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Klargelegt

Mit dem Zweiten sieht man nicht besser

von , am
24.11.2014

Das ZDF verglich im Oktober zur besten Sendezeit eine konventionelle und eine Biomasthühnerhaltung im "Projekt Hühnerhof" – eine gute Gelegenheit, die gröbsten Fehler bekannter zu machen. Mit "Fleisch essen mit gutem Gewissen" unter dem Bild einer Glucke mit Küken warb der Moderator Dirk Steffens für "sein" Biofleisch. Seine Bioküken hatten nie eine Glucke gesehen. Das nennt man heute Verbrauchertäuschung. Werben mit dem guten oder "besseren" Gewissen ist seit einer Waschmittelwerbung ("Jetzt hat sie ein gutes Gewissen") moralisch verpönt.
 
Auf einem Marktplatz wurde zur Desinformation der Passanten 1 qm Fläche mit 26 Hühnerpuppen gefüllt. In Wirklichkeit werden auf einer Fläche dieser Größe nur 12 bis 18 Tiere dieser Größe gehalten. Für die Darstellung der Biohaltung wurden seltene, fahrbare Ställe ohne Jahreszeitenbezug verallgemeinert. Weitwinkel und Perspektive wurden dagegen eingesetzt, um im koventionellen Stall die gewünschten Bilder zu bekommen, dazu stets eine Leichenbittermine des Reporters. Im Biostall dagegen immer Kindergeburtstag, mit Tränen dazwischen. Hier schlafen kranke Tiere ein? Krank zu sterben ist schmerzhaft, ein Tierschutzverstoß. Obwohl keine Antibiotika eingesetzt wurden, gab es einen Angst machenden Einspielfilm dazu, ausgerechnet aus der Skandalklinik (Anmerkung der Redaktion: das Klinikum Bremen-Mitte), in der durch Schlampereien Kinder an menschlichen Keimen starben. Show, Emotionen und
Parteilichkeit, statt neutraler wissenschaftlicher Informationen.

Das Biobürgertum hat heute die erfolglosen linken Weltverbesserer als Avantgarde abgelöst. Ihr "besseres Gewissen" würde zu sozialen Urständen führen: reich gedeckte Tische nur für Reiche. Ohne die Alternative der Rückumstellung wären Biobauern den Gewissenseiferern ausgeliefert. Bioförderung gegen die Importe kann es in der EU nur geben, wenn Bio klein bleibt. Die ständige Gefahr, tagsüber vom Habicht und nachts vom Marder gefressen zu werden, macht weder Clown noch Hühner glücklich, beide werden nervös. Georg Keckl 

Die Rubrik "Klargelegt" finden Sie jeden Monat in der Agrarwelt ihres dlz agrarmagazins

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