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Aus der Wirtschaft

Biokraftstoffe - aus gutem Grund und mit gutem Gewissen

© landpixel
von , am
20.06.2013

In den nächsten Wochen entscheidet sich die Zukunft der Biokraftstoffbranche. Der Verband der ölsaatenverarbeitenden Industrie warnt die Poitik vor populistischen Entscheidungen.

Petra Sprick, Geschäftsführerin OVID, und Elmar Baumann, Geschäftsführer VDB, (beide Mitte) sowie Claudia Hamboch und Pressesprecher Frank Brühning appellieren an die deutschen Bundestagsabgeordneten, ein klares Bekenntnis für Biokraftstoffe abzugeben. © Catrin Hahn
Anlässlich der in den kommenden Tagen zu erwartenden Entscheidungen über das Schicksal der Biokraftstoffe erhebt der Verband der ölsaatenverarbeitenden Industrie in Deutschland, OVID, die Stimme. Bei einem Pressegespräch in Berlin, in Sichtweite des Bundestages, adressieren Petra Sprick, Geschäftsführerin des Verbandes, und Elmar Baumann, Geschäftsführer des VDB, Verband der Deutschen Biokraftstoffindustrie e.V., ihre Wünsche an die Abgeordneten: "In den nächsten Wochen entscheidet sich die Zukunft der gesamten Biokraftstoffbranche. Wir erwarten von den Abgeordneten, dass sie nicht populistische Anschuldigungen aufgreifen, sondern die durch die Realität vielfach bestätigten Tatsachen zur Kenntnis nehmen."
 
Schließlich werden beim Rapsanbau 60 Prozent wertvolles Eiweißfuttermittel erzeugt, eine heimische Futterquelle, die beim Zusammenbruch des deutschen Rapsanbaues ersatzlos verschwinden würde. Ersetzt würde sie durch importiertes Soja - eine Herkunft, bei der man ebenso über iLUC-Faktoren und Tank-Teller-Fragen sprechen könne. Nicht zuletzt sei der heimische Rapsanbau durch die seit zwei Jahren vorgeschriebene Nachhaltigkeitszertifizierung dazu verpflichtet, ökologisch verträglich zu sein - wie kann es dann angehen, dass ihm von anderer Seite plötzlich Maluswerte in Form der iLUC-Faktoren abgezogen werden - die auch noch völlig willkürlich sind, wie Wissenschaftler festgestellt haben.

Zeit drängt

Am 20. Juni stimmt der Industrie-Ausschuss des Europäischen Parlaments über die von der Kommission geforderte Kehrtwende ab, am 10. Juli folgt der federführende Umwelt-Ausschuss. Im Herbst wird wahrscheinlich mit den ersten Anhörungen begonnen werden, was den Prozess der Entscheidungsfindung im Europäischen Parlament einleitet.
In einer Pressemeldung äußert auch OVID-Präsident Wilhelm F. Thywissen seine Erwartungen an die deutschen Politiker, auch im Wahljahr vernünftige Argumente gelten zu lassen: "Die Politik kann mit gutem Gewissen für die Beibehaltung ihrer erst 2009 installierten Erneuerbare-Energien-Richtlinie stimmen. Unsere Biokraftstoffe machen uns unabhängiger vom Mineralöl, sorgen für saubere Luft und bieten der Landwirtschaft vor allem eine neue Perspektive. Wer glaubt, mit der politischen Verbannung von Raps die Menschen auf der Welt besser ernähren zu können, ist auf dem Holzweg. Das Gegenteil ist der Fall."
 
Und nicht nur dass, auch 225.000 Arbeitsplätze in der EU hingen an der Biokraftstoffbranche, ergänzt Thywissen. Zur leidenschaftlich, aber faktenarm geführten Tank-Teller-Debatte schließt Thywissen noch an: "Wir wollen der Debatte um die Ursachen von Hunger und Armut schon deshalb nicht aus dem Weg gehen, weil wir Teil der Lösung sind."

Gründe für Biokraftstoffe

Die eigentliche Herausforderung für die Landwirtschaft bestehe darin, genügend Futtermittel für die Nahrungskette zu produzieren, um den prognostizierten erhöhten Fleischkonsum von aufstrebenden Ländern wie China decken zu können. Nach Angaben von OVID sprechen folgende Argumente für Biokraftstoffe:
  • In Ländern außerhalb der EU dienen meist weniger als ein Prozent (%) der landwirtschaftlichen Flächen dem Zweck der Kraftstoffherstellung. Ausnahmen sind Argentinien (3%) und Paraguay (4%).

  • Nur 4,6 % des weltweiten Verbrauchs an Pflanzenölen wird in der EU zu Biodiesel verarbeitet. Europa tankt vor allem Biodiesel aus Raps und füllt damit parallel seine Futtertröge. Das bei der Biodieselherstellung anfallende Rapsschrot ist ein wertvolles Proteinfuttermittel für Hühner, Schweine und Rinder.

  • Ohne die Biodieselproduktion würden 3,2 Millionen (Mio.) Tonnen Rapsschrot allein für Deutschland ausfallen. Sie müssten kompensiert werden mit 2,5 Mio. Tonnen Soja-Importen, für deren Anbau eine Fläche so groß wie Mecklenburg-Vorpommern gebraucht würde. 
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