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Biogas

EEG-Reform: Bauernverband will Güllebonus entkoppeln

von , am
09.03.2011

Berlin - Fortbestand der Förderstruktur mit Einspeisevorrang und gesicherte Vergütungen - darauf setzt der DBV bei der Novellierung des Erneuerbare Energien Gesetzes (EEG).

Anfang kommender Woche findet im Messezentrum Nürnberg die Biogas Jahrestagung statt. © Susanne Beeck/pixelio
Wie der zuständige DBV-Experte Udo Hemmerling am vergangenen Mittwoch bei der Agrarfinanztagung seines Verbandes in Berlin warnte, geht sonst das Geschäft "vor allem an die großen Energieversorger".
Reformbedarf sieht er beim Güllebonus, den er künftig vom Bonus für nachwachsende Rohstoffe (Nawaro-Bonus) entkoppelt wissen möchte. In seiner derzeitigen Form sei der Güllebonus ein verdeckter zweiter Nawaro-Bonus, monierte Hemmerling am Beispiel einer Anlage mit einer elektrischen Leistung von 150 kW, für den er den Substratbedarf auf 3.000 Tonnen Nawaros und 1.600 Tonnen Gülle bezifferte. Auf dieser Grundlage veranschlagt er den Flächenbedarf auf 60 Hektar, die Vergütung je Cent Nawaro-Bonus auf 12.500 Euro und den Güllebonus auf 50.000 Euro.
Gleichzeitig bekannte sich Hemmerling zum Fortbestand des eigentlichen Nawaro-Bonus. Dieser beträgt derzeit sieben Cent je kWh und war bei der letzten EEG-Novelle wegen der hohen Getreidepreise um einen Cent angehoben worden.
 
Video: EEG 2012: Beim Gülle-Bonus muss nachgebessert werden

Niedersachsen plädiert für EEG ohne Boni mit größengestaffelter Vergütung

Aufgrund des starken Zubaus an Biogasanlagen in Veredlungsregionen plädiert die niedersächsische Landesregierung für eine große Reform beim EEG mit der Abschaffung aller Boni und größengestaffelten Einheitsvergütungen. Diesem Ansatz fehlt es aber bislang in anderen Regionen und auch bei Agrarpolitikern der Koalition an Zuspruch.
Ohnehin haben die Länder - also der Bundesrat - beim EEG kein Vetorecht.
Laut DBV-Experte Hemmerling können aus einer Tonne Maissilage etwa 400 Kilowattstunden (kWh) bis 450 kWh Strom gewonnen werden, woraus sich bei einem Nawaro-Bonus von sieben Cent ein Erlös von 28 Euro bis 32 Euro je Tonne ergibt. Unter Einbeziehung des Güllebonus landet man hingegen über der 40-Euro-Marke. Unzufrieden zeigte sich der DBV-Fachmann mit dem 2009 ins EEG eingeführten Landschaftspflegebonus, den er für "so nicht praktikabel" hält.

Bessere Wärmenutzung durch Investitionszuschüsse

Zudem will Hemmerling das "Vergütungssplitting" bei Biogasanlagen eingedämmt sehen. Das 2009 in Kraft getretene EEG habe in einigen Punkten Überhitzungen gebracht, resümierte Hemmerling. Für eine bessere Wärmenutzung befürwortet er Investitionszuschüsse nach dem Vorbild des Marktanreizprogramms für erneuerbare Energien.
Nach Schätzungen des Deutschen Biomasseforschungszentrums (DBFZ) erhalten derzeit 62 Prozent der Biogasanlagen den Bonus zur Kraft-Wärme-Kopplung (KWK), was aber noch nichts über die Intensität und die Art der Nutzung für die Wärme aussagt. Auf politischer Ebene ist eine verbesserte Wärmenutzung der Biogasanlagen eine Priorität. So gibt es Bestrebungen, Mindestnutzungsgrade für die Wärme bei Neuanlagen vorzuschreiben.

Anlagenkonzentration durch 'Investitionsmentalität der Tierhalter'

Laut Hemmerlings Einschätzung bestehen trotz "regionaler Ballungen" durchaus noch Reserven für den Ausbau der Biogasnutzung in Deutschland. "Derzeit findet der Anbau nachwachsender Rohstoffe auf rund zwei Millionen Hektar statt. Wir können auch noch auf drei Millionen Hektar gehen; das eigentliche Wachstum muss aber durch Ertragssteigerungen kommen", betonte Hemmerling mit Blick auf den Energiepflanzenanbau.
Dass es zu einer starken Konzentration von Biogasanlagen in Veredlungsregionen gekommen ist, erklärt sich für ihn nicht ausschließlich durch die Kopplung von Nawaro- und Güllebonus. Eine weitere Ursache für den starken Zubau in den Intensivregionen sieht er in der Investitionsmentalität der Tierhalter und deren Bereitschaft, in langfristig ausgelegte Projekte mit hohem Kapitalbedarf einzusteigen. Zweifel meldete der DBV-Fachmann an den langfristigen Ausbauplänen der Bundesregierung für erneuerbare Energien im Bereich Mobilität an. Hier fehlt es laut Hemmerling noch an einem Konzept.
 
Hören Sie dazu auch unseren Podcast mit Bayerns Landwirtschaftsminister Helmut Brunner 'Biogas: Kleinanlagen bevorzugt fördern'. anhören...
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