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Solar

Forschung als Chance für die Solarwirtschaft

von , am
18.04.2012

Berlin – Die Solarbranche steckt in der Krise. Erst meldet Q-Cells Insolvenz an, jetzt schließt First Solar sein Werk in Frankfurt/Oder. Auf der Dünnschichtkonferenz in Berlin werden die Herausforderungen diskutiert.

v.l.n.r. Karl-Heinz Remmers, Vorstandsvorsitzender Solarpraxis AG, Dr. Rutger Schlatmann, Direktor Komptenz Zentrum Dünnschcht und Nanotechnologie für Photovoltaik und Prof. Dr. C.-H. Fischer, Helmoltz-Zentrum Berlin © Serfling
In Berlin Adlershof findet vom 16. Bis 19. April die weltweit größte Dünnschichtkonferenz statt. Auf der 4. Photovoltaics Thin Week treffen sich führende Solarzellen-Forscher und zahlreiche Vertreter der Industriebranche. In diesem Rahmen luden die Solarpraxis AG und das Helmoltz-Zentrum Berlin (HZB) Journalisten ein, um über die neuen Entwicklungen und Zukunftsaussichten der Photovoltaikbranche in Deutschland zu diskutieren.

Industriepolitik muss vorangetrieben werden

Der Vorstandsvorsitzende der Solarpraxis AG, Karl-Heinz Remmers, setzt in der derzeit angespannten Lage auf die Forschung - auf die Weiterentwicklung vorhandener Technologien und das Know-how in Deutschland. Großes Potenzial sehe er vor allem in der Verbesserung der Wirkungsgrade.
Doch die Wissenschaft brauche Unterstützung aus der Politik, fordert Remmers. Ein großes Manko sei die geringe Förderung der Industrie und der Forschung. In dieser Hinsicht seien uns die Chinesen einen Schritt voraus. Seit 2004 pumpe die chinesische Regierung Geld in die Photovoltaikbranche und sei fest entschlossen die Technologie als Schlüsselindustrie in China zu installieren. Unternehmen wie Tria Solar und Suntech hätten Kredite in Höhe von acht Milliarden Euro von der chinesischen Regierung bekommen. In Deutschland fehle noch der Wille. „Dennoch ist das Rennen noch lange nicht gelaufen“, betont Remmers. Denn in China mangelt es noch an Kernkompetenz.
 

Deutsche Wissenschaftler mit Rekord-Wirkungsgraden

Labormuster einer Solarzelle © HZB
Ein Beispiel für Spitzenforschung in Deutschland zeigen die Wissenschaftler des Helmholtz-Zentrum Berlin (HZB). Sie haben zwei Rekord-Wirkungsgrade für CIS-Dünnfilm-Solarmodule vom unabhängigen Institut für Solare Energiesysteme in Freiburg bestätigt bekommen.
Das besondere dieser Solarzelle ist, dass die Pufferschicht mit dem umweltfreundlichen, am HZB entwickelten Herstellungsverfahren ILGAR ( Ion Layer Gas Reaction) entstanden ist. Für ihre Rekordzellen haben die HZB-Wissenschaftler Absorber – also lichtabsorbierende Schichten – genutzt, die standardmäßig in der Industrie im Einsatz sind. Damit wurden ihnen gleich zwei Solarzell- Wirkungsgrade bestätigt. 16,1 Prozent wurden für Zellen erreicht, die mit ILGAR-indiumsulfid-Pufferschichten auf Bosch CIS Tech Cu Absorbern hergestellt wurden. Auf Zellen mit Absorbern der Firma AVAVCIS konnten die Wissenschaftler bei eigenen Messungen Wirkungsgrade von 16,4 feststellen.
 
Im Wettbewerb der Frauenhofergesellschaft gehören die Wissenschftler des HZB zu den vier German High Tech Champions. Das Team um Prof. Dr. Christian-Herbert Fischer ist auf der Clean Gas Reaction Conference & Expo in Bosten, USA, für sein patentiertes ILGAR Verfahren ausgezeichnet worden.
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