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Biogas

Biogas aus Marktabfall: Pilotanlage geht in Betrieb

von , am
08.02.2012

Stuttgart - Aus Obst- und Gemüse-Abfällen von Großmärkten, Mensen und Kantinen lässt sich mithilfe eines neuen Verfahrens Methan erzeugen.

In dieser Stuttgarter Anlage wird aus Abfällen von Großmärkten Biogas hergestellt. © Fraunhofer IGBFraunhofer IGB
Für die Vergärung von Großmarktabfällen zu Biogas hat das Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik (IGB) im Rahmen des Verbundvorhabens EtaMax eine Pilotanlage entwickelt, die in diesen Tagen neben dem Stuttgarter Großmarkt in Betrieb geht.
 
IGB-Abteilungsleiterin und Projektkoordinatorin Dr. Ursula Schließmann bezeichnete Großmarktabfälle wie zum Beispiel welke Salatköpfe vergangene Woche als "ideal für das Vergären", weil sie viel Wasser und wenig verholzte Teile enthielten.

Ziele und Herausforderungen

Eine Herausforderung stelle allerdings die täglich wechselnde Zusammensetzung der Abfälle dar. Weil die verschiedenen Mikroorganismen zu jeder Zeit gleiche Umgebungsbedingungen bräuchten, müsse das Gleichgewicht erhalten werden. Der Ausschuss werde daher in verschiedenen Vorratsbehältern gelagert. Dort würden außerdem einige Parameter der Abfälle bestimmt, etwa der pH-Wert. "Das dazu entwickelte Managementsystem errechnet, wie viel Liter des Abfalles aus welchen Behältern gemischt und zu den Mikroorganismen gegeben werden", erläutert Schließmann. Das entstehende Methan werde von der Energie Baden-Württemberg EnBW mit Membranen aufbereitet. Die Daimler AG stelle einige Versuchsfahrzeuge mit Erdgasantrieb bereit. Wie die Expertin hervorhob, werden alle von der Anlage erzeugten Produkte verwertet, vom Biogas über das flüssige Filtrat bis zum nicht weiter vergärbaren schlammartigen Rest. Dabei helfe unter anderem ein zweites Teilprojekt in Reutlingen. Dort werde in einer Algenkultur Öl erzeugt, das Dieselmotoren antreiben könne.

Auch der Gärrest wird zu Methan

Als Nährmedium für die Algen dient IGB-Angaben zufolge das Filtratwasser aus der Biogasanlage. Auch das Kohlenstoffdioxyd (CO2), das die Algen zum Wachsen benötigten, erhielten die Forscher aus dem Biogasreaktor in Stuttgart. Das entstehende Biogas setze sich nämlich zu etwa zwei Dritteln aus dem gewünschten Methan und zu einem weiteren Drittel aus CO2 zusammen. Der schlammartige Gärrest werde schließlich von Kollegen aus dem Schweizer Paul Scherrer-Institut (PSI) und dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ebenfalls in Methan umgewandelt. Das Vorhaben EtaMax ist auf insgesamt fünf Jahr angelegt und wird vom Bundforschungsministerium mit zusammen 6 Mio Euro finanziell gefördert. Weitere Projektpartner sind das Fraunhofer-Institut für Verfahrenstechnik und Verpackung (IVV), die Stadt Nürnberg sowie die Unternehmen FairEnergie GmbH, Stulz Wasser- und Prozesstechnik GmbH, Netzsch Mohnopumpen GmbH und Subitec GmbH.
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