Login
Biogas

Biogas: Schluss mit dem 'Pachtkampf ums Maisfeld'

von , am
10.03.2011

Freising - Steigende Pachtpreise, Vermaisung der Flächen und ein zweckentfremdeter Gülle-Bonus. Das Thema Biogas wird im ländlichen Raum heiß diskutiert. Auch weil im nächsten Jahr eine Novelle des EEG ansteht.

Biogas eignet sich laut Brunner besonders gut als Ausgleich für die anderen erneuerbaren Energien, weil sie speicherfähig ist. © Mühlhausen/landpixel
In Bayern hat man scheinbar Gefallen am Runden Tisch gefunden. So diskutierten beim Symposium "Pachtkampf ums Maisfeld" Vertreter von BBV, Bund Naturschutz, Fachverband Biogas und des Bayerischen Gemeindetages über die Zukunft der bayerischen Biogasproduktion. Mit der bunten Runde im Künstlerhaus Schafhof in Freising wollte Landwirtschaftsminister Helmut Brunner ähnlich wie bei der Zukunftskommmission Landwirtschaft einen möglichst breiten Austausch zu dem Thema ermöglichen. Zwar ist die Situation nicht so dramatisch wie in einigen Veredlungsregionen im Nordwesten Deutschlands, doch lässt die EEG-Förderung auch in manch bayerischer Region den Pachtpreis auf 1.200 Euro schnellen. Das Thema wird bei den Landwirten heiß diskutiert, was sich in der Resonanz widerspiegelte. Über 250 Besucher füllten den Saal im Schafhof in Freising bis auf den letzten Platz.

Brunner: Quersubventionierung abbauen

Grafik 1: Biogasanlagen in Bayern (LfL Bayern/Stockinger)
Die EEG-Novelle 2009 führte zu einem starken Biogaszubau in ganz Deutschland und auch in Bayern. Mittlerweile stehen 2.030 Anlagen mit einer installierten Leistung von rund 550 MW im Freistaat, die rechnerisch jeden fünften Haushalt mit Strom versorgen. Trotz dieser wichtigen neuen Einkommensquelle für viele Landwirte sei Korrekturbedarf "vor allem bei dem bei der letzten Novelle gut gemeinten Gülle-Bonus erforderlich", betonte Minister Brunner in seinem Einführungsreferat. "Die 30 Masseprozent Gülle in einer Biogasanlage tragen nur etwa sieben Prozent zum Energieertrag bei. Die restlichen 93 Prozent der erzeugten Energie stammen aus Energiepflanzen, deren Ertrag aber ebenfalls mit dem Gülle-Bonus honoriert werde", machte Brunner deutlich. Diese Quersubventionierung müsse abgebaut werden. Die Anlagengröße für die erste Vergütungsstufe runter- und den Gülle-Pflichtanteil raufsetzen, brachte der Minister als mögliche Lösung ins Spiel.

Maisanbau auf mehr als 500.000 ha

Grafik 2: Fruchtfolgeanteil einzelner Kulturen in Bayern (LfL Bayern/Opperer)
Seit 2005 legte die Anbaufläche von Silomais in Bayern um rund 100.000 ha auf 380.000 ha in 2010 zu. Insgesamt wurden im letzten Jahr auf mehr als 500.000 ha Mais angebaut, davon gehen 160.000 ha in Biogasanlagen. Die zusätzlich benötigten Flächen drücken dabei vor allem in Regionen mit hoher Veredlungsdichte und generell geringer Ackerfläche auf die Pachtpreise. In weiten Teilen Südostbayerns, im Landkreis Rottal-Inn und im Unterallgäu werden mittlerweile über 40 Prozent der Ackerfläche mit Mais bepflanzt, wie Jakob Opperer, Präsident der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft, in seinem Vortrag zeigte. "Die Landwirte dürfen sich durch diese Entwicklung jedoch nicht wieder auseinander dividieren lassen", gab Opperer zu bedenken. Im Hinblick auf die EEG-Novelle im nächsten Jahr sei deshalb die Politik gefordert. "Es soll keine Überkompensation geben, dass bringt Unfriede in die Dörfer."

Mais als Substratpflanze bringt ökonomische Vorteile

Für den Mais spreche beim Einsatz als Biogassubstrat aus wirtschaftlicher Sicht im Vergleich zu anderen möglichen Energiepflanzen immer noch der hohe Trockenmasse- und Energie-Ertrag selbst unter schlechteren Bedingungen. Auch bei den chemischen Pflanzenschutzmaßnahmen liege Mais mit einem Behandlungsindex von 1,24 weit unter Kulturen wie Raps oder Winterweizen. Gleichwohl bringe der zunehmende Maisanbau zusätzliche Risiken für Bodenfruchtbarkeit, Gewässerschutz und Biodiversität mit sich. Laut Opperer sei es nach den Regeln der guten fachlichen Praxis klar, dass beispielsweise absolute Grünland- und Steilhangflächen nicht für den Maisanbau geeignet seien. Schwieriger sehe es allerdings bei der Frage nach dem Maximum des Maisanbaus aus, da hier ein ganzheitlicher Blick auf Bodenart und -typ, Geländeform und -lage, Auftreten von Schädlingen und Möglichkeiten der Bearbeitung nötig sei. So seien neben den ökonomischen Vorteilen des Maisanbaus immer auch die ökologischen und sozialen Folgen einer "Vermaisung" der Flächen mit einzubeziehen.

