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Steinzeit

Holz aus dem Wald: Zum Heizen - fast - zu schade

Mann in Höhle
am Montag, 28.02.2022 - 09:35 (2 Kommentare)

Das Umweltbundesamt spricht sich gegen Heizen mit Holz aus. Und bezieht dafür Prügel. Doch vielleicht ist das so dumm nicht. Es lohnt sich jedenfalls, genauer hinzuschauen.

Es ist leicht, das Umweltbundesamt doof zu finden. Gerade wieder hat sich das UBA den Zorn von Heizungsbauern, Kamin- und anderen Holzheizungsbesitzern und Waldbesitzern zugezogen. UBA-Präsident Messner hatte empfohlen, auf das Heizen mit Holz zu verzichten. Das ist pikant, weil Energie aus dem nachwachsenden Rohstoff Holz im Prinzip als sinnvolle Alternative zu fossilem Öl oder Gas gilt. Deswegen unterstützt die Bundesregierung auch die Nutzung von Holz. Doch bei Licht betrachtet hat das UBA Recht. Heizen mit Holz ist ein Relikt aus der Steinzeit. Holz ist im Prinzip zum Verheizen viel zu schade.

Weniger Feinstaub - Erfolg für den Umweltschutz

Doch bevor Sie einen Scheit werfen oder gleich auf dem Scheiterhaufen leiden sehen möchten, lassen Sie mich differenzieren. Zwei Fragen stehen nämlich im Raum: Warum kommt das UBA darauf? Was bedeutet das für die Nutzung von Holz?

Zunächst hat das Umweltbundesamt verkündet, dass es um die Luft besser steht. Weniger Stickoxide, weniger Feinstaub in der Luft. Alles sehr erfreulich. Weil der Anteil von Feinstaub aus dem Verkehr so zurückgegangen ist, liegt er jetzt fast gleichauf mit dem Anteil aus der Feinstäube aus Holzheizungen. Man könnte sagen: Super gemacht, toller Erfolg für den Umweltschutz. Doch die Weltgesundheitsorganisation mahnt längst weitaus niedrigere Grenzwerte an. zum Schutz unser aller Gesundheit. Die europäischen Umweltagentur meldet, dass es allein in Deutschland im Jahr 2019 knapp 54.000 vorzeitige Todesfälle durch Feinstaubbelastung gegeben hätte. Und wenn man die Grenzwerte senken will, muss man an die Holzheizungen auch ran.

Feinstaubbelastung durch Kamine

Nun ist aber Holzheizung nicht gleich Holzheizung. Da gibt es die hocheffiziente Pelletheizung mit Filter, die einen Betrieb mit Energie versorgt. Und da gibt es - neben allerlei Zwischenstufen - den Kanonenofen, der mehr Lifestyle als notwendig ist. Zu fordern, dass hier auch Filter Standard sein müssten, ist richtig. Auch das Infragestellen, ob in jedem Drei-Zimmer-Appartement ein Kamin stehen muss, sollte erlaubt sein. Gerade dort ist die Feinstaubbelastung hoch; oft wird Holz verfeuert, was schlecht oder unzureichend brennt. Weil das Holz zu frisch ist und zuviel Feuchtigkeit enthält. Pellets sind da zum Beispiel besser, weil trockener.

Es ist besser, Holz langfristig zu binden

Eine andere Komponente ist die ökologische. Und damit komme ich gleich zur zweiten Frage: Was bedeutet das nun für die Nutzung von Holz? Holz ist so ein wunderbarer Stoff, weil er CO2 aus der Luft holt und es bindet. Wenn wir es verfeuern, wird nur dieses CO2 wieder frei. Leider verbrennt das Holz schneller, als das es nachwächst. Grundsätzlich ist es also besser, wenn das Holz im Wald verbleibt. So kann der Kreislauf am besten funktionieren.

Doch die CO2-Bank und damit der Klimaschutznutzen funktionieren am besten, wenn wir das Holz und damit das CO2 langfristig binden. Dazu gehört eine geregelte Forstwirtschaft, wie sie von vielen Waldbesitzern betrieben wird. Die Langfristigkeit spricht nämlich dafür, alle Teile des geschlagenen Holzes solange wie möglich zu erhalten. Das meint Schnittholz aber letztendlich auch den ganzen Kleinkram, der bei der Verarbeitung anfällt. Kronenmaterial sollte ohnehin im Wald bleiben. Und egal ob man nun Späne zu Pellets verpresst oder anders weiterverarbeitet. Das ist immer noch besser, als ganze Holzscheite zu verfeuern.

Kurzum: Heizen mit Holz ist eine schöne Sache. Aber wenn schon, dann bitte effizient, mit ökologischem Fingerspitzengefühl und am besten in Kaskadennutzung. Wie in der Steinzeit in die Flamme zu gucken, ist einfach von gestern.

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