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Aus der Wirtschaft

Biokraftstoffe: Chancen, nicht nur Risiken betonen

von , am
19.01.2012

Berlin - Biokraftstoffe sind in Deutschland der wichtigste Absatzmarkt für heimische Pflanzenöle, 2011 wurden rund 2,4 Millionen Tonnen pflanzliche Öle in Form von Biodiesel getankt.

Die Forschung macht's möglich: Biokraftstoffe aus Abfallprodukten © Mühlhausen/landpixel
Im Rahmen der Energiewende sind Pflanzenöle eine der maßgeblichen erneuerbaren Energiequellen. Eine zunehmende Unabhängigkeit von fossilen Energieträgern ist umso dringlicher, da die Umwelt- und Klimaauswirkungen der Erdölförderung immer gravierender werden.
 
Biodiesel aus Raps trägt außerdem zu einer diversifizierten Fruchtfolge und damit zum Erhalt des Ackerbodens und der ökologischen Vielfalt bei: Raps kann anders als andere Energiepflanzen nur alle drei Jahre auf demselben Feld angebaut werden. Gleichzeitig speichert Raps wichtige Nährstoffe im Boden, die von dem im darauf folgenden Jahr angebauten Getreide verwertet werden können – was gleichzeitig Dünger einspart und zu höheren Erträgen führt.

"Förderung nicht um jeden Preis"

Gleichwohl vertritt die ölsaatenverarbeitende Industrie die Position: Förderung von Biokraftstoffen nicht um jeden Preis. "Angesichts der Herausforderung, über sieben Milliarden Menschen zu ernähren, gilt für uns bei hohen Preisen bzw. knappem Angebot auf dem Weltmarkt: ‚Food First’", erklärt Wilhelm F. Thywissen, Vorsitzender von OVID, dem Verband der ölsaatenverarbeitenden Industrie in Deutschland, zum Auftakt der nature.tec. Dazu gehöre ebenso, Notfallreserven aufzubauen, die als Puffer für die Nahrungsmittelproduktion dienen, um im Fall von Hungerkrisen schnell reagieren zu können.

Lebensmittelproduktion an erster Stelle

Ebenso ist es notwendig, Erträge zu steigern und in die Kultivierung von degradierten Flächen zu investieren. "Grundsätzlich sind wir jedoch der Meinung, dass nicht nur die problematischen Seiten, von Biokraftstoffe abgesprochen werden sollten. In den letzten Jahren mussten Biokraftstoffe als Grund für zahlreiche Probleme wie hohe Lebensmittelpreise und hohe Preisschwankungen herhalten", Thywissen weiter. OVID fordert hingegen eine differenzierte Betrachtungsweise, die auch die Chancen hervorhebt. Die Bekämpfung von Hunger und Armut muss Priorität haben. Ebenso sind Nachhaltigkeitsstandards wichtig, um Umwelt und Ökologie im Auge zu behalten, wie sie in Deutschland mit den Nachhaltigkeitsverordnungen sicher gestellt werden.

Sicherung der energetischen Versorgung

 Auf der anderen Seite leisten Biokraftstoffe einen derzeit nicht zu ersetzender Beitrag zur Sicherung der energetischen Versorgung auf erneuerbarer Basis und mindern die Abhängigkeit von Erdöl. Entwicklungspolitisch kann der Anbau von agrarischen Rohstoffen für Biokraftstoffe sowohl eine wichtige Einkommensquelle für Entwicklungsländer bilden als auch eine Markt regulierende Funktion übernehmen – indem sie die Weltmarktpreise für agrarische Rohstoffe nach oben und nach unten abfedern und somit Preisschwankungen ausgleichen können. "Diese positiven Aspekte werden oftmals nicht gesehen oder verschwiegen", so Thywissen.
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