Login
Biomasse

Europäisches Parlament stimmt heute über Biokraftstoffe ab

von , am
11.09.2013

Straßburg - Heute stimmen die EU-Parlamentarier über die neuen Richtlinien für Biokraftstoffe ab. Das Ergebnis wird mit Spannung erwartet.

Tank und Teller ist die Devise von Norbert Lins. © Gerken Ernst / Fotolia
Konkret geht es bei der Abstimmung um die Einführung der sogenannten iLUC-Faktoren und die Begrenzung der Anbaubiomasse. Die iLUC-Faktoren berücksichtigen nach Meinung einiger Interessengruppen die indirekte Landnutzungsänderung, die sich durch den Anbau von Biokraftstoffen auf den Äckern oder die Rodung von Urwäldern ergebe.
 
Die Abstimmung des EU-Parlaments wird mit Spannung erwartet, weil es im Vorfeld in den Ausschüssen zu unterschiedlichen Abstimmungsergebnissen kam. So hat sich der Industrieausschuss für die Ablehnung der iLUC-Faktoren ausgesprochen und zum Schutz der Wälder bilaterale Abkommen vorgeschlagen. Außerdem plädierte er für eine Quote von 6,5 Prozent herkömmlicher Biokraftstoffe. Der Umweltausschuss hingegen plädierte für die Einführung der iLUC-Faktoren und auch die EU-Kommission hat einen Richtlinienvorschlag vorgelegt, der vorsieht, dass sie künftig angewendet werden sollen.

DBV warnt vor "Zerschlagung" der heimischen Biokraftstoffbranche

Sollte das Europäische Parlament (EP) auf seiner heutigen Sitzung dem Richtlinienvorschlag zur Biokraftstoffpolitik der EU-Kommission zustimmen, dann befürchtet der Deutsche Bauernverband (DBV) die „Zerschlagung“ der mit hohen Investitionen aufgebauten heimischen Kraftstoffbranche auf Basis von Raps, Getreide und Zuckerrüben. "Die Vorrschläge der EU-Kommission stellen eine sachlich nicht begründbare Diskriminierung unserer heimischen Rohstoffe aus zertifiziert nachhaltigem Ackerbau für Biokraftstoffe dar", schrieb DBV-Generalsekretär Bernhard Krüsken an die deutschen Abgeordneten im Europäischen Parlament. Die von der EU-Kommission vorgeschlagenen indirekten Landnutzungsänderungen (iLUC) im Richtlinienvorschlag ignorierten die Zusammenhänge der globalen Rohstoffmärkte. ILUC-Faktoren könnten bis heute nicht fundiert berechnet.
 
Die deutsche Landwirtschaft würde zudem mit dem Verlust der Biokraftstoffe zusätzlich ihre wichtigste einheimische Eiweißfutterquelle aufgeben, gab der DBV-Generalsekretär zu bedenken. Dann wäre Deutschland auf den zusätzlichen Import von über 2 Millionen Tonnen Sojaschrot angewiesen. Außerdem würde die geplante Mehrfachanrechnung von Reststoffen und Abfällen zu erheblichen Verzerrungen auf den Rohstoffmärkten führen. Ein Importsog nach tatsächlichen und vermeintlichen Abfällen für die Biokraftstoffherstellung würde in Gang gesetzt werden. Krüsken forderte die Abgeordneten des Europäischen Parlaments auf, sich dem Votum ihres Industrieausschusses anzuschließen. 

Auch interessant