Sorghum als trockenheitstolerante Alternative

Doch welche Alternativen gibt es zum Mais im Biogasfermenter? Dr. Bernhard Widmann, Leiter des Technologie- und Förderzentrums, zeigte in seinem Vortrag den Stand der Forschung. So ergaben Versuche am Standort in Straubing im letzten Jahr, dass Mais-Spätsaat mehr unter der trocken-heißen Phase im Juni/Juli litt, als das trockenheitstolerante Sorghum. Allerdings drückte die nasskalte Periode im Spätsommer wiederum die TS-Gehalte bei Sorghum. Zudem kam es bei massewüchsigen Sorten zu hohen lagerbedingten Ernteverlusten.
 
Trotzdem stelle Sorghum laut Widmann gerade für trockenheitsgefährdete und für vom Maiswurzelbohrer bedrohte Lagen künftig eine Alternative dar. Vergleiche man die lange züchterische Anpassung, die der Mais in Deutschland durchlaufen hat, besteht bei dieser neuen C4-Pflanze was Frühreife, Kühletoleranz sowie Standfestigkeit betrifft, gutes Potenzial für den Einsatz in der Biogasanlage. Des Weiteren legte Widmann Ergebnisse vielgliedriger Biogas-Fruchtfolgen vor. Demnach könnte mit Mais als Hauptfrucht, GPS-Getreide als Ergänzung sowie anschließendem Zweit- oder Zwischenfruchtanbau sowohl das Anbaurisiko gestreut als auch die Humusbilanz ausgeglichen werden.
 
Video: Baustopp für den Gülle-Bonus: Biogasanlagen regional anpassen

Nachwachsende Rohstoffe contra Reststoffe

"Bei der EEG-Novelle 2009 ist es versäumt worden, einen maximalen Anteil von Mais in der Fruchtfolge festzulegen", sagte Prof. Dr. Weiger vom Bund Naturschutz in Bayern. Weiger plädierte dafür, den Einsatz von Mais auf 30 Prozent zu begrenzen und die Pflanze in eine dreigliedrige Fruchtfolge einzugliedern. Ansonsten sei aus ökologischer Sicht vor allem die Erosionsgefahr zu hoch. Wichtigste Anliegen des Bund Naturschutzes seien die Förderung kleinerer, dezentraler Anlagen sowie der verstärkte Einsatz von Reststoffen im Fermenter.
 
Ulrich Keymer von der LfL Bayern rechnete in seinem Vortrag mögliche Änderungen für die EEG-Novelle im kommenden Jahr vor. "Für eine Änderung des NawaRo-Bonus besteht kein Anlass, sofern der Gesetzgeber an seiner ursprünglichen Intention festhält", stellte der Ökonom fest und wandte sich gegen einen vermehrten Einsatz von Reststoffen. Keymer verwies dabei auf die ursprüngliche Intention des NawaRo-Bonus, mit dem laut Gesetzestext genau jener "Begrenztheit und Fehlleitung von Abfallströmen begegnet werden sollte", die jetzt wieder gefordert werden. Laut Keymer liegen die Rohstoffkosten von Biogasanlagen ohne Gülle in einem Korridor von zirka 6 bis 8 Ct/kWhel, teilweise zu Recht diskutierte Verzerrungen hätten ihre Ursache in anderen Vergütungsbestandteilen.

Gülle-Bonus begrenzen

Grafik 3: Vergütung für Biogas in 2009 (LfL Bayern/Keymer)
Hier mahnte er insbesondere Änderungen beim Gülle-Bonus an. Bleibe es das Ziel des Gesetzgebers, weitere Güllemengen für die Biogaserzeugung zu erschließen, dann soll der Leistungsbereich bis zu einem Schwellenwert von 75 kWel begrenzt werden und der Bonus gleichzeitig von 4 auf 6 Ct/kWhel erhöht werden, schlug Keymer vor. Damit wäre der Gülle-Bonus bei 40.000 Euro gedeckelt. Des Weiteren plädierte er dafür, nur flüssigen Wirtschaftsdünger im Sinne der Verordnung EU 1774/2002 für die Ermittlung der Mindesteinsatzmenge zuzulassen.
 
Auch auf den umstrittenen Anlagenbegriff ging Keymer ein. Wie er vorrechnete, erhält eine Satellitenanlage mit fünf Biogasanlagen á 200 kWel 488.000 Euro mehr Geld als eine Anlage mit 1.000 kWel. Er schlägt deshalb unter anderem eine Änderung von Paragraph 19 im EEG vor: Abweichend von Nr. 1 bis 4 sollten künftig unabhängig vom Standort, von den Eigentumsverhältnissen und der zeitlichen Abfolge der Inbetriebnahme alle Einrichtungen zur Erzeugung von Strom aus Erneuerbaren Energien als eine Anlage gelten, die mit dem in einer einzelnen Biogasanlage erzeugten Biogas betrieben werden.

EEG sinnvoll fortentwickeln

"Trotz des rauer gewordenen Windes auf dem Pachtmarkt möchte ich darauf hinweisen, dass Biogasanlagen auch die Märkte entlasten. Etwa 160.000 ha Futterfläche aus Mais werden in Bayern über Biogasanlagen verwertet. Biogas ist daher nicht nur Konkurrenz für die Fläche, sondern trägt in gewissem Maße auch zur Marktentlastung bei und dient damit allen Betrieben, auch den Milchviehbetrieben, für die es in vielen Fällen eine betrieblich sinnvolle Ergänzung darstellen kann", stellte Minister Brunner abschließend klar. Bei der EEG-Novelle 2012 sei laut Brunner insbesondere die Nutzung von Grünland in Gebieten, in denen sich die Tierhaltung zurückgezogen habe, interessant.
 
Viele Meinungen und Vorschläge trafen in Freising aufeinander. Doch trotz des "Pachtkampfes um Maisfeld" in manchen Regionen war man sich bei dem Symposium in Freising darüber einig, dass das EEG beibehalten werden muss, wenngleich Korrekturen bei der Novelle im nächsten Jahr nötig sind. (hek)
Auch interessant