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Kraftstoff

Biogas-Kraftstoff: Zukunft von Verbrenner-Motoren?

Biogas im Rohr
am Mittwoch, 15.09.2021 - 05:00 (Jetzt kommentieren)

Biogas als Kraftstoff soll maßgeblich zur deutschen Energiewende beitragen. Im Gegensatz zur Biogasnutzung für Strom und Wärme fehle im Bereich der Verbrenner aber die staatliche Unterstützung, so der Fachverband Biogas e.V.

Die Klimabilanz im Verkehrssektor ist schlecht: Seit 1990 konnte Deutschland die Emissionen nicht verringern. Die Wirtschaft hat geboomt, infolgedessen sind immer mehr LKW auf den Straßen. Da der Klimawandel eine Treibhausgasreduktion von 48 Prozent bis 2030 vorsieht, müssen neue Ansätze für den Tank her. Im Schwerlastenverkehr, bei Privat-Fahrzeugen und in der Landwirtschaft.

Davon ist Fachverbandspräsident Horst Seide überzeugt. Er ist Gastgeber der Aktionswoche „Biogas to Drive“, die vom 06. bis 12.09.2021 stattfand. In mehreren Veranstaltungen wurden die Potenziale von Biogas für den Verkehr diskutiert.

Biogasantrieb für die Landwirtschaft

Landmaschinen könnten in Zukunft mit Biogas im Tank fahren: Seit diesem Jahr laufen bei New Holland CNG-Traktoren vom Band. Die Schlepper haben nach Angaben des Herstellers 40 Prozent geringere Kraftstoffkosten als vergleichbare Dieselfahrzeuge.

Seide ist selbst Landwirt. Er beschreibt: Mit der Biogasanlage vor der Haustür würden mit CNG-Traktoren für einige Landwirte ganz neue Möglichkeiten entstehen. Neben der eigenen Nutzung des Kraftstoffs und damit sinkenden Kosten könnte der Kraftstoff außerdem an Tankstellen geliefert werden.

Es braucht Förderungen und Infrastruktur

Etwa 60 Prozent der rund 800 Gas-Tankstellen bieten reines Biogas oder zu Biomethan aufbereitetes Biogas an. Das Gas stammt vor allem aus Rest- und Abfallstoffen, Stroh und Gülle. Artenreichere Energiepflanzen erhalten zurzeit keine Förderung, trotz Potenzial erreichen sie daher keinen nennenswerten Mengenumsatz.

„Wir brauchen eine sofort verfügbare Alternative zu Diesel und Benzin, die praxistauglich ist und sich sowohl für PKW als auch für LKW eignet“, fordert Seide und ergänzt: „Biogas in Form von CNG oder LNG ist heute schon verfügbar und erprobt. Es wird regional erzeugt, spart bis zu 90 Prozent an Treibhausgasen ein und ist zudem deutlich preiswerter als Benzin oder Diesel.“

Aktuell erzeugen die deutschen Biogasanlagen pro Jahr rund 100 Terawattstunden (TWh) Gas. Davon werden etwa 10 TWh zu Biomethan aufbereitet und ins Gasnetz eingespeist. Gut eine Terawattstunde Biomethan landet im Verkehr – das sei noch zu wenig. In Deutschland würden durch die Förderung von Blühflächen deutlich größere Mengen verfügbar.

Insgesamt geht der Fachverband von einem Potenzial von rund 240 TWh aus, die Biogasanlagen bereitstellen könnten.

Absatzmarkt von Biogas-Kraftstoffen anfeuern

CO2-Reduktion heißt gleichzeitig Lärm- und Kostenreduktion: Die noch bis 2023 geltende Maut fällt für Biogasfahrzeuge weg und sie sind von der seit Januar 2021 geltenden CO2-Steuer befreit. Allein der Mauterlass summiert sich bei einer Fahrleistung von 60.000 km im Jahr auf etwa 11.000 Euro.

Seide sieht in der Aufbereitung von Biogas zu Biomethan und dem Einsatz im Verkehr vielversprechende Aussichten für die Branche: „Für die Biogaspioniere ist der erste EEG-Vergütungszeitraum bereits abgelaufen, in den nächsten Jahren werden viele Anlagen folgen. Diese Betreiber könnten im Kraftstoffsektor einen neuen Absatzmarkt finden – brauchen dafür aber verlässliche und planbare Rahmenbedingungen.“

Gleiches gilt für Landwirte: Um neben Strom und Wärme aus der Biogasanlage nun auch Kraftstoff abzuzapfen, benötige es die Sicherheit, dass in der Zukunft Abnehmer da sind.

Forderungen an EU und die Bundespolitik

„Um das 1,5 Grad-Ziel, also die von der EU formulierte 55-Prozent-CO2-Minderung bis 2030 zu erreichen, müssen wir jede zur Verfügung stehende klimafreundliche Antriebsform nutzen“, so Seide. Der Meinung schlossen sich weitere Teilnehmer der Aktionswoche an.

Der Generalsekretär der NGVA Europe („Natural and bio Gas Vehicle Association“), Dr. Jens Andersen, betont, dass der Schlüssel die Regierung in Brüssel sei. Die Erkenntnis, Die EU müsse der vergleichsweise jungen Biogasbranche eine Sicherheit am Markt geben, fand auch bei Wijtze Bakker, Direktor der OrangeGas Germany GmbH, Zustimmung: „Die EU muss jetzt richtig entscheiden, um etwa zu bewegen.“

Wissenschaftler Prof. Dr.-Ing. Thomas Willner aus der Fakultät Life Sciences, der HAW Hamburg, betonte, dass die einseitige Förderung durch die deutsche Bundesregierung zugunsten der Elektromobilität den Markt alternativer, ökologischer Antriebsstoffe ausbremse und fordert sofortiges Umdenken und die Stärkung der Biogaskraftstoffe.

Mit Material von Fachverband Biogas e.V.

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