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Sanierung

Bauernhaus sanieren trotz Energiekrise: Tipps vom Energieberater

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am Mittwoch, 07.09.2022 - 15:00 (Jetzt kommentieren)

Die Energiekrise spüren alle, auch die Landwirte. Mit einer Energetischen Sanierung lassen sich die Energiekosten im Bauernhaus langfristig reduzieren. Energieberater Georg Polz von der BayWa AG ist auf Energetische Sanierungen spezialisiert und kennt alle Förderungen. Seine Tipps im Interview.

Was raten Sie denn Landwirten mit einem alten Bauernhaus, die energetisch sanieren wollen?

Den größten Nutzen sehe ich, wenn ich die anstehenden Reparaturen mit der energetischen Sanierung kombiniere. So kann man für die einzelnen Maßnahmen von verschiedenen Förderprogrammen profitieren. 

Welche Förderungen gibt es für energetische Sanierungsmaßnahmen?

Es gibt die BEG EM. Das ist die Bundesförderung für effiziente Gebäude-Einzelmaßnahmen. Bei der Gebäudehülle und der Anlagentechnik ohne Heizung sind bis zu 20 Prozent der Bruttokosten förderfähig.

Bei der Heizungstechnik können Sie 10 bis 40 Prozent Förderung erhalten. Um zu wissen, was sinnvoll ist, kann ein individueller Sanierungsfahrplan durch einen Energieberater erstellt werden. Dieser zeigt die Möglichkeiten für das Gebäude auf und unterstützt bei der Entscheidung.

Die Sanierung zum Effizienzhaus wird durch die Förderung BEG EH unterstützt. Hier wird das komplette Gebäude bewertet und je nach Effizienzklasse wird eine Förderung von 5 bis 45 Prozent gewährt. Die Betriebskosten und die Langlebigkeit eines Gebäudes sollten immer mit betrachtet werden.

Was ist bei den Fenstern förderfähig?

Bei Fenstern gibt es verschiedene Einzelmaßnahmen. Bei neuen Fenstern sollte man immer Fensterbretter und Laibung etc. mit prüfen lassen. Was vorher schon vorhanden war, kann man ersetzen und mit in die Förderung nehmen.

Ich rate allerdings meistens, neue Fenster einzubauen, anstatt die alten zu restaurieren. Neue Fenster sind energetisch immer besser und dichter als alte abgedichtete Holzfenster. 

Wie kann man das Dach im Bauernhaus energetisch sanieren?

In alten Bauernhäusern waren früher Dächer ohne Dämmung unter den Ziegeln üblich. Wenn das Dach neu gedeckt werden muss, sollte man gleich neu dämmen. Zudem empfehle ich, im Dachbereich stärker zu dämmen und einen dafür geeigneten Dämmstoff zu verwenden.

Es gibt immer längere Wärmeperioden mit hohen Temperaturen. Darauf sollten Hausbesitzer sich einstellen. Eine Dämmung hilft, die Wärme von draußen nicht so schnell hineinzulassen, wie auch die Wärme im Winter im Inneren zu halten.

Wie kann man die Fassade eines alten Bauernhauses energetisch sanieren?

Eine Außendämmung lässt sich auf fast jeder Wand anbringen – auch bei dicken Wänden sind fast immer 14 cm Dämmung möglich. Es gibt allerdings sehr diffusionsdichte Dämmungen. 

Sie lassen wenig Wasserdampf durch, was bei alten Gebäuden zu Problemen führen kann. Wenn Sie Ihre Außenwand sanieren, können Sie sie gegen Feuchtigkeit schützen, indem Sie die Wand ertüchtigen, aufgraben oder verputzen. 

Besondere Aufmerksamkeit gilt im Sockelbereich. Hier sollten Sie eine feuchteunempfindliche Dämmung einsetzen. Vor allem sollten Sie Wärmebrücken zwischen Fenster und Wand minimieren.

Wie lässt sich der Fußboden im Bauernhaus energieeffizient sanieren?

Bei sehr alten Häusern gibt es oft kein Fundament. Wer den Fußboden in Angriff nimmt, sollte auf jeden Fall im Bereich der Bodenplatte eine radondichte Folie verlegen. Radon ist ein gesundheitsgefährdendes Gas, das besonders im Alpengebiet vorkommt.

Wer einen unbeheizten Keller hat, sollte direkt bei der Kellerdecke beginnen. 10 bis 12 cm Dämmung schaffen eine deutlich höhere Bodentemperatur im Erdgeschoss und weniger Energieverlust nach unten. Solch eine Dämmung kann man ganz einfach von unten an die Kellerdecke dübeln. Die Deckendämmung gibt es als reinen Dämmstoff oder mit Deckbelag, der etwas weniger druckempfindlich ist.

Wie wichtig sind Lüftungsanlangen im Bauernhaus?

Lüftungsanlagen schützen vor Schimmel und sorgen für hohe Raumluftqualität. Bei alten Gebäuden, die nachträglich abgedichtet werden, ist auf den ausreichenden Luftwechsel zu achten. Diesen gewährleisten Luftanlagen auch ohne Anwesenheit der Bewohner.

Lüftungsanlagen mit entsprechenden Filtern können Allergikern Erleichterung verschaffen, da diese Pollen und Stäube aus der Frischluft herausfiltern und die Konzentration in der Raumluft dadurch absenken.

Die Heizung ist wichtig bei der energetischen Sanierung – was gilt beim Bauernhaus?

Viele landwirtschaftliche Betriebe haben Heizungen, die mit Biomasse betrieben werden. Eine Wärmepumpe ist eine gute Alternative für ein Wohngebäude, wenn keine Möglichkeit für eine Holz- oder Hackschnitzelheizung besteht. 

Bei einer Wärmepumpe sollten Sie den Wärmebedarf und die Übergabefläche (zum Beispiel Heizkörper) anpassen, denn die Wärmepumpe mag keine hohen Temperaturen. Besser ist es, eine Fußboden- oder Deckenheizung einzubauen.

Beide Varianten benötigen kein hohes Temperaturniveau, da die Wärme abgebende Fläche sehr groß ist. Eine Deckenheizung hat obendrein den Vorteil, dass sie im Sommer auch kühlen kann.

Wie lässt sich Strom im Bauernhaus sparen?

Viele Hausbesitzer übersehen den größten Verbraucher im Haus, den Haushaltsstrom. Der macht bis zu 50 Prozent der Energiekosten aus. Die Kosten für Strom lassen sich nur durch unser Verhalten oder die Einrichtung einer Fotovoltaikanlage (PV-Anlage) beeinflussen.

Oft reicht eine kleine PV-Anlage mit Batteriespeicher für den Eigenbedarf. Hier kann der Batteriespeicher die entsprechende Energie für Haushaltsstrom, Melkanlage, Kühlung, Ventilatoren und Beleuchtung in der Zeit ohne PV-Leistung zur Verfügung stellen.

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