Login
Biogas

Biogas: Zuckerrübe überzeugt

von , am
24.09.2013

Lünne/Soltau - Brauche ich eine Genehmigung, wenn ich Zuckerrüben in meiner Biogasanlage verwerte? Wie lagere ich die Rüben am besten? Die LAND & Forst hat dazu Fachleute befragt.

Bereits seit einigen Jahren steht die Zuckerrübe als Biogassubstrat im Fokus von Forschung und Praxis. Auch in Niedersachsen wird Biogas aus Zuckerrüben gewonnen, zum Beispiel von der Raiffeisen Warengenossenschaft Emsland Süd in Lünne. Die RWG betreibt dort insgesamt sieben Biogasanlagen (6 x 500 KW, 1 x 400 KW), die anteilig mit Rübenmus gefüttert werden. "Das Mus lagern wir in sogenannten Ligavatoren", berichtet Bernhard Temmen von der RWG. "Das sind Hochsilos aus Edelstahl mit einem Volumen von etwa 1.100 m³."
 
Unter den Behältern befindet sich ein Trichter, über den das Rübenmus bei jeder Fütterung per Schneckenpumpe zudosiert wird. Gefüttert wird über einen Mischbehälter mit einer Ration aus Silomais, Gülle und Rüben. Wenn die Preise es zulassen, ist auch CCM dabei. "Über den Winter füttern wir 30 Prozent Rüben an der Gesamtration, im Sommer sind es 15 bis 20 Prozent", erzählt Temmen. "Wir überlegen, ob wir zukünftig auch einen Teil der Rüben mit dem Silomais einsilieren. Aber in diesem Jahr haben wir das Problem, dass die Rüben sehr viel später geerntet werden als der Silomais. Deshalb musen wir weiter ein."

Als Vorfrucht 'am liebsten Getreide'

In den Jahren 2011 und 2012 hat die RWG Emsland Süd auf 120 bis 140 Hektar Rüben angebaut: "Die Rüben stehen hier schwerpunktmäßig auf den besseren Böden. Als Vorfrucht ist uns am liebsten Getreide. Beim Mais als Vorfrucht haben wir zum Teil Probleme mit der Verträglichkeit von Pflanzenschutzmitteln." Die Rüben werden maximal alle vier Jahre angebaut. Ausreichend Flächen sind vorhanden. Pro Biogasanlage setzt die RWG  im Jahr 1.500 bis 1.800 Tonnen Rüben ein, bei einem Ertrag von 80 bis 105 Tonnen je Hektar.

Mais- und Rüben-Prozesskette im Vergleich

Die Maiskette ist durch die RWG bereits optimiert. Die Kosten für die Maissilage mit Ernte und Einlagerung betragen 7,65 Euro je Tonne bei einer Erntemenge von 50 Tonnen je Hektar. Im Vergleich dazu liegen die Rüben bei 12,94 Euro. "Ernte und Transport der Rüben im Vergleich zum Mais sind nur unwesentlich teurer. Das, was die Kosten erhöht,
ist das Waschen, Entsteinen und Musen. Dafür müssen wir im Durchschnitt sechs bis sieben Euro pro Tonne aufbringen. Für uns gibt es zum Waschen aber keine Alternative."
 
Sind die Rüben allerdings erst einmal eingemust, ergeben sich keine zusätzlichen Kosten. Der Brei gelangt vollautomatisch in den Fermenter. Beim Mais müssen dagegen noch drei bis vier Euro für den Feststoffeintrag angesetzt werden.

Verkürzte Rührzeiten durch Rüben

Ziel ist es, die Prozesskette bei den Rüben weiter zu optimieren - zum Beispiel über die Rührzeiten. Da bei der Vergärung von Zuckerrüben die organische Substanz in vollem Umfang verwertet wird, sind kürzere Rührzeiten anzusetzen.
 
"Wir konnten diese Zeiten in unseren Anlagen um 1,5 Stunden pro Tag reduzieren. Die Rüben verdünnen den Prozess, das kann man auch optisch wahrnehmen. Wenn wir das umrechnen, ergibt sich bei den Rüben ein Vorteil von 1,50 bis zwei Euro pro Tonne." Bei diesen Berechnungen wurde ein Ertrag von 65 Tonnen Rüben je Hektar angesetzt. 90 bis 100 Tonnen sind aber durchaus realistisch. Somit sind weitere Einsparungen in der Prozesskette denkbar.

