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Branchenzahlen Biogas

Energiewende: Biogasbranche wartet auf politische Weichenstellung

Biogasanlagen links und rechts eines Feldweges
am Freitag, 24.07.2020 - 08:48 (Jetzt kommentieren)

Weniger Biogasanlagen als im vorigen Jahr und eine rückläufige Stromerzeugung aus Biogas ließen die Branche bei der heutigen Pressekonferenz einen deutlichen Appell an die Politik aussprechen. Der Fachverband Biogas zeigte seine Bereitschaft, die Energiewende in Deutschland voranzutreiben – und konnte dabei seine Enttäuschung über politische Hindernisse nicht verbergen.

Während das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) 2009 noch zum Bau vieler neuer Biogasanlagen führte, wurde die Branche mit der Novelle 2012 wieder ausgebremst und mit dem EEG 2014 schließlich fast völlig aus dem Markt geworfen. Dies berichtete Horst Seide, Präsident des Fachverbandes Biogas.

Die besonders hohen Anforderungen in Deutschland, beispielsweise bei der Sicherheitstechnik, führten zu einer politisch gelenkten, rückläufigen Entwicklung der Stromerzeugung aus Biogas, fasste Seide zusammen.

Biogasanlagen stehen in Deutschland teilweise still

Im Vergleich zu 2019 wird für das laufende Jahr ein Rückgang von 168 Biogasanlagen erwartet: Der Höchststand im letzten Jahr mit 9.527 Anlagen sinkt laut Fachverband Biogas auf 9.359 Anlagen. Entsprechend verringert sich die elektrische Leistung und kann die im letzten Jahr erreichten 3.810 Megawatt nicht mehr halten.

Die installierte elektrische Leistung, welche die Kapazität bei voller Auslastung angibt, steigt in diesem Jahr voraussichtlich weiter an – von 5.000 Megawatt im Jahr 2019 auf 5.030 Megawatt. Das bedeutet, dass die Anlagen in Deutschland teilweise stillstehen, berichtete Seide.

In Ländern wie Frankreich oder Schweden gelte ein anderes Fördersystem als in Deutschland. Hierzulande herrschten für die Biogas-, aber auch für die Biomethanerzeugung erschwerte Zugangsbedingungen. Die bestehenden Regularien verteuerten die Produktion erheblich.

Biogasbranche will ihre Arbeit aufnehmen

Schon jetzt könne die Biogasbranche einen erheblichen Teil zur Energiewende beitragen – ohne dass dafür mehr Fläche benötigt werde. Deutlich appellierte Seide, dass die Branche bereit sei, diesen Weg zu gehen. In vielen Bundesländern seien die Kapazitätsgrenzen zudem noch lange nicht erreicht.

Auch könne sich die Biogastechnologie Problemen wie dem Insektenschutz oder der Biodiversität durchaus stellen: Zwar werde von den ca. 1.400.000 Hektar Biogas-Gesamtanbaufläche etwa 1 Mio. Hektar für den Maisanbau genutzt, der Anteil für andere Früchte nehme jedoch zu, betonte Seide.

Die wirtschaftliche Bedeutung der Biogasbranche sei ein weiterer Aspekt, der unter den aktuellen politischen Rahmenbedingungen „höchst bedenkliche“ Folgen haben könne. Weltweit werde für Biogasanlagen deutsche Technik genutzt – fehle in Deutschland der Anreiz, Biogasanlagen zu betreiben, verlagere sich die technische Entwicklung ins Ausland, warnte der Präsident des Fachverbandes.
Derzeit erreiche die Biogasbranche einen Umsatz von 9 Mrd. Euro.

Auch Dr. Simone Peter, Präsidentin des Bundesverbandes Erneuerbare Energie, wies darauf hin, wie wichtig der Betrieb von Biogasanlagen für die heimischen mittelständischen Unternehmen sei. Insbesondere nach der Corona-Krise sollten bessere politische Rahmenbedingungen geschaffen werden.

Großes Potenzial und schwindende Unterstützung

Auf zwei Vorteile bei der Biogaserzeugung machte Peter aufmerksam: Zum einen könne Biogas in das Erdgasnetz eingespeist werden. Außerdem eigne sich Biogas, um die schwankende Leistung aus Solar- und Windenergie abzufedern. Die Branche biete also eine große Flexibilität, die genutzt werden sollte.

Es sei nun an der Zeit, dass die Bundesregierung die Unsicherheiten bei der EEG-Novelle beseitige. Die Biogasbranche in Deutschland befinde sich an einem „Kipppunkt“, so Peter. Bei älteren Anlagen falle ab 2021 die EEG-Vergütung weg – hier müssten Perspektiven geschaffen werden, um einen fairen Marktzugang zu ermöglichen. Zudem sei die Branche Klima- und Umweltschutzauflagen immer gerecht geworden. Einigkeit bestand auch darin, dass der Flex-Deckel abgeschafft werden müsse.

Peter erinnerte an das Ziel der Koalition, bis 2030 den Ökostrom-Anteil auf 65 Prozent zu erhöhen. Bis dahin werde der Energieverbrauch auf etwa 481 Terrawattstunden steigen.

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