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Biogas

Flexibilität bei Biogasanlagen - Was ist möglich und sinnvoll?

von , am
28.01.2013

Berlin - Biogas kann im Spektrum der erneuerbaren Energien durch seine Speicherfähigkeiten punkten. Es gilt die Anlagen in den nächsten Jahren so einzurichten, dass die Landwirte davon profitieren.

Jens Fromm, Geschäftsführer der Seydaland Vereinigte Agrarbetriebe GmbH & Co KG in Seyda, Sachsen-Anhalt. © hek
Im Rahmen der DLG-Wintertagung Mitte Januar im ICC Berlin brachte der DLG-Aussschuss für Biogas das Thema unter dem Motto "Flexibilität für Biogasanlagen - Was ist möglich und sinnvoll?" auf den Punkt. Vier Redner beleuchteten das Gebiet aus unterschiedlichen Blickrichtungen. Den Anfang machte Bodo Drescher, Geschäftsführer von energy2market (e2m) aus Leipzig. Die Kernkompetenzen von e2m liegen im Handel mit Strom, dem Betrieb virtueller Kraftwerke und der Vermarktung von Regelenergie. Auf die Frage nach der optimalen Gasspeicherung gab Drescher einige Tipps:
  • Anpassung der Anlagensteuerung
  • Verstärkte Fütterung zum Ende der Nacht (NT-Zeit)
  • Mobilisierung der Gasspeicher
  • bei der Fütterung sehr schnell abbauendes Substrat verwenden
Im Anschluß widmete sich Drescher dem Thema Flexibilitäts-Prämie. Beispielhaft rechnete er ein Modell vor, in dem statt 400 kW Dauerbetrieb jetzt 800 kW ausschließlich im Tagbetrieb erzeugt werden. Dadurch werden 3.500.000 kWh ausschließlich tags produziert. Damit sind 1.750.000 kWh aus der Nachtproduktion in den Tag verschoben. Statt für 4,0 Cent wird für 6,0 Cent produziert, so dass die Marktprämie für diesen Teil um 2,0 Cent je kWh geringer ausfällt.
Dem Verbraucher werden dadurch jährlich 35.000 Euro an EEG-Umlage erspart. Wie der e2m-Geschäftsführer vorrechnete, ist das Ergebnis "Null" erreicht, wenn die Differenz zwischen Tag und Nacht wieder auf 2,7 Cent im Mittel der Erzeugung steigt. Vor 2010 sei dieser Wert konstant überschritten gewesen. Wie Drescher folgerte, ist die Flex-Prämie damit kein neuer Kostenpunkt im EEG 2012.
 
Als Fazit seines Vortrags gab Drescher den Zuhörern folgende Punkte mit auf den Weg:
  • ausreichend Speichfähigkeit für das Gas schaffen - Möglichkeiten sind mittlerweile vorhanden
  • auf Dauer geht an bedarfsgerechter Erzeugung als Baustein der Erneuerbaren Energien nichts vorbei
  • Flexprämie nutzen, ehe es zuspät ist
  • EEG 2012 hat auch für Bestandsanlagen Anreize - Chancen nutzen

Erhöhte Anforderungen an die Technik

Im Anschluß beschäftigte sich Dipl.-Ing. (FH) Frank Grewe, Geschäftsführer der 2G Drives GmbH aus Heek in Nordrhein-Westfalen mit dem Thema "Wirkungsgradverluste von Blockheizkraftwerken im Teillastbetrieb in Zusammenhang mit dem flexiblen Betrieb". Die 1995 gegründete 2G Energy AG stellt erdgas- und biogasbetriebene Blockheizkraftwerke zur Kraft-Wärme-Kopplung her. Die elektrischen Leistungen reichen bis 4.000 kW. Als unmittelbare Folgen des EEG 2012 machte Grewe ein häufiges An- und Ausschalten der BHKWs und Teillastbetrieb aus, was zu einem verminderten Motorwirkungsgrad führe.
 
Ausblickend sagte Grewe, dass zukünftige PKW Motoren mit Start- Stopp-Automatik für mehr als 250.000 Startzyklen ausgelegt werden. Dies entspräche bei zehn Jahren Dauerbetrieb mit 6.000 h/a 100 Startzyklen am Tag. Diese ergäben keinen messbar höheren Verschleiß der Motolagerung beim Einsatz moderner Sputter- Lager und hochwertiger Schmierstoffe.

Juristisch absichern

Dr. Helmut Loibl, Rechtsanwalt aus Regensbur, erklärte dann die rechtlichen Grundlagen bei der flexiblen Stromerzeugung. Bezüglich der Preisfindung bei der Direktvermarktung sei laut Loibl Vorsicht geboten und folgende Fragen bei der Preisfindung mit kalkuliert werden:
  • Fallen Konzessionsabgaben an?
  • Ist Stromsteuer zu zahlen?
  • Umsatzsteuer nicht vergessen!
  • Fällt EEG-Umlage an? (in der Regel, ja) 
Wie Loibl weiter ausführte, muss für jede Form der Direktvermarktung ein gesonderter Preis vereinbart werden, wenn in verschiedene Formen der Direktvermartkung gewechselt werden kann. Laut dem Juristen ist die Direktvermarktung für Anlagenbetreiber interessant, da sich damit mehr verdienen lässt als mit der normalen EEG-Vergütung. Es bestünden allerdings erhebliche Risiken, so dass der Vertrag vor der Unterzeichnung zwingend mit einem Fachjuristen geprüft werden müsse.
 
Den Abschluß der Redner machte Jens Fromm, Geschäftsführer der Seydaland Vereinigte Agrarbetriebe GmbH & Co KG in Seyda, Sachsen-Anhalt. Er sprach über seine "Erfahrungen mit der Direktvermarktung und der Flexibilität". Fromm ist Genosse im GDGE, der Genossenschaft Deutscher Grün-Energie Erzeuger eG.
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