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Biogas

Fachverband: Frankfurter Rundschau macht Stimmung gegen Biogas

von , am
18.07.2012

Berlin - Biogas beeinflusst die Getreide-Weltmarktpreise nicht. Das stellt der Fachverband Biogas klar. Und widerspricht damit einem Bericht der Frankfurter Rundschau.

Ein Bündel aus kurz- und mittelfristigen Maßnahmen könne die flexible Stromproduktion aus Biogas deutlich steigern, meinen die Autoren der Studie. © LianeM/fotolia.de
Die Frankfurter Rundschau hatte am Montag im Artikel "Regen und Hitze machen es Bauern schwer" über sinkende Anbauflächen und steigende Preise bei Getreide berichtet. Einen Grund hierfür sah das Blatt in den extremen Witterungsbedingungen in Deutschland und weltweit. Wie der Fachverband Biogas kritisiert, habe der Autor den Leser jedoch glauben gemacht, dass dieser Rückgang auch auf die gestiegene Zahl von Biogasanlagen in Deutschland zurückzuführen sei.
 
Der Grund für den Rückgang der Wintergetreideflächen seien nicht Biogasanlagen, sondern massive Auswinterungsschäden. Der Fachverband bezieht sich damit auf eine Pressemitteilung des Statistischen Bundesamts vom 21. Mai: Das Amt beschreibt darin einen Rückgang der Winterweizenanbauflächen beispielsweise in Hessen um 42 Prozent und in Niedersachsen um 21 Prozent. Um noch einen Ertrag von den umgebrochenen Wintergetreideflächen zu erwirtschaften, haben viele Landwirte nachträglich Mais und Sommergerste angebaut.

Frankfurter Rundschau 'operiert mit falschen Zahlen'

Der Fachverband Biogas wirft der Frankfurter Rundschau zudem vor, "mit falschen Zahlen zu operieren". Der Autor berichtet von einer Verzehnfachung der Anlagen seit 2004. Richtig sei aber, dass der Bestand seitdem um den Faktor 3,5 gestiegen sei. "Hier wird bewusst Stimmung gegen den für die Energiewende dringend benötigten erneuerbaren Energieträger Biogas gemacht. Diese falsche Berichterstattung entspricht nicht unseren Vorstellungen von einem seriösen Journalismus", kommentiert Claudius da Costa Gomez, Geschäftsführer des Fachverbandes Biogas.
 
Auch von einem Zusammenhang zwischen Getreidepreis und Biogasanlagen distanziert sich da Costa Gomez. In Deutschland werden 2012 auf acht Millionen Hektar Mais und Getreide angebaut - 0,8 Millionen Hektar (zehn Prozent) davon waren für Biogasanlagen bestimmt. Die Anbaufläche für Biogas in Deutschland mache 0,19 Prozent an der Weltgetreidefläche für Weizen, Gerste und Mais aus. Selbst die gesamte Energiepflanzenfläche Deutschlands in Höhe von rund zwei Millionen Hektar entspricht einem Anteil von 0,47 Prozent bezogen auf 427 Millionen Hektar Weltgetreideanbaufläche. "Das kann den Weltgetreidepreis nicht beeinflussen", betont der Geschäftsführer.
 
Überdies sei der Anbau von Weizen bei aktuellen Preisen von 250 Euro pro Tonne und Raps mit 500 Euro pro Tonne für Landwirte wirtschaftlich attraktiver als Mais für Biogasanlagen anzubauen. In Jahren sehr niedriger Erzeugerpreise indes, wie 2009 mit 80 Euro pro Tonne Weizen, bietet die Diversifizierung des landwirtschaftlichen Betriebs durch eine Biogasanlage oder die Lieferung von Energiepflanzen an eine Anlage wichtige Einkommensmöglichkeiten. "Niemand kann Landwirten einen Vorwurf daraus machen, dass sie nach Jahren niedrigster Erzeugerpreise nun wieder auskömmliche Einkommen erwirtschaften beziehungsweise auf Alternativen zum Food-Markt ausweichen", so da Costa Gomez.
 
Pflanzenspektrum bewegt sich weg vom Mais
 
Mittel- bis langfristig werde sich das Pflanzenspektrum für Biogasanlagen vom Mais weg bewegen. Bereits heute bauen zahlreiche Biogaslandwirte Alternativen zum Mais an, wie Rüben, Roggen und schnellwachsende Gräser. Darüber hinaus laufen zahlreiche vielversprechende Forschungsvorhaben, die alternative Energiepflanzen für den Einsatz in Biogasanlagen untersuchen. Der Fachverband Biogas befürwortet die von Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner geförderten Maßnahmen. "Biogas wird auf lange Sicht die Biodiversität auf den Feldern erheblich bereichern", ist sich da Costa Gomez sicher.
 
 
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