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Aus der Wirtschaft

Energiewende: Verunsicherung durch Altmaiers Äußerungen

von , am
11.03.2013

Anlässlich der Jahrespressekonferenz übte die juwi AG massive Kritik an den jüngsten Äußerungen von Bundesumweltminister Altmaier. Sind dessen Vorschläge das Ende der Energiewende?

Jochen Magerfleisch, im juwi-Vorstand als COO für alles Organisatorische zuständig, die juwi-Gruünder und Vorstände Fred Jung und Matthias Willenbacher und Martin Winter, seit Mitte vergangenen Jahres als CFO für die juwi-Finanzen zuständig. © Rainer Soppa
 
Der Kampf um die Energiewende in Deutschland geht in die entscheidende Runde. Bei seiner Jahrespressekonferenz am 6. März übte der Vorstand der Wörrstädter juwi-Gruppe heftige Kritik an den als "Strompreisbremse" bekannt gewordenen Plänen der Bundesregierung zum Ausbau der erneuerbaren Energien. "Rückwirkende Abgaben auf Altanlagen, fünf Monate ohne sichere Vergütung und Kürzungen nach der Rasenmähermethode würden eine ganze Branche an den Abgrund führen, zehntausende von Arbeitsplätzen gefährden und den Umbau unserer Energieversorgung praktisch stoppen. Und dies alles für minimale Einsparungen."
 
Dabei ginge es auch anders: juwi hat gemeinsam mit weiteren Unternehmen der Erneuerbaren-Branche ein Konzept entwickelt, mit dem bei der sogenannten EEG-Umlage bereits im kommenden Jahr mehr als sechs Milliarden Euro eingespart werden könnten.
 

Die Realität sieht anders aus

Viel zu wenig werden auch die Neben- und Folgekosten konventioneller Energien beim Energiepreis berücksichtigt. Wenn diese alle realistisch in den Strompreis eingerechnet würden, dann sähe das Bild vollkommen anders aus. Erneuerbare Energie sparen nach Aussagen Jungs nicht nur Devisen, die für fossile Energieträger ins Ausland fließen, sondern auch Wertschöpfung und Arbeitsplätze werden vor Ort geschaffen. Willensbacher ging weiter streng mit der aus seiner Sicht ungerecht fertigten Bevorzugung von Offshore-Windparks in Gericht. Die Anlagen sind schon wesentlich teuer in der Erstellung und zudem weit weg vom Verbraucher. Ein so gewaltiger Anlauf zum Ausbau der Stromtrassen wäre gar nicht nötig, würde die Energie dort erzeugt, wo sie auch verbraucht wird. So kosten aktuell die kWh-Offshore rund das doppelte von dem an Land produzierten Strom, ohne die Anschlusstrassen einzurechnen. Und warum die Offshore-Technik gar nicht bei den Einsparplänen des Ministers Altmaiers auftaucht, kann er sich nicht erklären.
 
"Bei allem Verständnis für Politiker im Wahlkampfmodus sollte aber doch vorher bedacht werden, welche Auswirkungen schon die Ankündigung von derart unausgegorenen Sparmaßnahmen haben", sagt juwi-Chef Willenbacher in Richtung des Minister-Duos Altmaier und Rösler. Sollte auch nur ein Teil der Pläne tatsächlich umgesetzt werden, würde in Deutschland der Ausbau der Windenergie über viele Jahre hinweg auf 20 bis 30 Prozent zusammengestutzt. Willenbacher: "Die Energiewende wäre praktisch tot."

Kritik an Medienberichterstattung

Willensbacher übte aber auch Kritik an den Medien: Durch die aktuelle Berichterstattung zum Thema EEG-Umlage würde ein Zerrbild der Realität erzeugt. Tatsächlich liegen die Kosten von Wärmeenergie und Treibstoff um ein Vielfaches höher als die Stromkosten eines durchschnittlichen Haushaltes. Die EEG-Umlage für nicht privilegierten Letztverbraucherabsatz steigt im Jahr 2013 von bisher 3,59 auf 5,277 Cent pro Kilowatt, für einen mitleren Haushalt mit einem Verbrauch von 3.600 kWh beträgt die Steigerung also 60 Euro im Jahr. Trotz aller Kritik sehen die Vorstände eine Umsetzung Altmaiers Vorschläge als unrealistisch an. Es handelt sich nur um ein politisches Geschachere. Trotzdem würden alleine die Äußerung Altmaiers für erheblichen Schaden in der Branche sorgen.
 

Energiewende billiger als vermutet?

Stockende Energiewende: Die EEG-Reform wird zur politischen Zerreißprobe. © SusaZoom/fotolia.com

Berlin - Bundesumweltminister Altmaier soll sich laut einer aktuellen Greenpeace-Studie bei den Kosten verschätzen. Die Energiewende soll den Ergegnissen zufolge weitaus billiger ausfallen.


Die Energiewende soll wesentlich weniger kosten als die Summe von einer Billion Euro, die Umweltminister Peter Altmaier (CDU) genannt hat. Eine Untersuchung des Forums Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) im Auftrag von Greenpeace Energy und des Bundesverbandes Erneuerbare Energie (BEE) zeige, dass die direkten Kosten drastisch niedriger ausfallen. So habe Altmaier für die Förderung von Ökostromkraftwerken durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz einen Betrag von 677 Milliarden Euro bis 2040 angegeben.
 
Eine genaue Abschätzung ist der Studie zufolge schwierig. Jedoch habe das Umweltministerium selbst in einer Untersuchung die Summe von 203 Milliarden Euro direkter Mehrkosten genannt. Diese Summe - ein Drittel der von Altmaier genannten 677 Milliarden Euro - werde von den Autoren der FÖS-Untersuchung als deutlich realistischer angesehen, heißt es in dem Zeitungsbericht.
 
 
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