
  • alternative Märkte außerhalb der EU erschließen
  • die diesjährigen Betriebsprämien schon zum 1. November auszahlen um Betriebsengpässe auszubalancieren.
  • ein zusätzliches Liquiditätsprogramm von Bund und Ländern: Dies müsse für alle Betriebe mit günstigsten Zinsen zugänglich sein. Viele Unternehmer müssten schließlich noch weitere Kapitaldienste leisten.
  • Interventionspreis und die Interventionsmengen für Milch müssten zeitlich befristet deutlich angehoben werden.
  • die Betriebsleiter bezüglich der zu erwartenden Liquiditätsengpässe fachlich zu unterstützen.
  • Entlastungen bei den Sozialversicherungsbeiträgen und die Einführung eines steuerlichen Risikoausgleichs
  • Bei Steuermehreinnahmen von 21 Milliarden Euro müssten Finanzmittel für die stark angeschlagene Branche der Landwirtschaft zur Verfügung gestellt werden.
  • Da der Lebensmitteleinzelhandel nicht einsichtig sei, forderte er schnelle und effiziente Maßnahmen der Bundesregierung gegen die Preispolitik der Einzelhandelsunternehmen. Hier sei auch das Kartellamt gefordert.
  • die Abzüge im Milchbereich (Superabgabe) müssten an die Bauern zurückfließen.
Quelle: https://www.bwv-net.de/kategorie1/539931a4400b2de06.html


LHV- (Landwirtschaftlicher Hauptverein für Ostfriesland) Präsident Erich Hinrichs fordert:
  • moderate Anpassung der Interventionspreise für Pulver und Butter an die inzwischen erhöhten Erzeugungskosten
  • die Superabgabe sollte nicht in den allgemeinen EU-Haushalt fließen, sondern zweckgebunden für den Milchmarkt und für die Milchviehhalter eingesetzt werden.
  • An die Landespolitik geht dir Forderung, die EU-Prämien möglichst frühzeitig auszuzahlen. Auf keinen Fall dürfe die Auszahlung wegen höherer Kontrolldichte weiter nach hinten verschoben werden.
  • von der Bundesrepublik die Erschließung neuer Märkte.
Quelle: http://landvolk.net/Presse/LPD-Meldungen/2015/08/1564/Preise.php
 

Die Forderungen des DBV

Der Deutsche Bauernverband (DBV) fordert:
  • die Molkereien sollen ihren Absatz nach Ländern und Produkten stärker diversifizieren und einseitige Abhängigkeiten vermeiden.
  • neben dem Export solle auf die Chancen und Potenziale von Markenbildung und regionaler Erzeugung gesetzt werden.
  • die Strukturen des Molkereisektors müssten angepasst werden, um bei Verhandlungen die Position gegenüber dem Lebensmitteleinzelhandel zu stärken.
  • der Lebensmitteleinzelhandel solle seine Marktmacht nicht missbrauchen
  • Kartellrechtlich müsse die Preisführerschaft weniger Lebensmitteleinzelhändler geprüft werden.
  • Auf EU-Ebene: ein Sicherheitskonzept aus privater Lagerhaltung sowie öffentlicher Intervention.
  • ein Liquiditäts- und Bürgschaftsprogramms für die Milchbauern und erneut die Einführung steuerlicher Instrumente für die einzelbetriebliche Risikovorsorge.
  • die Direktzahlungen vorzeitig und vollständig auszuzahlen
 
 
 
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