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Biogas

20 Jahre FNR

von , am
28.10.2013

Berlin - Die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR) im mecklenburg-vorpommerschen Gülzow blickt auf eine 20-jährige Tätigkeit zurück.

Beim Anbau von Energiepflanzen setzen viele Landwirte bisher hauptsächlich auf Mais. © Mühlhausen/landpixel
Mit 72 Mitgliedern und 84 Mitarbeitern ist sie die deutsche Koordinierungsstelle für diesen Bereich und widmet sich der Forschungsförderung, Markteinführung, Öffentlichkeitsarbeit, Beratung und Aktivitäten auf europäischer Ebene.
 
An der umfangreichen Unterstützung der Energieholzproduktion habe sich bis heute nichts geändert, sagte der Geschäftsführer der FNR, Andreas Schütte, beim 4. Symposium Energiepflanzen, das am 22. und 23. Oktober in Berlin stattfand. Zwar habe die Forschung im Bereich Miscanthus (Elefantengras) nach seinen Worten mit einem Aufwand von 34 Millionen D-Mark in den 90er-Jahren als "Schiffe-Versenken" geendet, doch schon bald habe es Forschungs-Beispiele zum Raps gegeben, der aufgrund seiner Wichtigkeit noch immer im Programm sei.

Anbau nachwachsender Rohstoffe stark gesteigert

Biogas war anfangs noch nicht Teil des Förderprogramms, eine erste wirtschaftliche Berechnung erfolgte im Jahr 2000. "Der Anbau nachwachsender Rohstoffe hat sich dann rasant entwickelt", berichtete Schütte und verwies auf die durch das Erneuerbare Energien-Gesetz (EEG) gesetzten Rahmenbedingungen. Insbesondere die Entwicklung von Mais war eng daran gekoppelt. Sie erfuhr nach der EEG-Novellierung 2004 allerdings einen leichten Abschwung. Ab diesem Zeitpunkt wollte die FNR auch Fehlentwicklungen durch Monokulturen entgegenwirken und entwickelte 220 neue Energiepflanzenprojekte im Wert von 75 Millionen Euro.

Die sechs Säulen

Die nachhaltige Nutzung von Biomassepotenzialen ruhte ab da auf folgenden sechs Säulen: Steigerung der Erträge von Pflanzen zur energetischen und stofflichen Nutzung, Reduzierung von Flächeninanspruchnahmen, Erschließung bisher nicht genutzter Flächen unter Beachtung sonstiger gesellschaftlicher Ziele, die stärkere Nutzung von Rest- und Abfallstoffen, die Steigerung der Ressourceneffizienz durch Optimierung der Konversionsverfahren und das Recycling zur Reduzierung des Rohstoffverbrauchs.

Nährstoffe im Kreislauf halten

Aktuelle Züchtungsaktivitäten betreffen unter anderem den Pathogenbefall der Zuckerrübe, den Weizen, die Bioenergieproduktion mit Triticale und die Entwicklung ertragreicher Biomassesorten bei Roggen. Beim Projekt ELKE geht es darum, nachwachsende Rohstoffe auf Naturschutz-Ausgleichsflächen anzubauen. Außerdem sollen bisher ungenutzte Areale, wie etwa Deponieoberflächen, für diese Zwecke verwendet werden. Die Fachagentur selbst wird heute mit einem Stroh-Kraftwerk beheizt.

Schwierigkeiten sieht Schütte darin, dass der Anbau von Energiepflanzen mit einer Minderung der Treibhausgase einhergehen müsse: "Das wird international für Raps Probleme bringen", sagte er. Der FNR liegt viel daran, die Nährstoffe im Kreislauf zu halten, dazu gehört die Phosphorrückgewinnung ebenso wie das Recyceln von Gärstoffen. Auch soll der Forstabfall auf den 11 Millionen Hektar deutscher Waldfläche künftig besser verwertet werden. Gemeinsam mit Umweltverbänden wird überlegt, ob Energiepflanzen auch auf Ökoflächen angebaut werden können.

Flächenüberschuss von 760.000 Hektar

2,4 Millionen Hektar würden in Deutschland als Fläche für nachwachsende Rohstoffe benötigt, hat Jürgen Zeddies, Agrarökonom an der Universität Hohenheim, errechnet. Aufgrund der Getreide-, Geflügel- und Rindfleischexporte sprach er von einem Flächenüberschuss von 760.000 Hektar, man erzeuge immerhin mehr als 100 Prozent seines Nahrungsmittelbedarfes. Deutschland ist aber laut Zeddies ein Sonderfall: Die Erträge würden weiter ansteigen und der Pro-Kopf-Verbrauch stagnieren, die Bevölkerungszahl werde jedoch ab 2020 deutlich abnehmen, während bei der Agrarfläche ein leichtes Minus erwartet werde.

EU-Staaten mit großem Potenzial

In der übrigen EU sei Ähnliches, allerdings bei gleichzeitiger Bevölkerungszunahme, zu erwarten. Flächenpotenzial bestünde in der Ukraine und in Russland, in begrenztem Umfang auch in Asien und Afrika. Dabei komme es aber auch auf das Investitionsklima für Bioenergie an. Der Agrarökonom glaubt dort nicht an eine große Bereitschaft zum Einstieg in die Bioenergieerzeugung. "Jene Länder, die nicht einsteigen, werden unsere Konkurrenten auf den Weltweizenmärkten. Wir brauchen uns also keine Sorgen um unsere Nahrungsmittel zu machen", sagte er. Als EU-Staaten mit großem Potenzial für Bioenergie nannte er Frankreich, Deutschland, Polen und Ungarn. Als nur zum Teil effizient bezeichnete Zeddies den Biomassemix 2012. Holz und Stroh seien geeignet, aber nur wenig genutzt. Die Biogasverstromung werde schlecht gerechnet, ebenso ergehe es den Biokraftstoffen insgesamt.
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