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Energie-Experte: Agri-PV Anlagen nahezu immer förderfähig

Mehrfachnutzen: Mit Agri-PV-Anlagen erzielt man mindestens eine Doppelnutzung: Stromerzeugung, gleichzeitig stehen die Flächen weiterhin für eine landwirtschaftlich Produktion zur Verfügung. Wenn man den Strom auch noch innerbetrieblich selbst verwenden kann, ergibt sich eine weitere sinnvolle Nutzung.
am Mittwoch, 04.01.2023 - 09:30 (1 Kommentar)

Welche Neuerungen gelten für Agri-Photovoltaik ab 2023? LandSchafftEnergie am Technologie- und Förderzentrum hat das Wichtigste zusammengestellt.

Die Dringlichkeit eines schnelleren Ausbaus der Erneuerbaren Energien wird in der aktuellen Energiekrise sicht- und spürbar wie nie zuvor. In Bayern werden derzeit viele große Solaranlagen auf landwirtschaftlichen Flächen geplant und errichtet. Jedoch können die Felder anschließend nicht mehr wie bisher bewirtschaftet werden, weshalb eine Flächennutzungskonkurrenz entsteht. Die Agri-Photovoltaik (Agri-PV) wird nun verstärkt nachgefragt, denn die Technologie ermöglicht gleichzeitig landwirtschaftliche Produktion und klimafreundliche Stromerzeugung.

Aber wie kann sich der Newcomer Agri-PV im nächsten Jahr entwickeln? Der Bundesgesetzgeber hat hier verschiedene Änderungen vorgenommen, die in Summe ein hohes Marktwachstum erwarten lassen.

Agri PV im EEG aufgenommen

Das aktualisierte „Gesetz für den Ausbau Erneuerbarer Energien“ kurz EEG 2023, umfasst nun über hundert Artikel und hat mit dem ursprünglich im Jahr 2000 verfassten, gerade mal vier Artikel langen Text, nicht mehr viel gemein. Es bleibt aber das zentrale Steuerungsinstrument zum Ausbau und den Umgang mit Erneuerbaren Energien in Deutschland. Daher entscheidet dieses Gesetz über Wohl und Wehe ganzer Industriezweige.

Die Änderungen, welche die Novelle für 2023 bereithält, wird von der Branche in vielen Punkten positiv bewertet. Allen voran die deutlich erhöhten Einspeisevergütungen für alle PV-Anlagen. Die Agri PV wird nun erstmals im EEG regulär aufgeführt und aus dem Nischendasein herausgehoben. Daher müssen sich künftig Agri-Photovoltaikanlagen bei den Ausschreibungen für Solaranlagen des ersten Segments der Bundesnetzagentur mit klassischen Photovoltaik-Freiflächenanlagen (FFA) messen. Licht und Schatten liegen bei dieser Regelung nah beieinander.

Agri-PV Anlagen nahezu immer förderfähig

So kann auf ein seit dem EEG 2017 etabliertes Ausschreibungssystem mit erhöhtem Ausschreibungsvolumen und angehobenen zulässigen Höchstwerten zurückgegriffen werden. Zudem bekommen bei diesen Ausschreibungen nur die günstigsten Gebote einen Zuschlag, alle weiteren gehen leer aus. Das führt zu erheblichem Druck bei der Teilnahme, denn Agri-PV-Anlagen sind tendenziell teurer als reguläre FFA. Der Gesetzgeber hat dies allerdings mit zwei Mitteln versucht auszugleichen.

  • Erstens erhalten hoch aufgeständerte Agri-PV-Systeme einen Technologiebonus von 1,2 ct/kWh.
  • Zweitens, und dies birgt das größte Potenzial, sind Agri-PV-Systeme auf nahezu allen Acker- und Grünlandflächen im Sinne des EEG förderfähig. Demnach sind geförderte Anlagen auch abseits von Schienenwegen, Autobahnen oder benachteiligten Gebieten möglich. Genauso können sie bis zu einer installierten Leistung von 1 MWp am Marktprämienmodell mit festgeschriebenen Vergütungssätzen teilnehmen. Die Teilhabe und Wertschöpfung für die Landwirtschaft könnte so spürbar gesteigert werden.

Bis Mitte 2022 galt für Agri-PV-Anlagen wie für klassische FFA, dass die landwirtschaftlichen Flächen nicht mehr dem landwirtschaftlichen Betriebsvermögen zugerechnet werden und damit als Teil des Grundvermögens anders besteuert werden.

Was ändert sich bei der Erbschaftssteuer?

