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Biogas

Biogasrat kritisiert EEG-Vorschläge des Umweltministers

von , am
11.05.2011

Berlin - Der Biogasrat e.V. hat den Erfahrungsbericht des Bundesumweltministers zum EEG kritisiert und schlägt ein eigenes Marktprämienmodell vor.

Der Fachverband Biogas kritisiert, dass im EEG-Reformvorschlag Hinweise auf Änderungen für Neuanlagen fehlen würden. © landpixel
In einer eigenen Studie hat der Biogasrat in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Biomasse Forschungszentrum (DBFZ) und Prof. Dr. Christoph Weber, Lehrstuhl für Energiewirtschaft der Universität Duisburg/Essen ein Marktprämienmodell entwickelt, nach dem die Mehrkosten der Stromerzeugung aus Biogas gegenüber der konventionellen Stromerzeugung durch eine einheitliche Marktprämie erstattet werden und die übrigen Kosten und der Gewinn durch Teilnahme am Strommarkt erwirtschaftet werden muss.
 
Der Umweltminister hat dagegen vorgeschlagen, dass die Erzeuger erneuerbarer Energien entweder wie bisher eine feste umlagefinanzierte Vergütung erhalten oder aber monatlich für die Teilnahme am Strommarkt optieren können. Das Marktrisiko wird durch einen komplizierten Ausgleichsmechanismus bis zu den durchschnittlichen EEX-Preisen des Vormonats ausgeglichen.
 
Gefahr des 'Rosinenpickens'
 
Hier sieht der Biogasrat "zu wenig Mut zum Markt". Reinhard Schultz, Geschäftsführer des Biogasrat e.V.: "Wir brauchen die Chancen und Risiken einer vollen Marktteilnahme, um alle Effizienzreserven zu heben und das System auf Dauer billiger zum machen." Professor Weber sieht die Gefahr des 'Rosinenpickens' bei den Marktteilnehmern. "Wer von Monat zu Monat wählen kann, ob er am Strommarkt sein Geld verdienen oder von der Umlage leben will, der versucht nur dann am Markt zu arbeiten, wenn höhere Verdienste winken. Das verteuert das System eher, als dass die Umlagekosten gesenkt werden." Professor Weber hat hierzu einen wissenschaftlichen Vergleich beider Modelle erarbeitet.
 
Wärmenutzungspflicht realistisch optimieren
 
Große Probleme sieht der Biogasrat in den sehr hohen Vorgaben des BMU zur Wärmenutzung in KWK-Anlagen. "60 Prozent-Wärmenutzung bei der Vor-Ort-Verstromung ist nur an optimalen Standorten möglich, 90 Prozent Wärmenutzung in Anlagen, die Biogas aus dem Erdgasnetz beziehen, führt zu einer deutlich geringen Stromerzeugung ohne angemessenen Kostenausgleich im Vergütungssystem", erklärt Dr. Thomas Stephanblome, stellvertretender Vorsitzender des Biogasrat e.V.. Der Biogasrat hat seinerseits vorgeschlagen, bei der Vor-Ort-Verstromung mindesten 30 Prozent Wärmenutzung zur Auflage zu machen und besonders effiziente KWK-Anlagen mit 70 Prozent Wärmenutzung oder mehr durch einen KWK-Effizienzbonus zu belohnen. "Dadurch wird sichergestellt, dass in der Regel ein standortsangepasste Optimierung von Strom- und Wärmeerzeugung stattfindet und zugleich das Angebot an Biogas-Strom deutlich wächst?", unterstreicht Reinhard Schultz. "Nach dem Modell des BMU ist die Vor-Ort-Verstromung so gut wie tot, und der Biogas-Einspeisemarkt wird auch nicht so anspringen, wie es die Ziele der Bundesregierung vorsehen."
 
Einfaches und transparentes Vergütungssystem gefordert
 
Der Biogasrat kritisiert das komplizierte Vergütungssystem, das der BMU vorschlägt. "Grundvergütung, Rohstoffklasse I, Rohstoffklasse II, Sonderregelung für Abfälle, Kapazitätskomponente - all das ist noch komplizierter als das bisherige, aus dem Ruder gelaufene Bonus-System." Der Biogasrat hat dagegen eine einheitliche Einsatzstoff unabhängige Vergütung vorgeschlagen, die auch helfen soll, das Potenzial an biogenen Reststoffen für die Biogasproduktion zu erschließen.
 
Auch die vom BMU vorgeschlagene Vergütungshöhe steht beim Biogasrat in Kritik. "Bei der hohen Wärmenutzung und geringen Stromerzeugung, die der BMU-Entwurf will, reichen die Vergütungssätze pro erzeugter Kilowattstunde Strom nicht aus. Wenn die Wärmenutzung realistisch, wie in unserem Vorschlag angesetzt würde, lägen BMU und Biogasrat wieder näher beieinander", unterstreicht Reinhard Schultz.
 
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