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Japan: Kampf gegen Super-GAU

von , am
18.03.2011

Tokio - Das AKW Fukushima gleicht einem ausgebombten Straßenzug. Im Wettlauf gegen die Kernschmelze wollen die Japaner den Kühlkreislauf wieder starten.

Der Streit um die Besetzung der Kommission zur Atommüll-Endlagersuche ist beendet. © Markus Bottesch/www.aboutpixel.de
Im havarierten AtomkraftwerkFukushima Eins müssen die Einsatzkräfte weiter mit primitivsten Mitteln gegen den drohenden Super-GAU kämpfen. Mit Wasserwerfern bespritzten Soldaten am Freitag den mit hoch giftigem Plutonium bestückten Reaktor 3, um die stark erhitzten Brennstäbe zu kühlen. Trotz der hohen Strahlenbelastung wurde eine erste Notstromleitung in das AKW gezogen. Damit sollen ungeachtet der extremen Zerstörung in den Meilern an einigen Stellen die Kühlkreisläufe wieder gestartet werden.
Für Sonntag sei auch ein Anschluss der Reaktoren 3 und 4 an das Stromnetz geplant, teilte ein Sprecher der japanischen Atomsicherheitsbehörde NISA mit. Über den Zustand der Technik in den teilweise völlig zerstörten Reaktorhallen gab es keine genauen Angaben. In Block 3 ist das giftige Plutonium in den Brennelementen enthalten, in Block 4 droht das Abklingbecken voller abgebrannter Brennstäbe zu überhitzen und todbringende Strahlung freizusetzen. Nach dem Manöver am Vortag sei die Intensität der radioaktiven Strahlung leicht zurückgegangen, berichtete die japanische Rundfunkgesellschaft NHK unter Berufung auf den AKW-Betreiber Tepco.
Ungeachtet dessen stuften die japanischen Behörden die Gefährlichkeit des Störfalls im AKW hoch. Die Havarie wurde von Stufe 4 auf Stufe 5 dr internationalen Bewertungsskala eingeordnet.
 

Notstromversorgung in Blöcken 5 und 6 hergestellt

Die Internationale Atomenergiebehörde IAEA kritisierte die bisherige Informationspolitik Japans zum Fukushima-Drama. Japans Ministerpräsident Naoto Kan sicherte IAEA-Chef Yukiya Amano zu, die internationale Öffentlichkeit besser über die Entwicklungen zu informieren.
Auf zwei Wegen wollen die Fukushima-Techniker jetzt die Kontrolle über die beschädigten Reaktoren zurückgewinnen. Die Wasserwerfer sollen auch am Block 4 und eventuell bei Block 1 eingesetzt werden. Etwa 140 Feuerwehrleute wurden dafür zum AKW gefahren um die Soldaten zu unterstützen. Der AKW-Betreiber Tepco hofft, die Reaktoren 1 und 2 am Samstag mit Strom versorgen zu können.
Gute Nachrichten gab es aus den weitgehend unversehrten Blöcken 5 und 6. Dort sei die Notstromversorgung hergestellt worden, teilte Tepco mit.

Noch mehr als 9000 Menschen vermisst

Bei dem Erdbeben und dem Tsunami im Nordosten Japans sind mehr Menschen ums Leben gekommen als bei dem Beben in der japanischen Hafenstadt Kobe im Jahr 1995. Nach neuesten Angaben stieg die Zahl der Toten auf 6539. Es wird allerdings befürchtet, dass weit mehr Menschen der Katastrophe zum Opfer fielen. Es werden weiter mehr als 9000 Menschen vermisst. Es ist praktisch ausgeschlossen, dass eine Woche nach dem Unglück noch Opfer lebend aus den Trümmern geborgen werden. Die Folgen von Erdbeben und Wasserwalze, die steigende Atom-Gefahr und Eiseskälte setzen auch den Überlebenden der Katastrophen immer heftiger zu. In den Noquartieren der Erdbebenopfer ist die Lage weiterhin dramatisch. NHK zufolge sind schon mindestens 25 Flüchtlinge gestorben. Bei dem Beben im Raum Kobe kamen 6434 Menschen ums Leben.

Entwarnung für die nächsten Tage

Meteorologen gaben für den Großraum Tokio mit etwa 35 Mio Menschen zunächst weiter Entwarnung. Bis zum Wochenende wehe der Wind weiter aus Westen und damit vom AKW auf den Pazifik hinaus.
Allerdings soll der Wind am Montag wieder Richtung Süden und damit auf Tokio drehen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat eine Regierungserklärung zu den Folgen der Reaktor-Katastrophe in Japan abgeben.
mehr dazu lesen sie hier...
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