Zum Adventsgewinnspiel

Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Energiemärkte

Holpriger Strom- und Gasmarkt: Das erwartet Verbraucher und Landwirte

Starkstrom unter dramatischen Wolken
am Mittwoch, 08.12.2021 - 05:00 (Jetzt kommentieren)

Der aktuelle Monitoringbericht über die Entwicklung der deutschen Elektrizitäts- und Gasmärkte zeigt, warum es zuletzt zu Preissteigerungen kam und worauf sich Verbraucher und Landwirte künftig einstellen können. Hier lesen Sie die gebündelten Ergebnisse.

Die Analysen der Bundesnetzagentur (BNetzA) und des Bundeskartellamtes beziehen sich primär auf das vergangene Jahr 2020, bilden mit Blick auf die Preisentwicklung aber auch das erste Quartal 2021 sowie aktuelle Tendenzen ab. „Die Zahlen des Monitoringberichts zeigen, dass bei der Umsetzung der Energiewende noch eine Wegstrecke vor uns liegt – und durch die Corona-Pandemie sind auch die Herausforderungen auf den Energiemärkten nicht kleiner geworden,“ sagt Jochen Homann, Präsident der BNetzA.

Der Markt bewegt sich, Knappheit lässt die Preise steigen

Die Corona-Pandemie des Jahres 2020 habe Spuren auf den Energiemärkten hinterlassen. Durch den zeitweiligen Nachfragerückgang konnten die Ziele der Energiewende für 2020 erreicht werden. Im marktlichen Teil der Energiewirtschaft führe die weltweite Erholung der Wirtschaft in 2021 jetzt zu steigenden Preisen, die auch die Endverbraucher treffen.

Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamtes, berichtet: „Mit der voranschreitenden Energiewende, dem gleichzeitigen Ausstieg aus der Stromerzeugung aus Kernkraft und Kohle und dem Ausbau der erneuerbaren Energien sehen wir derzeit ganz erhebliche Umbrüche bei Marktpositionen und Strukturen. Umso mehr kommt es darauf an, auf allen Marktstufen wettbewerbliche Strukturen und Auswahl für Verbraucherinnen und Verbraucher zu sichern.“

Weniger konventionelle Stromerzeugung

Aufgrund der Energiewende komme es zu einem Rückgang der konventionellen Stromerzeugung. Für erste Steinkohlekraftwerke trat das Verbot der Kohleverstromung im Juli 2021 in Kraft, während die letzten Atomkraftwerke Ende 2022 abgeschaltet werden. Die bevorstehende Kraftwerksabschaltung in Folge des gleichzeitigen Atom- und Kohleausstieges verknappe die inländischen Erzeugungskapazitäten. Ein Minus von 11,6 Prozent sei die Folge. Der Rückgang der Verstromung bei Steinkohle betrage rund 25 Prozent, bei Braunkohle rund 20 Prozent.

Die verbleibenden großen Kraftwerkebetreiber seien daher für die inländische Bedarfsdeckung nun von größerer Bedeutung. Der Markt müsse im Hinblick auf marktbeherrschende Stellungen aufmerksam beobachtet werden. Dem will sich das Bundeskartellamt annehmen.

Knapp die Hälfte des Stroms aus erneuerbaren Energien

Die Stromerzeugung auf Basis erneuerbarer Energien sei in 2020 um 3,4 Prozent nur leicht gestiegen. Dabei stieg der Anteil von Strom aus erneuerbaren Energien am Bruttostromverbrauch auf 45 Prozent. Der Zuwachs sei insbesondere durch den Ausbau von Photovoltaik- und Windanlagen zu erklären. Damit wurden die im EEG 2021 gesetzlich vorgesehenen Ausbauziele für 2020 erreicht. Das erste Halbjahr 2021 ließe hoffen, dass dies auch für das Jahr 2021 der Fall ist.

Rund 95 Prozent des potenziell erzeugbaren erneuerbaren Stroms käme tatsächlich bei den Endverbrauchern an. Der fortschreitende Ausbau der erneuerbaren Erzeugung habe jedoch zu Auswirkungen auf die Maßnahmen der Netzbetreiber zur Wahrung der Netz- und Systemstabilität im Jahr 2020 geführt.

Immer mehr Anbieterwechsel durch Preisanstiege

Auf den jeweiligen Endkundenmärkten lagen die gemeinsamen Marktanteile der vier absatzstärksten Strom- und Gaslieferanten deutlich unterhalb der gesetzlichen Vermutungsschwellen für eine marktbeherrschende Stellung. Der Rückgang der Preise auf dem Strom- und Gasgroßmarkt während der Frühphase der Pandemie wurde durch den Preisanstieg bis Jahresende 2020 wieder ausgeglichen, der sich im Jahr 2021 weiter fortsetzte, so die Experten.

Zum Stichtag des 1. April 2021 waren die Strompreise für Haushaltskunden im Vergleich zum Vorjahr um rund zwei Prozent gestiegen. Der Gaspreis stieg um rund sechs Prozent. Grund für die Preissteigerungen sei u.a. eine Ausweitung des nationalen CO2 -Zertifikathandelssystems auf die Bereiche Verkehr und Wärme. Da die gesetzliche Regelung eine stufenweise jährliche Erhöhung der CO2-Bepreisung bis 2026 vorsieht und aufgrund der Preissteigerungen auf den Großhandelsmärkten Ende 2021, sei in den Folgejahren mit einem weiteren Anstieg des Gaspreises zu rechnen.

„Die im Monitoringbericht 2021 dokumentierte positive Entwicklung auf den Einzelhandelsmärkten für Strom und Gas wird besonders bei der Zahl der Lieferantenwechsel von Haushaltskunden deutlich. In 2020 wurde mit rund 5,4 Millionen Lieferantenwechseln von Haushaltskunden ein neuer Rekordstand erreicht. Auch im Gasbereich gab es mit rund 1,6 Millionen Lieferantenwechseln einen neuen Höchststand. Dies lässt erkennen, dass die Verbraucher die sich ihnen bietenden Möglichkeiten zum Sparen immer aktiver nutzen“, sagt Jochen Homann.

Weitere Informationen finden Sie im aktuellen Monitoringbericht.

Mit Material von BNetzA

Kommentare

agrarheute.comKommentare werden geladen. Bitte kurz warten...