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Interview

Biogasanlage: Strom aus Wildblumen

Hummeln auf Sonnenblumen
am Mittwoch, 18.09.2019 - 07:00 (Jetzt kommentieren)

Die Stadtwerke Nürtingen bieten seit kurzem den Stromtarif „Bienenstrom“ an. Doch was steckt dahinter? Das verrät der Projektleiter Dr. Manfred Albiez im Interview.

Bienenstrom, was ist das eigentlich? Treiben dabei Bienen einen Generator an? Oder kommt Honig in die Verstromung?

Das ist ein Stromtarif der Stadtwerke Nürtingen, bei dem Stromkunden Blühflächen finanzieren. Anstelle von Mais baut der Blühpaten-Landwirt Wildpflanzen an, die anschließend in seiner Biogasanlage in Strom umgewandelt werden.

Seit wann bieten Sie diesen Stromtarif an?

Seit 2018. Schon im Januar sind wir auf die ersten Landwirte zugegangen, um sie für unser Projekt zu gewinnen. Elf Landwirte konnten wir von unserer Idee überzeugen. Und die haben dann im April 2018 das erste Mal Wildpflanzen ausgesät und im September geerntet. Parallel dazu haben wir unsere Internetseite freigeschaltet. Dort können sich seitdem Kunden für den Stromtarif Bienenstrom anmelden.

Wer ist alles an dem Projekt beteiligt? Ist das von den Stadtwerken ausgegangen?

Wir haben das Projekt gemeinsam mit dem Biosphärengebiet Schwäbische Alb entwickelt. Deren Grundidee war, den Maisanbau durch den Anbau von Wildpflanzen zu ersetzen. So soll die Biodiversität gefördert werden. Das bedeutet, dass die Blühmischungen nur auf Ackerflächen ausgesät werden dürfen.

Was hat der Landwirt davon?

Die Landwirte erhalten pro Hektar Anbaufläche, die durch blühende Energiepflanzen ersetzt wird, einen festgelegten Betrag. Damit können sie die erhöhten Anbaukosten und die Ertragsminderung gegenüber dem Maisanbau auffangen. Prinzipiell finanziert sich das Projekt darüber, dass 1 Cent/kWh in den Aufbau und die Pflege der Blühflächen fließt. Da kommt schon was zusammen: Bei einem 3-Personen- Haushalt mit einem Verbrauch von 3.600 kWh entspricht das einer Fläche von 500 m2.

Wie viele Landwirte und welche Fläche haben Sie unter Vertrag?

In diesem Jahr sind es 14 Landwirte aus der Region Schwäbische Alb. Deren Blühfläche beläuft sich insgesamt auf 20 ha. Das sind pro
Landwirt 0,5 bis 2,5 ha Blühfläche. Gegenüber dem Vorjahr haben wir uns damit um 6 ha erweitert und drei Landwirte dazugewonnen.

Wie lang laufen die Verträge mit den Landwirten?

Der Vertrag läuft normalerweise über fünf Jahre, da der Acker danach umgebrochen werden muss. Allerdings kann der Landwirt jährlich kündigen.

Das vollständige Interview lesen im agrarheute Energie Magazin 08/19.

Statt Glyphosat: Mechanik, Bio und Strom

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