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Zuckerwirtschaft fordert Hilfen

von , am
13.04.2015

Die deutsche Zuckerwirtschaft ist enttäuscht, dass die Brüsseler Expertengruppe keine Maßnahmen einleiten will, um den Markt zu stützen.

"Die große Ernte hat in Kombination mit den von der Kommission in den zurückliegenden Jahren beschlossenen Einfuhrmaßnahmen zu einem für den Sektor existenziell bedrohlichen Preisverfall geführt", so Dr. Hans-Jörg Gebhard, Vorsitzender der Wirtschaftliche Vereinigung Zucker (WVZ).
 
Angesichts der dramatischen Situation habe man deshalb große Hoffnung in die vor wenigen Wochen vom Agrarministerrat initiierte Expertengruppe gesetzt. Sie soll vor dem Hintergrund der 2017 auslaufenden Quotenregelung Vorschläge erarbeiten, mit denen der aktuellen Entwicklung entgegengewirkt werden kann. "Leider ist das Ergebnis der ersten Sitzung absolut enttäuschend. Die Kommission hat alle konstruktiven Vorschläge der Mitgliedstaaten zurückgewiesen und sich auf die Präsentation bekannter Statistiken beschränkt. Dies ist nicht akzeptabel", kritisiert Dr. Gebhard.
 
Die Mitgliedstaaten hätten gegenüber der Kommission deutlich gemacht, dass es kurzfristig realisierbare Maßnahmen zur Unterstützung der Zuckerwirtschaft gibt. Dazu gehöre auch die Beihilfe zur privaten Lagerhaltung. Außerdem müsse eine Ausweitung der Exportmöglichkeiten konstruktiv diskutiert werden. Die aktuelle Entwicklung stelle für den Sektor die größte Herausforderung der letzten Jahrzehnte dar. Es sei deshalb nicht hinnehmbar, dass die EU der Zuckerwirtschaft eine weltweit einmalige Liberalisierung des Marktes abverlangt, ihr aber in der derzeit schwierigen Lage jegliche Unterstützung verweigert, so der WVZ-Vorsitzende. 
 
Das Wirtschaftsjahr 2014/15 geht als Rekordjahr in die Annalen der deutschen Zuckerwirtschaft ein. Wie die Wirtschaftliche Vereinigung Zucker (WVZ) mitteilte, weist der Kampagne-Schlussbericht eine Zuckererzeugung von 4,49 Millionen Tonnen aus, das ist ein Anstieg um rund eine Million Tonnen bzw. 31 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Zuckertrag erreichte 13,3 Tonnen pro Hektar. Die Rübenanlieferung stieg um knapp 36 Prozent auf 28,9 Millionen Tonnen, während der Zuckergehalt der Rüben mit 17,33 Prozent nur unwesentlich unter dem Vorjahreswert lag. „Noch nie war der Zuckerertrag so hoch wie in dieser Kampagne. Das ist für Rübenanbauer und Zuckerindustrie eigentlich sehr erfreulich“, so der Vorsitzende der WVZ, Dr. Hans-Jörg Gebhard. Die optimale Ausprägung aller ertragsbestimmenden Faktoren in einem Jahr sei selten und habe zu dieser Rekordernte geführt.
 
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