Hier haben Bund und Länder auf Drängen Bayerns entschieden, dass Flächen mit kombinierter Nutzung durch Photovoltaik-Anlagen und intensiver Landwirtschaft, also Agri PV, vollständig dem land- und forstwirtschaftlichen Betrieb zuzuordnen sind. Damit verlieren diese Flächen nicht die erbschaftsteuerlichen Begünstigungen für landwirtschaftliches Betriebsvermögen und verbleiben in der Grundsteuer A.

Hinter der neuen GAP 2023 mit ihrer GAPDZV verbirgt sich die aktualisierte Verordnung, welche die Flächenprämien der Europäischen Union national regelt. Sie wird nach einem längeren Prüfverfahren zum Jahresbeginn 2023 in Kraft treten. Für die Agri-PV ist dabei besonders der Artikel 12 maßgeblich.

Wann bleibt der Ackerstatus bei Agri PV erhalten?

So erhalten Agri-PV-Anlagen, bei denen sich die landwirtschaftlich nutzbare Fläche um maximal 15 % verringert, weiterhin 85 % der Zahlungen. Der Gesetzgeber bezieht sich hier, wie auch beim EEG 2023, auf die DIN SPEC 91434. Diese Regelung gilt darüber hinaus als Türöffner für den Erhalt des Flächenstatus als landwirtschaftliche Fläche. Bisher sind klassische FFA als „Sondergebiet Photovoltaik“ deklariert und damit eher als Industrieflächen zu behandeln.

Des Weiteren ist die Frage über den Verlust oder Erhalt des Ackerstatus elementar, wenn eine PV-Anlage auf betriebseigenen Flächen entstehen soll. Mit der „Bearbeitung der [Agri-PV] Fläche unter Einsatz üblicher landwirtschaftlicher Methoden, Maschinen und Geräte“, wie es die GAPDZV fordert, ist klar, dass der Ackerstatus erhalten bleiben kann.

Erlös-Chancen am Strommarkt

Neben gestiegenen Fördersätzen im EEG 2023 spielt für die Wirtschaftlichkeit bestehender, wie auch künftiger PV-Projekte eine entscheidende Rolle, wie sich die Strommärkte entwickeln.

Alle PV-Systeme mit einer installierten Leistung über 100 kWp müssen den Strom zunächst am Strommarkt direkt vermarkten. Wird der Fördersatz, der sogenannte anzulegende Wert, dort nicht erlöst, spricht man von einer Unterdeckung. In diesem Fall wird die Differenz zwischen Strommarkterlös und anzulegendem Wert ausbezahlt. Überschreiten die Erlöse aus der Direktvermarktung den anzulegenden Wert, können Anlagenbetreibende diese Erlöse bisher komplett einbehalten und so ihre Rendite steigern. Extreme Ausmaße nahm dies im August 2022 an. Damals lag der Monatsmarktwert Solar, welcher den durchschnittlichen Wert in einem Monat von Solarstrom an der Strombörse EEX beschreibt, bei nahezu 40 ct/kWh.

Diese zwar nur kurzfristig aufgetretenen Gewinne führten jedoch in der Folge zu regen Diskussionen einer möglichen Gewinnabschöpfung am Strommarkt. So hat der Gesetzgeber ganz aktuell das Strompreisbremsegesetz verabschiedet. Damit werden für Photovoltaikanlagen mit einer Leistung über 1 MWp ein Großteil der Zufallsgewinne abgeschöpft. Die Erlösabschöpfung gilt rückwirkend ab 01.12.2022 und ist bis maximal 30.04.2024 möglich. Unbestritten sind aber die Chancen, die sich für Anlagenbetreibende mit hohen Börsenstrompreisen ergeben.

So kann die EEG-Vergütung aktuell nur noch als untere Absicherung der Erlössituation betrachtet werden. Die Gewinne und damit die Renditen für die Investitionen werden am Strommarkt erwirtschaftet. Und die Prognosen hierfür sehen auch langfristig höhere Erlöse am Strommarkt, als es die Ausschreibungen oder das Marktprämienmodell erwarten lassen.

LandSchafftEnergie am TFZ

Beratungsangebot im Energiebereich

LandSchafftEnergie berät und informiert im Auftrag des Bayerischen Staatsministeriums für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie rund um die Energiewende im ländlichen Raum Bayerns. Dabei stehen das Einsparen und die effiziente Nutzung von Energie sowie der Einsatz von Erneuerbaren Energien im Mittelpunkt. Interessierte können sich mit Fragen rund um die Flächenauswahl, den geeigneten Anlagentyp und die Errichtung einer Agri-PV-Anlage an LandSchafftEnergie am Technologie- und Förderzentrum (TFZ) wenden. Neben den baurechtlichen Vorgaben und Fragen zu förderpolitischen Rahmenbedingungen werden ebenfalls Hilfestellungen bei technischen Fragen angeboten.

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