Arbeitsspitzen entzerren

Einen Teil der Rüben bleibt auch über den kommenden Winter auf dem Acker stehen: "Wir haben mit der Überwinterung im Boden sehr gute Erfahrungen gemacht, und das seit drei Jahren. So können wir Arbeitsspitzen entzerren", hält Temmen fest.
 
In der Bewirtschaftung sind Flächen mit durchschnittlich 30 bis 40 Bodenpunkten, die direkt nach dem Frost befahrbar sind. "Das ist wichtig. Die Rüben müssen im Frühjahr nämlich sofort gerodet werden, wenn der Frost aus dem Boden heraus ist, meist zwischen dem 15. Februar und dem ersten März." Wichtig ist es auch, die Zuckerrüben dann sofort nach dem Roden einzumusen. Sind sie erst aufgetaut, läuft das Wasser schon nach ein paar Stunden aus den Rüben heraus.

GroenGas Projekt forscht zur Biogasrübe

Die RWG Emsland Süd nimmt teil am sogenannten GroenGas Projekt. Dabei geht es um verschiedene Aspekte in der Wertschöpfungskette von der Produktion bis zum Abnehmer von "grünem Gas". Ein Thema ist die Etablierung der Zuckerrübe als Biogassubstrat, insbesondere in der Ems Dollartregion.
 
Auf einer Infoveranstaltung in Soltau Mitte September, stellte Sascha Hermus vom 3NKompetenzzentrum Nachwachsende Rohstoffe Ergebnisse des Projektes vor. Drei Varianten zur Rübenlagerung werden projektbezogen untersucht: Möglich ist zum einen die Aufbewahrung von Rübenbrei im Hochsilo, wie bei der RWG Emsland Süd praktiziert. Außerdem kann das Mus in einem Erdbecken gelagert werden. Die dritte Variante ist die Ganzrübensilierung bei einer Lagerhöhe von mindestens fünf Metern."Wir untersuchen derzeit noch alle drei Möglichkeiten der Lagerung und zum jetzigen Zeitpunkt kann man noch nicht sagen, welche der Varianten besonders vorteilhaft ist", stellt Hermus fest.

Anzeigen empfohlen

Brauche ich eine Genehmigung, wenn ich Zuckerrüben in meiner Biogasanlage verwerte? Diese Frage beantwortete in Soltau Harald Wedemeyer vom niedersächsischen Landvolk. Eine Genehmigung nach Bundesimmissionsschutzgesetz sei notwendig bei einer wesentlichen Änderung der Nutzung, zum Beispiel durch Baumaßnahmen oder durch vermehrte Gas- oder Gärrestmengen. "In diesem Fall ist ein komplettes Genehmigungsverfahren durchzuführen, bei dem es nicht nur um den Einsatz der Zuckerrüben geht", hält Wedemeyer fest.
 
Der bloße Wechsel von Mais zur Zuckerrübe als Substrat oder der zusätzliche Einsatz von Zuckerrübe stelle aber keine wesentliche Änderung laut Gesetz dar. "Das wird so auch von Seiten des niedersächsischen Umweltministeriums gesehen. Dieser Fall ist lediglich anzeigepflichtig." Das heißt, der Biogasanlagenbetreiber zeigt die veränderte Fütterung schriftlich bei der Behörde an. Diese muss sich innerhalb eines Monats melden, wenn Unterlagen nicht ausreichen oder doch eine Genehmigung notwendig wird. Meldet die Behörde sich nicht, kann der Betreiber nach einem Monat Zuckerrüben in seiner Anlage einsetzen.

Fehlende Anzeige kann teuer werden

Harald Wedemeyer empfiehlt, die Nutzung von Biogasrüben in jedem Fall anzuzeigen, um auf der sicheren Seite zu sein. Wird eine veränderte Fütterung nicht angezeigt, ist der Tatbestand einer Ordnungswidrigkeit erfüllt. Möglicherweise ist dann ein Bußgeld zu zahlen. Wenn eine notwendige Genehmigung nicht eingeholt wird, dann liegt sogar ein Straftatbestand vor.
Auch interessant