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Kolumne

Biogas: Bürokratie und Auflagen bremsen Energiewende aus

Aktenordner
am Samstag, 26.11.2022 - 05:00 (1 Kommentar)

Der ausufernde Bürokratie-Wahnsinn und die Auflagenflut rund um das Thema Biogas bremsen die Energiewende aus. Warum das so ist, erklärt Leonhard Rösel in seiner Kolumne.

Grundsätzlich wäre es so einfach: Biomasse oder Reststoffe werden vergoren und das entstehende Gas wird zu Strom und Wärme. Das ist der Ursprungsgedanke von Biogas, aber so einfach ist es dann doch nicht. Dabei will ich gar nicht auf die technischen oder biologischen Herausforderungen hinaus, nein, ich sehe da in Deutschland noch ein ganz anderes Problem, das nicht nur die Energiewende ausbremst, sondern auch einfach nur Zeit und Nerven kostet: die Auflagenflut und der ausufernde Bürokratie-Wahnsinn rund ums Thema Biogas!

Von 20 Seiten auf 150 Seiten sind die Nachweise angestiegen

Anfang des Jahres startete es noch relativ harmlos. Ende Februar muss der Biogasanlagenbetreiber die jährliche Konformitätserklärung beim Netzbetreiber einreichen. Waren das zu Beginn meiner Biogaszeit noch rund 20 Seiten und zwei Anlagen, benötige ich heute neben Gutachten für Boni Nachweise über Einsatzstoffe, Wärmenutzung, Abgasmessungen und vieles mehr. Im Jahr 2022 waren es so über 150 Seiten, die ich einreichen musste.

Weiter ging es bei uns mit dem, alle fünf Jahre wiederkehrenden, wasserrechtlichen Gutachten nach der Verordnung über Anlagen zum Umgang mit wassergefährdenden Stoffen (AwsV). Dazu waren elf Aktenordner mit Unterlagen im Einsatz. Das Papier muss stimmen. Da gerät die Überprüfung der Anlage durch den Gutachter fast in den Hintergrund. Selbiges galt, als unser Havariekonzept mit der Umwallung der Anlage geprüft wurde. Der Erdwall war schneller fertig als die dazugehörige Dokumentation.

Die ganzen Regelungen und Verordnungen bedeuten Mehrarbeit

Und wenn wir schon bei Gutachten sind: Die Betriebssicherheitsprüfung darf nicht fehlen. Dazu kommen noch Papiertiger wie die Redispatch-2.0-Regelungen rund um das Einspeisemanagement für den grünen Strom. In all diesen Regelungen und Verordnungen steckt eins: Mehrarbeit, vor allem im Büro, und kein Nutzen – weder für den Betreiber der Biogasanlage noch für irgendjemand anderen. Es ist nur mehr Papier und vor allem kein Mehrwert!

Bitte nicht falsch verstehen: Selbstverständlich muss man sich den aktuellen Gegebenheiten anpassen, aber bei all den beschriebenen Maßnahmen ist eines sicher nicht gelöst, die Energieversorgung mit grünem Strom in der Zukunft.

Der Nutzen steht nicht im Verhältnis zum Aufwand

Vielleicht leisten diese Maßnahmen einen kleinen Beitrag dazu, dass die Erneuerbaren Energien besser steuer- und vernetzbar sind. Vielleicht helfen sie, dass Netzbetreiber und Energiekunden besser regeln und steuern können, und eventuell leisten Sie auch einen Beitrag zum umweltfreundlichen und sicheren Betrieb einer Biogasanlage.

Der Nutzen steht jedoch in keinem Verhältnis zum Aufwand und vor allem fehlt dem Betreiber dann die Zeit für das Wesentliche: den wirtschaftlichen und sicheren Betrieb seiner Biogasanlage. Ich wünsche mir, dass wir diesen Grundsatz wieder mehr in den Fokus rücken und dass die Energiewende wieder aus der Praxis heraus gestaltet werden kann und nicht im Büro abgewickelt wird, denn das kostet nur Energie.

Mit Material von agrarheute Energie 4/2022
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