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Biomasse

EEG-Reform: Maisquote von 60 Prozent?

von , am
13.05.2011

Berlin - Streit um die Reform des EEG: Laut Eckpunkten des Entwurfes soll der Einsatz von Getreidekorn und Mais auf einen energetischen Anteil von 60 Prozent beschränkt werden. Dagegen streubt sich das DMK.

Mais für die Energiegewinnung braucht andere Eigenschaften als für die Tierfütterung. © Mühlhausen/landpixel
Mit den nun bekannt gewordenen Entwürfen nimmt die Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) Konturen an. Zu den Eckpunkten der Novellierung soll neben anderen Maßnahmen die Beschränkung des Einsatzes von Mais und Getreidekorn auf einen energetischen Anteil von 60 Prozent gehören. Das bedeutet, Boni für Strom aus Biomasse könnten künftig nur noch gezahlt werden, wenn ein bestimmter Maisanteil nicht überschritten wird.
 
Konkret heißt es in dem Entwurf: "Zugleich werden effektive Maßnahmen ergriffen, um dem zunehmenden Maisanbau sowie anderen Nutzungskonkurrenzen (z.B. bei Altholz) entgegenzuwirken und den Belangen des Naturschutzes Rechnung zu tragen." Und weiter: "Für Strom aus Biogas Begrenzung des Einsatzes von Mais und Getreidekorn auf 60 % (energetisch)."

DMK: Mais-Begrenzung verursacht überproportionalen Flächenbedarf

Wie das Deutsche Maiskomitee (DMK) in einer ersten Stellungnahme betont, bedeutet die Begrenzung der Kultur Mais einen überproportional wachsenden Bedarf an zusätzlicher Fläche für den Betrieb einer Biogasanlage.
 
Auf den Einsatz von Biomasse bezogen, führe eine derartige Maßnahme de facto zu einer Deckelung des Substratanteils von Mais und Getreidekorn weit unterhalb der genannten 60 Prozent.

Vorwürfen, der zunehmende Maisanbau würde die Umwelt beeinträchtigen, widerspricht das DMK: "Die Entwicklung wissenschaftlich basierter Konzepte zur 'guten fachlichen Praxis' hat in den letzten 20 Jahren zu umfangreichen Lösungen hin zu einem umweltverträglichen Maisanbau geführt." Was sicher gestellt werden müsse, sei die flächendeckende Umsetzung dieser Konzepte.

Umweltministerium bemängelt ökologische Fehlanreize

In den Handlungsempfehlungen zum Erfahrungsbericht des EEG-Erfahrungsberichtes stellt das Umweltministerium (wie berichtet) die Bedeutung der Biomasse als einen der wichtigsten Faktoren zur Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien heraus. Kritisiert wird jedoch eine "intransparente Förderstruktur", die zu ökologischen Fehlanreizen führe. 

Empfehlung im Bereich Biomasse im Überblick

  • Drastisch vereinfachtes Vergütungssystem mit 4 leistungsbezogenen Anlagenkategorien (Grundvergütung zwischen 6 und 14,3 ct/ kWh) und 2 Rohstoffvergütungsklassen (Rohstoffvergütungsklasse I mit 6 ct/kWh und Rohstoffvergütungsklasse II mit 8 ct/kWh).
  • Gesonderte Vergütung für Bioabfallvergärungsanlagen zur Mobilisierung von Abfall- und Reststoffen
  • Gestaffelte Zusatzvergütung (1 bis 2 ct) für die Biomethaneinspeisung
  • Für Altanlagen Halbierung des Güllebonus, wenn diese bereits vor 2009 in Betrieb gingen und den Güllebonus mit dem EEG 2009 erst nachträglich bekamen.
  • Im Schnitt Absenkung des Vergütungsniveaus um 10 bis 15 %, insbesondere bei Kleinanlagen; so sinkt die Vergütung für eine typische 150 kW-Anlage von bisher rund 26 ct/kWh auf künftig 20 bis 22 ct/kWh.
  • Erhöhung der Degression von 1 auf 2 % auf die rohstoffunabhängige Vergütung, das heißt die Rohstoffvergütung unterliegt künftig nicht mehr der Degression, da Rohstoffpreise auf dem Weltmarkt bestimmt werden und somit kein Kostensenkungspotenzial haben.
  • Für Strom aus Biogas Begrenzung des Einsatzes von Mais und Getreidekorn auf 60 % (energetisch);
  • Streichung der Vergütung für die Altholzverbrennung.
  • Einführung einer anteiligen Vergütung (d.h. beide Rohstoffklassen können gemischt werden). Dies vereinfacht den Einsatz von ökologisch vorteilhaften Einsatzstoffen, z.B. Landschaftspflegematerial.
  • Einführung von Mindestanforderungen (z.B. 60 % Wärmenutzung).
  • Für Neuanlagen Streichung der Förderung von Strom aus flüssiger Biomasse.
  • Einführung einer Kapazitäts-Prämie, um Strom aus Biogas-Anlagen marktorientiert erzeugen zu können (s.o.).
  • Erweiterung der Verordnungsmöglichkeiten für weitergehende Nachhaltigkeitsanforderungen, insbesondere auch für feste und gasförmige Biomasse.
Hohe Pachtpreise durch Biogasanlagen: Das muss nicht sein - ein Beispiel (21. April 2011)
 
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