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Europaparlament verteidigt Biodiesel

von , am
08.03.2013

Die Pläne der EU-Kommission, den Anteil von Biotreibstoffen im Kraftstoffverbrauch zu senken, trifft auf Wierstand beim Europäischen Parlament.

Als problematisch bezeichnete Baumann die Obergrenze für auf Anbaubiomasse basierte Biokraftstoffe. © Heino Pattschull/fotolia.com
Pläne der EU-Kommission zur Einschränkung von Biotreibstoffen stoßen im Europaparlament (EP) auf Widerstand. Die Kommission möchte den Anteil von traditionellen Biotreibstoffen auf fünf des Kraftstoffverbrauchs beschränken. Die Brüsseler Behörde argumentiert mit den Rohstoffen vom Acker, die im Wettbewerb zur Nahrungsmittelerzeugung stehen. Die Abkehr komme zu plötzlich und ist nach Ansicht der Europaabgeordneten wenig durchdacht. Viele Volksvertreter im Agrarausschuss des EP wollen dem nicht folgen.

Parteien zweifeln an Bewertungen für Biokraftstoffe

Zahlreiche Abgeordnete führten diese Woche in Brüssel in einer Aussprache den Rapskuchen als wichtiges Eiweißfuttermittel ins Feld. Das Nebenerzeugnis aus der Biodieselherstellung könne Sojaimporte ersetzen, argumentierte Britta Reimers (FDP). Sie zweifelt, wie viele ihrer Kollegen, an den Berechnungen der EU-Kommission für die indirekten Landnutzungsänderungen (iluc), bei denen vor allem der Biodiesel aus Raps schlecht wegkommt. Zudem kritisierte Reimers den Ansatz der Kommission, Biotreibstoffe zukünftig hauptsächlich aus Abfällen herstellen zu wollen. Stroh werde heute schon als Einstreu im Stall, als Futtermittel und zur Isolierung im Bau verwendet. Für die Treibstoffe bleibe kein Stroh übrig, gab Reimers zu bedenken.

'Kein Durchbruch für Biotreibstoffe der zweiten Generation'

Der ungarische Abgeordnete und Berichterstatter Bela Glattfelder (EVP) führte eine Studie der Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) an. Danach werde es in den kommenden zehn Jahren keinen Durchbruch für Biotreibstoffe der zweiten Generation aus Abfällen geben. Christa Klass (CDU) bemängelte die neue Bewertung der Kommission für Biotreibstoffe. Wenn Treibstoff aus Abfällen zukünftig vierfach angerechnet werde, reiche bis 2020 ein Biospritanteil von lediglich 6,25 Prozent, um die Klimaziele im Verkehrssektor zu erfüllen. Das sei ein Abstrich von den bisher geforderten zehn Prozent, betonte Klass.

Zweifel an iluc- Berechnungen

Martin Häusling (Grüne) kritisierte die Stellungnahmen seiner Kollegen, die sich anhörten, als kämen sie direkt von den Lobbyverbänden der Hersteller. Häusling hält es für sinnvoll, die Konkurrenz zwischen Nahrungsmitteln und Energiepflanzen zu berücksichtigen. An den iluc-Berechnungen der EU-Kommission hat allerdings auch er seine Zweifel. Der Kommissionsvorschlag zu den Biotreibstoffen wird federführend im EP-Umweltausschuss behandelt. Die EU-Mitgliedstaaten haben sich im Energieministerrat bereits mehrheitlich für den Vorschlag ausgesprochen.

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