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Biomasse

Biosprit: Aufschwung nach Stagnation

von , am
18.09.2012

Berlin - Der Einsatz von Biokraftstoffen hat in Deutschland 2011 stagniert. Das geht aus dem diesjährigen Biokraftstoffbericht der Bundesregierung hervor. Für das laufende Jahr erwartet die Regierung jedoch eine steigende Verwendung.

Strittige Punkte sind weiterhin die Förderobergrenze für Biokraftstoffe der ersten Generation und die Anrechnung von iLUC-Faktoren. © Mühlhausen/landpixel
Im vergangenen Jahr haben Biokraftstoffe 5,5 Prozent des energetischen Kraftstoffbedarfs in Deutschland gedeckt. Im Vergleich zu 2010 ist ihr Anteil damit um 0,3 Prozentpunkte gesunken. Wie die Bundesregierung im Einzelnen berichtet, stieg die Verwendung von Bioethanol um fünf Prozent auf 1,23 Millionen Tonnen (Mio. t). Hingegen sank der Absatz von Biodiesel um fast zwölf Prozent auf 2,23 Mio. t. Von Januar bis Mai 2012 war bei Biodiesel allerdings eine kräftige Belebung spürbar. Insgesamt geht die Regierung davon aus, dass der Biokraftstoffabsatz 2012 zulegen wird.

Hoher Importanteil

Bioethanol wurde voriges Jahr in etwas größerem Umfang als 2010 dem herkömmlichen Benzin beigemischt. Seit Anfang 2011 darf Ottokraftstoffen bis zu zehn Prozent Bioethanol zugesetzt werden, wenn dies an der Zapfsäule gekennzeichnet wird (E10). Bei einer inländischen Produktion von knapp 0,6 Mio. t Bioethanol wurde etwa die gleiche Menge Biosprit aus dem Ausland importiert.

Kapazitäten ruhen

Anders ist die Situation bei Biodiesel. Die Produktionskapazität der deutschen Biodiesel-industrie beträgt fast fünf Millionen Tonnen. Hergestellt wurden jedoch nur drei Millionen Tonnen, was einer Auslastung von 60 Prozent entspricht. Einige der 47 Anlagen wurden aus wirtschaftlichen Gründen stillgelegt. Ein Hersteller meldete voriges Jahr Insolvenz an. Fast die gesamte deutsche Produktion wurde über die Beimischung zu Dieselkraftstoff abgesetzt. Nur fünf Prozent wurden als reiner Biodiesel-Kraftstoff, überwiegend in Lkw-Flotten, verbrannt. Etwa 0,42 Mio. t wurden netto exportiert.

Nebenprodukte immer wichtiger

Die Bundesregierung ist verpflichtet, der EU-Kommission jährlich über die steuerliche Begünstigung von Biokraftstoffen zu berichten. Eine Überkompensation der im Vergleich zu fossilem Kraftstoff höheren Produktionskosten ist EU-rechtlich verboten. Nach den Berechnungen des Bundesfinanzministeriums ergab sich für Biodiesel als Reinkraftstoff jedoch trotz des bestehenden Steuervorteils im vorigen Jahr ein Kostennachteil von 10,3 Cent je Liter im Vergleich zu fossilem Diesel.
 
Im ersten Halbjahr 2012 sank der Nachteil auf 3,4 Cent je Liter. Das Finanzministerium erklärt dies mit dem deutlichen höheren Nebenprodukterlös für das hochwertige Eiweißfuttermittel Rapsschrot beziehungsweise Rapskuchen. Der Absatz von Biodiesel ist in den ersten fünf Monaten des Jahres 2012 um 160 Prozent gestiegen. Aufgrund der Überkompensationsberechnung sieht die Regierung dennoch keinen Handlungsbedarf für den Gesetzgeber. Zudem sei unklar, ob die heimischen Produzenten aufgrund des zunehmenden Preisdrucks durch Importe von der Absatzbelebung profitieren könnten, so die Bundesregierung.

Kein Handlungsbedarf

Für Pflanzenöl als Reinkraftstoff führt die Steuervergünstigung nach Berechnungen des Finanzressorts tatsächlich zu einer Überkompensation. Sie belief sich im ersten Halbjahr 2012 auf 1,75 Cent je Liter gegenüber fossilem Diesel. Die geringfügige Übersub-ventionierung will die Regierung jedoch tolerieren, weil der Marktanteil von Pflanzenöl-kraftstoff sehr gering ist und der Steuervorteil Ende 2012 weitgehend ausläuft. Bis dahin kann für Biodiesel als Reinkraftstoff eine Steuerentlastung in Höhe von 30,24 Cent je Liter und für Pflanzenölkraftstoff in Höhe von 30,49 Cent je Liter beantragt werden.
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