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Biogas

Brandschutz für die Biogasanlage

von , am
22.11.2014

Bei einem Brand gehen von einer Biogasanlage Gefahren aus, die nicht zu unterschätzen sind. Deshalb gehört zu jeder Anlage ein Brandschutzkonzept, das auch die örtliche Feuerwehr mit einbindet.

Bei einem Brand im Fermenter besteht immer dann Explosionsgefahr, wenn sich Methan mit Sauerstoff mischt. © Foto: Feuerwehr Bad Waldsee
 
Wie wichtig ein Brandschutzkonzept und ein schnelles Eingreifen der Feuerwehr ist, zeigt der Brand einer Biogasanlage in Königheim (Main-Tauber-Kreis). Beim Versuch, das Feuer zu löschen, erlitt der Besitzer der Anlage schwere Verbrennungen. Die Polizei teilte mit, es habe akute Explosionsgefahr bestanden, da das Gas nicht mehr kontrolliert abgebrannt werden konnte.
 
 
Wenn es auf einer Biogasanlage anfängt zu brennen, muss es schnell gehen. Die Feuerwehr vor Ort muss innerhalb kurzer Zeit die Gefahrenlage richtig einschätzen. Regelmäßige Ortsbegehungen mit der örtlichen Feuerwehr und ein aktueller Feuerwehrplan sind dabei hilfreich.

Feuerwehrpläne sind Pflicht

Deshalb legt Lothar Fischer, stellvertretender Leiter des Brand- und Katastrophenschutzes im Landratsamt Ravensburg, bei den Brandverhütungsschauen auf den Anlagen besonderen Wert auf die Feuerwehrpläne. Die Feuerwehrpläne für bauliche Anlagen müssen nach der DIN 14095 erstellt werden und sind immer Bestandteil der Genehmigung für eine Biogasanlage. Sie enthalten schriftliche und graphische Angaben über das Objekt, wie zum Beispiel: die Anzahl der Beschäftigten, Arbeitszeiten und Verantwortlichkeiten, die Lage von Not-Aus-Schaltern, Schiebern und Gasabsperrhähnen. Zudem sind aber auch alle wichtigen Ansprechpartner und Telefonnummern darin vermerkt. Ein Exemplar muss auf der Anlage griffbereit liegen.

Feuerwehrplan: Was muss drin stehen?

Auch die örtliche Feuerwehr hat einen Feuerwehrplan vorliegen, ebenso die Leitstelle. Außerdem erstellt die Feuerwehr Einsatzpläne mit Alarm- und Ausrückeordnung. Aus den Unterlagen müssen sich folgende Informationen entnehmen lassen:
  • Anfahrt
  • Rettungswege
  • Löschwasserentnahme
  • Löschwasserrückhaltung
  • Gefahrenbereiche mit Gefahrengruppen anhand von Lage- und Grundrissplänen

Meist Feuer im Technikraum

Jede Biogasanlage wird alle fünf Jahre im Rahmen der Brandverhütungsschau besucht und begutachtet. Bei der Begehung lässt sich Fischer immer den Technikraum zeigen, in dem das BHKW steht. Er achtet darauf, dass dort nur Dinge stehen, die für den Anlagenbetrieb notwendig sind. Denn die Erfahrung zeigt, dass an einer Biogasanlage am wahrscheinlichsten ein Feuer im Technikraum ausbricht, entweder am BHKW oder am elektrischen Schaltkasten.

Am BHKW brennt es häufiger

"Im Schnitt werden wir einmal im Jahr zu einem BHKW-Brand gerufen", sagt der Feuerwehrmann. Im Landkreis Ravensburg sind rund 100 Biogasanlagen installiert. Einen Brand im BHKW bezeichnete er als unkritischen Routineeinsatz. "Das ist vergleichbar mit einem Brand in einer Doppelgarage mit 2 PKW. Dies sollte für eine Feuerwehr kein Problem sein." Das Gas sollte abgesperrt und die Spannungsfreischaltung beachtet werden. Zusätzlich ist zu beachten, dass es im Betriebsraum des BHKW noch Heizleitungen für die Wärmerückgewinnung gibt, hier besteht Verbrühungsgefahr, sollte eine Rohrleitung undicht werden. Doch im Unterschied zu einer Garage könne der Fermenter nach dem Ausfall des BHKW durch einen Brand Probleme bereiten, weil das Gas kontrolliert abgefackelt werden muss, damit es zu keiner Explosion komme. "Der laufende Betrieb der Anlage, die ja weiter Biogas produziert, muss stabilisiert werden."

Gaszufuhr abstellen

Eine Explosionsgefahr des Fermenters besteht immer dann, wenn sich das Biogas, das etwa zur Hälfte aus Methan besteht, mit Sauerstoff mischt. Deshalb ist bei einem Brand zunächst die Gaszufuhr abzustellen, bevor gelöscht wird. Die Ex-Zonen sind vor Ort gekennzeichnet, außerdem müssen ein Ex-Zonenplan und ein Exschutzdokument vorliegen. Konkrete Gefahr geht vom unkontrolliert austretenden Biogas aus. An der Austrittstelle muss grundsätzlich mit einem explosionsfähigen Gemisch gerechnet werden. Die Feuerwehr wird geeignete Gaswarngeräte einsetzen und unter Atemschutz arbeiten. Ein Brand im Foliendach einer Biogasanlage wird als relativ ungefährlich eingestuft, hier besteht keine akute Explosionsgefahr, solange das Gas an der Leckage vollständig abbrennt. Das haben Versuche gezeigt.

Brand durch Schweißarbeiten am Fermenter

Die gefährlicheren Einsätze entstanden im Landkreis Ravensburg in Folge von Revisions- bzw. oder Reparaturarbeiten am Fermenter. So war es 2012 bei einem Brand auf einer Biogasanlage. Bei Flex- und Schweißarbeiten am Fermenter geriet Schwefel durch Funkenflug in Brand. Wenn Schwefel im Fermenter zu brennen anfängt, wird es für die Feuerwehr nicht nur schwierig, sondern auch gefährlich. "Das bedeutet einen Gefahrguteinsatz nach DV500", sagt Lothar Fischer. "Messungen ergaben sehr hohe bis extreme Konzentrationen an Schwefeldioxid", erklärte der Feuerwehrmann.
 
Kommt es bei Flex- und Schweißarbeiten zu einem Brand, dann wird es für den Betreiber richtig teuer. "In Baden-Württemberg gelten Unachtsamkeit bei Flex- und Schweißarbeiten als grob fahrlässig. Kommt es zu einem Brand, bei dem die Feuerwehr gerufen wird, muss der Verursacher für die Einsatzkosten aufkommen", mahnt Fischer.

Problem Betondeckel am Fermenter

Besonders schwierig ist es nach Fischers Erfahrungen, einen Schwefelbrand in einem Fermenter mit Betondeckel zu löschen. "Man weiß nicht, wo der Brandherd sitzt. Dann ist kein direkter Löschangriff möglich." Doch Schwefel ist nicht einfach zu entzünden und in der elementaren Form, in der er sich in jedem Fermenter an der Decke oder dem oberen Teil der Wände bildet, eigentlich unproblematisch. "Schwefel kann nur dann zum Problem werden, wenn er mit Sauerstoff in Berührung kommt. Und das ist in der Regel bei Revisionsarbeiten der Fall", warnt Fischer. Bereits im Jahr 2001 war es auf einer anderen Anlage im Landkreis Ravensburg zu einem Schwefelbrand im Fermenter gekommen, ebenfalls bei Schweißarbeiten.
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