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Biokohle

Heizen mit Biokohle aus Biomüll - ein zukünftiger Energieträger?

Grünschnitt
am Mittwoch, 11.01.2023 - 05:00 (4 Kommentare)

Diplom-Ingenieur Peter Brinkhege stellt aus Laub und Grünschnitt Biokohle her. Das funktioniert mit dem Verfahren der Hydrothermalen Carbonisierung (HTC). Dabei wird das organische Material unter enormem Druck und Hitze zu Brennmaterial verkocht.

Peter Brinkhege hat ein Verfahren weiterentwickelt, das aus Bioabfällen Kohle innerhalb von zwölf Stunden herstellt. Die Idee kam ihm bei der Produktion von Kalksandstein. Das physikalische Verfahren ist zwar nicht neu, der speziell dafür ausgerichtete Biokohlereaktor des Bad Iburgers schon. Dieser lässt sich mit Bioabfällen befüllen.

Auch aus Klärschlamm grüne Kohle herstellen

Laut Brinkhege eignen sich Laub und Äste gut und eigentlich „alles, was wir in der grünen Tonne sammeln.“ Um das Laub zu sammeln, hat der Erfinder sogar ein altes Feuerwehrauto in einen großen Laubsauger umbauen lassen. Laub ist für ihn der Stoff, aus dem saubere Energie wird. Mit genügend Druck und Hitze ist es sogar möglich, aus Klärschlamm grüne Kohle herzustellen.

Nördlich von Berlin verhandelt Brinkhege mit drei kleineren Städten über den Aufbau einer solchen Anlage. Hier sollen beispielsweise Hanfstengel und Klärschlamm zu Biokohle verarbeitet werden. „Berlin ist eine große Stadt, in der viel Biomasse anfällt“, sagt Brinkhege. „Sie braucht mindestens vier solcher Anlagen.“ Bis zu 200.000 t Grünschnitt und 70.000 t Herbstlaub könnten laut dem Ingenieur in der Hauptstadt anfallen. Die Biokohle lässt sich in Kohlekraftwerken und Zementwerken einsetzen. Es lässt sich jedoch nicht nur Energie aus dem Abfall gewinnen. In Großversuchen wird in Niedersachen geprüft, inwieweit sich der Abfall auch als Dünger nutzen lässt.

Durch CO2-neutralen Brennstoff Geld sparen

Die aus dem Brennstoff gewonnene Wärme sei CO2-neutral, denn sie stammt aus dem Grün, das zuvor dieselbe Menge CO2 absorbiert habe, so Brinkhege. Er rechnet sich bei dem Verfahren gute Chancen aus, denn im Vergleich zu konkurrierenden Prozessen kommen seine Pellets trocken aus dem Dampfdrucktopf. Eine seiner ersten Anlagen steht in Ladbergen zwischen Osnabrück und Münster und ist schon in Betrieb. Dort werden bei 16 bar und einer Temperatur von 200°C Biomassen carbonisiert.

Bei der HTC werden vom Kohlenstoffdioxid des Biomülls die Wasserstoffe abgespalten. Das Ergebnis daraus ist Kohle. „Dieser Brennstoff ist CO2-neutral und spart damit für die Energieunternehmen viel Geld, weil sie dadurch keine teuren CO2-Zertifikate wie für herkömmliche Kohle zahlen müssen.“ Für die Abnahme einer Tonne Bioabfall bekommt Brinkhege rund 20 Euro von den Kommunen. Nach der Carbonisierung kann er die grüne Kohle für 60 Euro pro Tonne verkaufen. Mit seinem Patent strebt der Ingenieur nicht nur nach Hamburg, Berlin und anderen Metropolregionen, sondern auch über die Landesgrenzen hinaus.

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