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Geschäftsmodell

Biogas: Neues Geschäft mit der Gülle

Hochlastreaktor Gülle
am
29.05.2019

Die gesetzliche Einspeisevergütung für Biogas ins Netz fällt weg. Neue Konzepte für den wirtschaftlichen Betrieb von Biogasanlagen sind gefragt. Künftig sollen Hochlastreaktoren das Potenzial der flüssigen Phase separierter Güllen fast vollständig ausschöpfen.

Im Forschungsprojekt 'Interreg' „Grüne Kaskade – Hochlastvergärung“ hat die Fachhochschule Münster zusammen mit den Unternehmen PlanET Biogastechnik und Bioenergiecluster Oost-Nederland (BEON) Hochlastreaktoren für Biogasanlagen entwickelt.

Der Clou: Durch innovative Technik aus der industriellen Abwasserreinigung wird die Mikroorganismendichte gesteigert und so die Abbaugeschwindigkeit der Reststoffe erhöht. "Drei Jahre lang haben wir Versuche durchgeführt und wissen jetzt, wie wir die Parameter Temperatur, Verweilzeit und Raumbelastung ansetzen müssen“, sagt Tobias Weide vom Forschungsteam.

Verschiedene Güllen wurden getestet

Wie viel Gewinn man mit seiner Gülle erzielen kann, hängt vor allem von deren Beschaffenheit ab. Bei Gülle von Mastschweinen und elf Tagen Verweilzeit im Reaktor wurden Gasgestehungskosten von ungefähr 10 Cent pro Kilowattstunde Methan berechnet. Das sind sozusagen die Herstellungskosten.
Ferkelgülle hingegen muss nur vier Tage im Reaktor bleiben und kommt auf 4,6 Cent pro Kilowattstunde. Je frischer die Gülle ist, desto produktiver arbeiten die Mikroorganismen.

Zum Vergleich: Durchschnittlich erzeugen Biogasanlagen ihr Methan für 4,7 Cent pro Kilowattstunde. „Mit dieser Technologie, also die Erhöhung der Mikroorganismendichte, brauchen wir nur ein Drittel des Reaktorvolumens, um dieselbe Menge Gülle zu vergären. Die Kosten dafür sind zwar hoch, aber die Technologie bietet neue Chancen für die Zukunft. Wir haben sehr viel Gülle in den Niederlanden und brauchen viel Biogas“, sagt Frans Feil von BEON.

Interessant für Anlagenbetreiber wie für Gülle abgebende Betriebe

Momentan ist das Forscherteam dabei, die Verweilzeit der Substrate weiter zu verkürzen. Außerdem soll untersucht werden, wie der Reaktor mit Co-Substraten klarkommt: Sickersäfte oder belastete Abwässer.

Die neue Technik ist interessant für Betreiber von Biogasanlagen als auch für Viehhalter, die Gülle abgeben müssen.

Mit Material von FH Münster
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