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Biogas

Fachverband Biogas: Die Branche bangt ums Überleben

von , am
14.11.2013

Hannover - Der Präsident des Fachverbandes Biogas, Horst Seide, hat das vorläufige Energiekonzept von CDU und SPD massiv kritisiert. Falls die Große Koalition an diesen Plänen festhalte, drohe der Branche der Zusammenbruch.

Das Präsidium des Fachverbandes Biogas berichtete auf der Agritechnica über die aktuelle Lage der Biogasbranche: Hauptgeschäftsführer Claudius Costa da Gomez, Verbandspräsident Horst Seide und Vizepräsident Hendrik Becker (von links). © Rouven Zietz
Auf der diesjährigen Agritechnica findet man zufriedene Gesichter: Das Agrarbusiness brummt und der Messeveranstalter rechnet mit einem neuen Besucherrekord. Anders ergeht es derweil der Biogasbranche.
 
Als Hauptgeschäftsführer Claudius Costa da Gomez die Pressekonferenz des Fachverbandes Biogas eröffnete, machte er zu beginn deutlich, dass die Stimmung alles andere als gut sei. Statt Aufbruch herrscht Katerstimmung. Miese Laune bereiten den Verbandsfunktionären die Energie-Pläne der zukünftigen Großen Koalition.

Abschalten: 'Biogas oder klimaschädliche Kohlekraftwerke'

Die Unterhändler von CDU und SPD aus der Arbeitsgruppe Energie wollen nur noch Biogasanlagen fördern, die Abfall- und Reststoffe vergären. Mais, Rüben und andere Energiepflanzen haben in diesem Konzept keinen Platz. Einen Ausbaustopp von landwirtschaftlichen Anlagen wäre die Folge, wie der Fachverband Biogas prophezeit.
 
"Wenn das wirklich umgesetzt wird, was die Koalition im Moment plant, dann könnte unsere Branche sterben," sagte FvB-Präsident Horst Seide am Dienstag auf der Pressekonferenz in Hannover. "Die Politik sollte sich jetzt lieber mit der Frage beschäftigen, wer abschalten muss: Biogas oder die klimaschädlichen Kohlekraftwerke."
 
Viele Betreiber würden ihre Anlagen für eine bedarfsgerechte Stromerzeugung umrüsten, womit sie einen wichtigen Beitrag zur Entlastung der Netze beitrugen, fügte FvB-Vizepräsident Hendrik Becker hinzu. "Wir können bei einem moderaten Ausbau von 300 MW pro Jahr bis 2030 rund zehn Gigawatt flexible elektrische Leistung zur Verfügung stellen." Um dieses Ziel zu erreichen, müsste die Regierung das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) so belassen, wie es ist - mindestens. Zum Vergleich: Die Kohleenergie stellt im Moment 18 Gigawatt elektrische Leistung zur Verfügung.
 

Marktrückgang um 70 Prozent

Auch ohne die einschneidenden Pläne der Großen Koalition geht es der Biogasbranche nicht gut. 2011 wurden noch 1.270 Anlagen gebaut, 2013 geht der Fachverband von 205 Neuanlagen aus. Die meisten davon sind Gülleanlagen bis zu 75 kW. Die Branche kämpft mit einem Marktrückgang von rund 70 Prozent. Zwar räumte Seide ein, dass der Ausbau im Jahr 2011 etwas zu viel des Guten war, aber moderates Wachstum sichere das Weiterbestehen der Branche. "Die Unternehmen brauchen ein starkes Heimatland, wo sie Entwicklungen vorantreiben können, um von dort aus auch ausländische Märkte zu bedienen."
 
Die Entwicklung vom Boommarkt zu einem schwächelnden Absatzgeschäft hat drei Gründe. Erstens ist die Vergütung seit dem EEG 2012 für Biogasanlagen viel schlechter gestellt, als die Jahre zuvor. Zweitens sind im vergangenen Jahr die Rohstoffpreise in der Landwirtschaft massiv gestiegen und drittens machen neue gesetzliche Vorgaben - wie etwa die Wasserschutzverordnung - den Biogasanlagen zu schaffen.

Arbeitnehmer: Zahlreiche Entlassungen

Die Zahl der Beschäftigten in der Biogasbranche hat sich im Vergleich zum Jahr 2011 annähernd halbiert. Für dieses Jahr geht der Fachverband Biogas von weniger als 40.000 Arbeitsplätzen aus. Das Umsatzvolumen sei in den vergangenen beiden Jahren kontinuierlich gesunken und liege nun bei 6,6 Milliarden Euro.
 
Was die Pläne der Großen Koalition angeht, besteht beim Fachverband Biogas noch Hoffnung auf eine abgeschwächte Umsetzung der Energiewende-Pläne. "Wir stimmen uns mit den Bayerischen Bauernverband sehr eng ab und suchen das Gespräch zu den Unterhändlern in der Arbeitsgruppe Energie", sagte Heide und hofft, am Ende auch mit einem zufriedenen Gesicht in ein neues Geschäftsjahr zu blicken.
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