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Biomasse

Experten bewerten iLUC-Forschung als unzureichend

von , am
20.11.2013

Brüssel/Berlin - Die EU-Politik im Bereich Biokraftstoffe stößt erneut auf die Kritik von Experten. Die Modelle für indirekte Landnutzungsänderungen seien mit großen Unsicherheiten behaftet.

Tank und Teller ist die Devise von Norbert Lins. © Gerken Ernst / Fotolia
 
Die von der EU-Kommission vorgeschlagenen iLUC-Werte zur Berücksichtigung von indirekten Landnutzungsänderungen seien als Grundlage für gesetzliche Maßnahmen nicht geeignet, betonen die Autoren der Studie "Biokraftstoffe in der EU und indirekte Landnutzungsänderungen", die gestern in Berlin vorgestellt wurde.
 
 
 
Die bisherige Forschung erlaube keine belastbaren Angaben zu iLUC-Faktoren, die für gesetzliche Maßnahmen herangezogen werden könnten. Die Forschung in diesem Bereich ist daher aus wissenschaftlicher Sicht weiterzuentwickeln. Selbst die Autoren der von uns analysierten Studien plädieren dafür", stellte der Experte und Präsident des Humboldt-Forum for Food & Agriculture Von Witzke fest.

Studien unzureichend

Zum Teil seien die Ausgangsdaten der untersuchten iLUC-Studien zweifelhaft oder nicht ausreichend transparent. Methodische Schwächen würden manchmal durch "besondere Datenfülle kaschiert", ergänzte Noleppa. Zu geringe Ausbeutegrade bei einigen Koppelprodukten der Biokraftstoffe würden als Basis herangezogen und die Bedeutung von Stilllegungsflächen unterschätzt. In Summe seien die in den untersuchten Studien getroffenen Annahmen geeignet, "die Treibhausgas-Emissionen der Biokraftstofferzeugung tendenziell zu überschätzen". Die beiden Experten kommen zu dem Ergebnis, dass „dass die Bedeutung der indirekten Landnutzungsänderungen in der aktuellen EU-Politik gegenüber anderen Markteinflüssen "massiv überschätzt wird".
 

Bioethanol reduziert Treibhausgase um 50 %

In der Diskussion über Biotreibstoffe wird häufig übersehen, dass die Energiewende im Straßenverkehr mit Bioethanol im Benzin schon beachtliche Fortschritte erzielt hat. Gegenwärtig senkt er die Treibhausgas-Emissionen von fossilem Benzin um mindestens 50 Prozent. Die Einführung der iLUC Berechnung hätte zur Folge, dass die CO2-Einsparung von 50 auf 35 Prozent sinken würde, erläuterte Kunz. Um die verbindlichen Ziele zur Treibhausgas-Reduktion zu erreichen, müsste daher eine größere Menge an Biokraftstoff eingesetzt werden. Dies bedeute einen höheren Bedarf an Bioethanol und Mehrkosten pro Tonne CO2-Einsparung. Auch aus diesem Grund seien die bisherigen iLUC-Studien keine geeignete Basis für EU-Entscheidungen.
 

Hintergrund iLUC-Studien

In der iLUC-Forschung wird bekanntlich von der Annahme ausgegangen, dass Biokraftstoffe nicht nur direkt, sondern möglicherweise auch indirekt Landnutzungsänderungen verursachen können. Durch den Bedarf an Biotreibstoffen könnte es zu einer Verdrängung der Nahrungs- und Futtermittelproduktion kommen, für die wiederum bislang ungenutzte Flächen erschlossen werden müssten, lautet der Grundgedanke. Im Extremfall könnten Treibhausgas-Einsparungen auf der einen Seite durch Regenwaldrodungen wieder zunichte gemacht werden, so die Theorie.
 
Für die Berechnung von iLUC-Effekten werden aktuelle Wirtschaftsbeziehungen sowie Gegebenheiten in der Agrarproduktion abgebildet und in die Zukunft projiziert. Die Ergebnisse der verschiedenen iLUC-Studien weisen bezüglich der prognostizierten Treibhausgas-Emissionen erhebliche Unterschiede auf und sind daher unter Experten auch wegen ihrer fehlenden Transparenz sehr umstritten.
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