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Strompreise und Engergieversorgung

Deutschland ist Weltmeister - bei den Strompreisen

Stromtrasse
am Donnerstag, 02.01.2020 - 12:12 (2 Kommentare)

Nirgendwo in Europa sind die Strompreise so hoch wie in Deutschland. Allein in den letzten 10 Jahren sind Kosten für gewerblichen und privaten Strom hierzulande um rund 40 Prozent gestiegen.

Und die Strompreise werden für Landwirte und Verbraucher in diesem Jahr weiter klettern. Im Durchschnitt um 6 Prozent. Bereist im vorigen Jahr kletterte der durchschnittliche Strompreis in Deutschland  auf den neuen Rekordwert von 30,88 Cent je Kilowattstunde.

Wenig überraschend: Mehr als die Hälfte entfallen auf Abgaben und Steuern. Noch zur Jahrtausendwende lag der Strompreis in Deutschland gerade einmal bei 13,94 Cent pro Kilowattstunde. Das ist in 20 Jahren mehr als eine Verdopplung der Strom-Preise. „Die Bundesregierung hat zwar erklärt, die Haushalte bei den Strompreisen entlasten zu wollen, doch davon ist bisher noch nichts angekommen“, sagt Valerian Vogel von Verivox. „Im Gegenteil, die durchschnittlichen Kosten steigen stetig an.“

EEG-Umlage steigt und steigt

Strompreis

Als Grund für die Strompreiserhöhungen gaben die Versorger gestiegene Umlagen und Netzgebühren an. Die EEG-Umlage, über die der Ausbau der erneuerbaren Energien finanziert wird, steigt zum Jahreswechsel um rund fünf Prozent von 6,405 Cent auf 6,756 Cent je Kilowattstunde. Sie macht rund 22 Prozent des gesamten Strompreises aus.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte 2011 den Verbrauchern versprochen: Die EEG-Umlage zur Förderung der Ökostrom-Produktion solle nicht über 3,5 Cent pro Kilowattstunde steigen. Nun ist der Wert fast doppelt so hoch. Auch die Gebühren für die Stromnetze, auf die ein weiteres knappes Viertel des Gesamtpreises entfällt, steigen  allerdings regional unterschiedlich.

Die Mehrheit der Netzbetreiber in Deutschland hat Preis-Erhöhungen von durchschnittlich sechs Prozent angekündigt. Dabei kaufen die Versorger den Strom derzeit günstiger ein als noch Anfang 2019. So sind die Großhandelspreise für Strom zwischen Januar und Dezember 2019 um rund 32 Prozent gefallen.

"Obwohl der Großhandelspreis für Strom rund ein Drittel niedriger ist als vor einem Jahr, müssen Stromkunden weiterhin Rekordpreise zahlen", sagt Lasse Schmid, Geschäftsführer beim Strompreis-Vergleichsportal Check24.

Der größte Teil des Strompreises sind Steuern

Strommast in der Abendsonne

Den Großteil der Stromkosten für Verbraucher, Landwirte und Gewerbetreibende machen die staatlichen Gebühren des Strompreises wie Steuern, Abgaben und Umlagen aus: Nämlich 53,8 Prozent. Darin enthalten sind die Stromsteuer, die Abgaben an die Kommunen sowie die Kosten, die sich aus dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG), dem Kraft-Wärme-Kopplungs-Gesetz (KWKG) und der Offshore-Netzumlage sowie der Mehrwertsteuer ergeben.

Dazu kommen dann noch die Gebühren für die Nutzung der Stromnetze von immerhin 23,5 Prozent. Die Netzentgelte sind im bundesweiten Schnitt in den letzten 10 Jahren um fast 30 Prozent gestiegen. Sie sind damit der zweitgrößte Kostenblock auf der Stromrechnung für private Stromkunden. Der Anteil den die Versorger für die Beschaffung, den Vertrieb und als Gewinn behalten, liegt nur bei 22,7 Prozent.

Fakt ist damit: Seit der Jahrtausendwende haben sich Steuern und Abgaben etwa verdreifacht. Die Denkfabrik Agora glaubt, dass die Strompreise in Deutschland noch mindestens bis 2023 steigen könnten, schon allein, weil die Kosten des Netzausbaus und der Netzsteuerung immer stärker zu Buche schlagen.

Deutschland ist Weltmeister – bei den Strompreisen

Strompreise Europa

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes war Strom bereits vor der aktuellen Erhöhung nirgends in Europa so teuer wie in Deutschland. Im ersten Halbjahr 2019 lag der Preis pro Kilowattstunde bei 30,88 Cent. Das war gut ein Cent mehr als im 1. Halbjahr 2018. Auch das bis dahin teuerste Stromland Dänemark haben die Deutschen nun überholt. Bei unseren nordischen Nachbaren sind die Preise nämlich gesunken.

In Frankreich ist das Preisniveau dagegen mehr als 40 Prozent niedriger als hier. In den Niederlanden beträgt der Abschlag auf den deutschen Strompreis 45 Prozent und in Polen müssen die Landwirte und Verbraucher nicht einmal die Hälfte der hiesigen Preise zahlen. Das ist von der Kostenseite sicher ein beträchtlicher Wettbewerbsnachteil für die deutschen Landwirte und Gewerbetreibenden. Und die Preise dürften weiter steigen – wenn die EEG-Umlage nicht wie angekündigt gesenkt wird. Doch dass wird schwer, denn 2030 sollen rund 65 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Quellen kommen. Das könnte die Kosten für die EEG-Umlage und auch den Strompreis weiter nach oben treiben.

Der Bundesverband der Industrie (BDI) rechnete in einer Studie damit, dass mit dem Wegfall des Atom- und Braunkohlestroms in den nächsten Jahren Milliarden an Mehrkosten anfallen. Diese dürften sich auch im Strompreis niederschlagen. „Der Strompreis jagt von einem Rekord zum nächsten“, sagt Lasse Schmid, Geschäftsführer bei Check24. „Jeden Monat wird Strom für Verbraucher ein bisschen teurer. Ein Ende der Fahnenstange ist nicht in Sicht.“

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