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EU darf Energiewende nicht zunichte machen

von , am
05.10.2012

Berlin - 16 Verbände und Organisationen der Land- und Bioenergiewirtschaft fordern in einer gemeinsamen Erklärung die Europäische Kommission auf, die Pläne zur Neuregelung der Biokraftstoffe zu überdenken.

Um die Energiewende zum Exportschlager zu machen, soll das EEG-Gesetz (Erneuerbare-Energien-Gesetz) übersetzt werden. © Mühlhausen/landpixel
Die Europäische Union darf die Entwicklungen bei der Bioenergie nicht zunichte machen. Bioenergie und Biokraftstoffe werden für eine zukunftsfähige Energieversorgung innerhalb eines Energiemixes benötigt. Dies geht aus der gemeinsamen Erklärung von 16 Verbänden und Organisationen der Land- und Bioenergiewirtschaft hervor, die der Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Joachim Rukwied, und der Vorsitzende des Bundesverbandes Bioenergie, Helmut Lamp, in einer Pressekonferenz in Berlin vorstellten.

Teller und Tank - beides geht miteinander

"Unsere Landwirtschaft kann beides miteinander verbinden: Teller und Tank", betonte Rukwied. Der Bauernpräsident machte noch einmal deutlich, dass die im Sommer von Entwicklungshilfeminister Niebel losgetretene Debatte, wonach eine Abschaffung von E10 in Deutschland und Europa den Hunger in Afrika bekämpfen würde, nicht haltbar sei.
 
Der Schlüssel zur Hungerbekämpfung seien die Schaffung von demokratischen Verhältnissen, die Bildung und die Eigentumsrechte für die Bauern. Europa könne bei rückläufiger Bevölkerung mit seinem strukturellen Getreideüberschuss durchaus Alternativen bei Bioenergie und Biokraftstoffen entwickeln. Dies fördere auch die Vielfalt der Fruchtfolgen im Ackerbau.

Ruckwied fordert die Zurücknahme der Brüsseler Pläne

Die Pläne der Europäischen Kommission zur Neuregelung der Biokraftstoffe, die Energie-Kommissar Oettinger und Klima-Kommissar Heedegaard vor einigen Wochen angekündigt haben, bedeuteten "auch eine Abkehr von den heute üblichen Biokraftstoffen auf Basis nachwachsender Rohstoffe". Die EU würde in der diskutierten Richtlinie auf Kraftstoffe der 2. Generation und auf Abfälle und Reststoffe setzen, die in diesem Ausmaß nicht verfügbar seien.
 
Aus dieser Sicht seien "die Brüsseler Pläne auch ein Stück weit ein Einknicken vor einer schrägen öffentlichen Debatte um Teller oder Tank", stellte Rukwied fest. Der Bauernpräsident forderte die Kommission auf, die Pläne zu den indirekten Landnutzungsänderungen und zur einseitigen Bevorzugung von Rest- und Abfallstoffen zurückzunehmen.
 

Neben der Bioenergie entstehen auch wertvolle Futtermittel

In den Diskussionen über die Bioenergie werde nicht berücksichtigt, dass wertvolle Futtermittel entstehen, wenn Biodiesel aus Raps oder Bioethanol aus Getreide und Zuckerrüben erzeugt wird. 60 Prozent des Rapskorns würden zu Rapsschrot verarbeitet. Insgesamt würden die deutschen Tierhalter so über zwei Millionen Tonnen Importe an Sojaschrotfutter einsparen.
 
Die Bioenergie habe sich somit zum integrierten Bestandteil der heimischen Agrarwirtschaft entwickelt. Insbesondere der Raps würde als nachhaltige Alternative zu Getreide und zu Mais in der Fruchtfolge dienen. Landwirte, Landhandel und Biokraftstoffwirtschaft hätten in einer gemeinsamen Anstrengung die Nachhaltigkeitszertifizierung umgesetzt. Man arbeite auch daran, die Treibhausgasbilanz von Biokraftstoffen weiter zu verbessern, erklärte Rukwied.

Umstieg auf erneuerbare Energie geht nicht ohne Bioenergie

Helmut Lamp geht davon aus, dass die Wertschöpfung in Deutschland und Europa verloren ginge, genauso wie Tausende von Arbeitsplätzen und die Investitionen in Milliardenhöhe in den Aufbau einer neuen Energiebranche zerstört würden. Angesichts steigender Energiepreise werde die Bioenergie schrittweise immer weniger staatlicher Förderung bedürfen. "Ein Umstieg von der fossilen auf die erneuerbare Energie ist ohne die Bioenergie unmöglich", stellte Lamp fest. Bioenergie werde wegen ihrer Speicherfähigkeit und jederzeitigen Verfügbarkeit als Ergänzung zur Sonnen-, Wind- und Wasserkraft mehr denn je gebraucht.
 
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