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Biomasse

CO2-Aufschlag für Biokraftstoffe schwächt europäischen Wettbewerb

von , am
05.08.2011

Berlin - Der DBV warnt davor, die Treibhausgasbilanzen von Biokraftstoffen aus europäischer Erzeugung mit einem zusätzlichen CO2-Aufschlag zu belasten.

Durch den CO2-Aufschlag würden heimische Biokraftstoffe durch Importe aus Übersee verdrängt werden. © Dušan Zidar/fotolia.de
Der Deutsche Bauernverband (DBV) warnt vor Überlegungen der EU-Kommission, Biokraftstoffe und Pflanzenöle aus europäischer Erzeugung bei der Berechnung ihrer Treibhausgasbilanzen zukünftig mit einem zusätzlichen CO2-Aufschlag zu belasten. Mit diesem sogenannten ILUC-Faktor würde dem heimischen Anbau von nachwachsenden Rohstoffen für Biokraftstoffe die Abholzung des Regenwaldes in Ländern wie Brasilien angelastet. Die landwirtschaftliche Produktion in Europa würde ohne konkreten Nachweis nur auf Basis einer abstrakten Theorie mit einem zusätzlichen CO2-Ausstoß belastet, kritisierte der DBV.
 
Importe werden europäische Produkte verdrängen
 
Würde die EU entsprechende Vorschläge tatsächlich aufgreifen, wäre ein Großteil der europäischen Biokraftstoffproduktion nicht mehr wettbewerbsfähig und würde durch Importe aus Übersee verdrängt. Der entstehende wirtschaftliche Schaden für die deutsche und europäische Agrar- und Biokraftstoffwirtschaft wäre immens. Zunehmende Biokraftstoffimporte würden voraussichtlich auch weitere unerwünschte Landnutzungsänderungen in Drittländern nach sich ziehen, kritisiert der DBV. Ignoriert werde hierbei, dass der weltweite Bedarf an landwirtschaftlicher Biomasse deutlich ansteige - unabhängig von der zunehmenden Verwendung von Biokraftstoffen. Dies könne nicht einseitig dem Landwirt in Europa zugeschrieben werden, der über eine Vielzahl von nationalen und europäischen Vorgaben die Nachhaltigkeit seines Anbaus sicherstelle.
 
Regenwald wirksamer schützen
 
Der DBV widersetzt sich deshalb der Einführung eines ILUC-Faktors, wodurch nachhaltig wirtschaftenden Landwirten in Deutschland und in der EU diejenigen Treibhausgasemissionen direkt angelastet würden, die auf anderen Kontinenten entstehen. Stattdessen müsse der Regenwald auch in Brasilien oder Südostasien durch nationale Schutzmaßnahmen wirksamer geschützt werden, analog zu deutschen Wäldern mit dem Waldgesetz oder zum Schutz der Natur mit dem Bundesnaturschutzgesetz. Begründet wird der CO2-Malus mit einem Phänomen, der sogenannten Indirekten Landnutzungsänderung (kurz ILUC), was bis heute nicht ausreichend nachgewiesen wurde.
 
Die ILUC-These besagt, dass die Biokraftstoffproduktion in Europa indirekt die Nahrungs- und Futtermittelproduktion auf bisher nicht landwirtschaftlich genutzten Flächen außerhalb der EU verdrängen würde und somit dort erhebliche CO2-Emissionen verursache. Viel zitiertes Beispiel hierfür ist die Regenwaldrodung zugunsten des Anbaus von Soja.
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